18.03.2013 11:57
Bewerten
(8)

Zyperns Regierung kämpft gegen Banken-Totalkollaps

Nervöser Handel: Zyperns Regierung kämpft gegen Banken-Totalkollaps | Nachricht | finanzen.net
Nervöser Handel
Die zyprische Regierung bemühte sich am Sonntag nach ihrer Ankündigung einer Steuer auf Sparguthaben, einen Totalzusammenbruch des Finanzsektors abzuwenden.
Der neu gewählte Präsident des Inselstaates, Nikos Anastasiadis, warnte vor einem Kollaps des zypriotischen Bankensystems und einem ungeordneten Austritt aus der Eurozone.

   In einer dramatischen Rede an die Nation rief Anastasiadis dazu auf, die geplante Steuer politisch zu unterstützen. Diese sei notwendig, damit Zypern Rettungshilfen von 10 Milliarden Euro von den Partnern der Eurozone und vom Internationalen Währungsfonds bekommt. Die Regierung und die beiden größten Banken der Insel - die Cyprus Popular Bank und die Bank of Cyprus - haben so gut wie kein Geld mehr. Ohne das Darlehen drohe dem Land der Bankrott mit "schmerzhaften" Konsequenzen, warnte Anastasiadis.

   Wenn er die Steuer nicht angesetzt hätte, "hätte dies die sofortige Beendigung der Geschäfte einer einzelnen Bank zur Folge gehabt, dann hätte es zur Aufhebung der Geschäfte bei Zyperns zweitgrößter Bank geführt, und das hätte uns einen vollständigen Kollaps des Bankensystems beschert", sagte Anastasiadis, der erst seit zwei Wochen im Amt ist.

   Die Steuer gilt für Manager wie für Schulkinder

   Vor seiner Ansprache hatte es in der zypriotischen Hauptstadt wilde Verhandlungen zwischen Regierungsvertretern und Politikern, Zentralbankvertretern, Gesetzgebern und Bankenchefs auf höchster Ebene gegeben. Dabei war es um die neue Steuer gegangen, welche die Regierung durchboxen will, noch bevor die Banken auf der Insel nach einem dreitägigen Feiertagswochenende am Dienstag wieder ihre Türen öffnen.

   Bankkonten mit Einlagen von mehr als 100.000 Euro sollen künftig mit einer Rate von 9,9 Prozent besteuert werden. Sparkunden mit weniger Guthaben sollen 6,75 Prozent Steuern zahlen. Die Abgabe soll dem Land am Rande der Pleite 5,8 Milliarden Euro einbringen und sie soll für jeden gelten - von Unternehmen bis zu Schulkindern von Ausländern, die auf Zypern leben. Um für mehr Rückhalt im Parlament zu werben, hat Anastasiadis bereits angekündigt, er diskutiere mit den Gläubigern, die Lasten für Kleinsparer gering zu halten.

   Die Regierung ist sich nicht sicher, ob sie die notwendigen Stimmen zusammenbekommt, um die Maßnahme im Parlament durchzubringen und hat die ursprünglich für Sonntag angesetzte Eilsitzung des Parlaments auf Montag verschoben. Zugleich hat das Kabinett die Zentralbank darum gebeten, auch den Dienstag noch zu einem Bankenfeiertag zu machen - und dürfte mit diesem Vorstoß auch durchkommen. Am späten Montag sollen die Parlamentsdebatten über die neue Guthabensteuer beginnen.

   Vom Votum der Abgeordneten hängt mit ab, wie es mit der Zukunft der Insel und der Eurozone als Ganzes weitergeht. Sollte das Parlament den Gesetzesentwurf nicht mittragen oder es einen Ansturm der Sparer auf die zypriotischen Banken geben, könnte das neue Ängste vor dem Zusammenhalt der Eurozone schüren.

   Im frühen neuseeländischen Devisenhandel kam der Euro bereits unter Druck, während Anleger die neuesten Nachrichten aus Zypern verdauten. Viele fürchten ein Wiederaufflammen der Finanzkrise, die bereits seit drei Jahren in der Währungsunion schwelt - ausgerechnet zu einer Zeit, in der Europa das Schlimmste hinter sich zu haben schien.

   Es ist das erste Mal innerhalb der Eurozonenkrise, dass auch private Sparkunden Verluste hinnehmen müssen. Und die Angst ist groß, dass sich die zypriotische Schuldenkrise auf die europäischen Finanzmärkte ausdehnen und das Vertrauen in die örtlichen Banken weiter erschüttern könnte.

   "Von jetzt an kann man keinem mehr trauen"

   Am Wochenende haben nervöse Sparkunden in Zypern schon die Banken gestürmt und in Massen Geld von ihren Konten abgehoben. Viele sind geschockt und verärgert über die geplante Sondersteuer. Ein besonders wütender Anwohner in der Stadt Limassol im Süden der Insel parkte aus Protest einen Bagger vor einer Bankfiliale. Andreas Archontidis, ein 50 Jahre alter Taxifahrer in Nikosis, sagt, viele Bürger hätten Angst um ihre lebenslangen Ersparnisse.

   "Das kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Man hat uns versichert, dass das nicht kommen würde. Ich habe verstanden, dass man von jetzt an keinem mehr trauen kann", sagt Archontidis. "Die Lage ist explosiv, die Leute sind sauer und besorgt. Wir wissen nicht, ob wir noch zu unseren Banken gehen können, wann die aufmachen und wir unser Geld zurückbekommen."

   Obwohl die Abstimmung im Parlament noch aussteht, hat die zypriotische Regierung die Banken auf der Insel bereits angewiesen, die Steuer auf die Konten aufzuschlagen, bevor sie irgendeinen Cent aushändigen. Und größer noch als die Sorge vor einem Ansturm der einheimischen Sparkunden ist die Frage, wie jetzt die ausländischen Sparkunden reagieren werden, die mehr als ein Drittel aller Spareinlagen auf zypriotischen Bankkonten besitzen. Im Januar hoben beunruhigte Sparer laut letzten verfügbaren Daten schon rund 1,7 Milliarden Euro von den zypriotischen Konten ab, weil sie genau solch eine Steuer kommen sahen.

Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.- - 01 21 AM EDT 03-18-13

Bildquellen: Paul Cowan / Shutterstock.com, iStock/creisinger
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Die Top 5 der Medizin- und Pharmakonzerne mit großen Wachstumschancen!

Aktien aus dem Medizin- und Pharmabereich gehören neben den hochtechnologischen Konzernen wohl zu den schwierigsten Wertpapieren, die man an der Börse spielen kann. Die meisten Unternehmen, die auf diesem Feld unterwegs sind, bleiben über Jahre hin unprofitabel. Wir stellen im aktuellen Anlegermagazin fünf Aktien vor, bei denen große Wachstumschancen lauern könnten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX schließt fester -- Dow endet im Plus -- Fed lässt Leitzins unverändert -- Facebook steigert Umsatz und Gewinn kräftig -- PayPal mit guten Quartalszahlen -- PUMA, GEA, KION, Peugeot, KlöCo im Fokus

Deutsche Börse verfehlt Erwartungen und stellt Ergebnisziel in Frage. Stärkere Luxus-Nachfrage beflügelt LVMH. OSRAM steigert Umsatz und operativen Gewinn. Daimler enttäuscht Erwartungen. Analysten: Der Euro hat noch Luft nach oben.

Top-Rankings

KW 29: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Der CEO von Allianz, BMW oder doch Daimler?
Diese Manager lieben die Deutschen
KW 29: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

E-Autos: Kein Zwang zum Tesla-Kauf
Diese Tesla-Konkurrenten sind auf dem Vormarsch und billiger als der Model 3
So schnitten die DAX-Werte im ersten Halbjahr 2017 ab
Tops und Flops
BlackRock Beteiligungen
In diese Unternehmen investiert der Fondsgigant
Die reichsten Länder der EU
Das sind die reichsten Länder der EU
Jobs mit Zukunft und hohem Gehalt
Hier wird man auch künftig noch gut bezahlt
mehr Top Rankings

Umfrage

Wenn morgen Bundestagswahl wäre, wen würden Sie wählen?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln

Willkommen bei finanzen.net Brokerage

Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus finanzen.net!

Weitere Informationen finden Sie hier.

Jetzt informieren


Sie haben bereits ein Depot? Dann verknüpfen Sie es jetzt mit Ihrem finanzen.net-Account!

Jetzt mit finanzen.net-Account verknüpfen

Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Daimler AG710000
Deutsche Bank AG514000
CommerzbankCBK100
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Nordex AGA0D655
BMW AG519000
AMD (Advanced Micro Devices) Inc.863186
Apple Inc.865985
TeslaA1CX3T
EVOTEC AG566480
Allianz840400
Amazon906866
BASFBASF11
AIXTRON SEA0WMPJ
E.ON SEENAG99