MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der neue Chef der Bayerischen Börse, Jochen Thiel, sieht auch für eine regionale
Börse wie München gute Chancen im Wettbewerb um die Anleger. Sie spreche auch Privatleute an und bilde einen Gegenpol zu den großen Börsenplätzen in Europa, die oft von Hochfrequenzhändlern dominiert seien, sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch). "Solche Geschäfte, die in Millisekunden sehr große Kursbewegungen auslösen können, gibt es und wird es bei der Börse München nicht geben." Auch die Börsen in Stuttgart und Hamburg hätten ihre Nischen gefunden.
Um Marktanteile zu gewinnen, setzt Thiel vor allem auf Service und Transparenz. "Wir wollen auch weiterhin nicht der Aldi oder Lidl unter den Börsen sein. Wir waren auch bislang nicht die billigsten, gemessen an den Gebühren, und streben dies auch nicht an." Ob alle deutschen Regionalbörsen langfristig bestehenbleiben, ist aber unsicher. "Es wird sicher eine Konsolidierung geben", sagte Thiel. "Die Börsen müssen sich selbst finanzieren. Insofern entscheiden vor allem die Kunden darüber, welche Börsen es in Zukunft noch braucht."
Thiel steht seit Anfang des Jahres als Nachfolger von Christine Bortenlänger an der Spitze der Bayerischen Börse. Der 46-jährige Wirtschaftsinformatiker war zuvor Geschäftsführer der Börse Tradegate in Berlin und Vizepräsident der Deutschen Börse. Bortenlänger wechselte nach zwölf Jahren in München als Geschäftsführender Vorstand zum Deutschen Aktieninstitut nach Frankfurt./dwi/DP/fbr