13.01.2013 03:00
Bewerten
 (3)

"Peak Car" - Wenn der Automarkt nicht mehr wachsen will

Neuzulassungen
"Peak Car" klingt zwar ein bisschen nach Pik Bube, ist aber kein Trumpf aus dem Skatblatt für Autobauer. Im Gegenteil: Die Branche fühlt sich bei dem Begriff wohl eher an den Schwarzen Peter erinnert.
Denn er beschreibt den Moment, ab dem der Hunger nach immer mehr Autos gestillt ist. Die Menschen setzen sich seltener hinters Steuer - und wo weniger Auto gefahren wird, werden auch weniger Neuwagen verkauft. Viele Industrieländer haben diesen Punkt aus Sicht von Ökonomen schon erreicht, womöglich ganz Europa.

 

    Zumindest sanken die Neuzulassungen in der EU im November den 14. Monat in Serie, wie der europäische Branchenverband ACEA am Freitag mitteilte. In den ersten elf Monaten wurden sogar so wenig Neuwagen zugelassen wie seit dem Jahr 1993 nicht mehr. Das dürfte zwar zum Großteil auf das Konto der flauen Konjunktur gehen - ist aber auch ein Vorbote gesellschaftlicher Veränderungen, die die Autoindustrie treffen.

 

    Denn junge Leute und damit potenzielle Neukunden werden rar. Mehr Menschen leben in Städten, brauchen dank Bus und Bahn seltener den eigenen Wagen - und sparen sich lieber das lästige Parkplatzsuchen. Gerade für junge Stadtmenschen verliert das Auto an Bedeutung. Und weil Neuwagen dank steigender Qualität immer länger gefahren werden, wird der nächste Autokauf zusätzlich auf die lange Bank geschoben.

 

    Und so zeichnet die US-Investmentbank Morgan Stanley in einer Studie ein düsteres Bild vom europäischen Automarkt. Die Analysten vermuten, dass der "Peak Car" schon erreicht ist und die Nachfrage bis Ende des Jahrzehnts unter dem Ersatzbedarf liegen könnte. Das heißt: Im Schnitt würden weniger Neuwagen gekauft als alte Autos ausrangiert. Wachstum? Fehlanzeige!

 

    Ganz so pessimistisch sieht Auto-Experte Stefan Bratzel von der FH Bergisch-Gladbach die Situation noch nicht. Die Folgen eines stagnierenden Marktes seien aber schon jetzt nicht zu übersehen. "Wir haben eine enorm hohe Wettbewerbsintensität", sagt er. Die Hersteller könnten ihren Absatz in Europa nur noch steigern, wenn sie der Konkurrenz die Kunden ausspannten. Der Verdrängungskampf in Europa wird damit noch härter und wer nicht rentabel genug produziert, dessen Zukunft ist ungewiss.

 

    Wie die aussehen könnte, zeigt ein Blick nach Japan, wo der "Peak Car" schon 1990 erreicht wurde. Seitdem brachen die Neuzulassungen von 7,8 Millionen auf gut 5 Millionen dieses Jahr ein. Wer wie Mazda oder Mitsubishi damals zu sehr auf den Heimatmarkt ausgerichtet war, geriet in arge Schieflage. Mazda kämpft heute noch ums Überleben. Dagegen gingen Honda (Honda Motor) und Toyota (Toyota Motor) gestärkt aus der Krise hervor. Sie verkauften schon damals viele Autos in Nordamerika, retteten sich damit über die Flaute - und konnten so die Konkurrenz ausstechen.

 

    Auch in Europa scheinen die Rollen klar verteilt: Während VW ähnlich wie damals Honda oder Toyota sehr international ausgerichtet ist, stehen die übrigen Volumenhersteller Peugeot Citroen, Renault , Fiat, Ford (Ford Motor) und die GM-Tochter Opel in Europa massiv unter Druck. Mehr als die Hälfte von ihnen kündigte bereits Werksschließungen an.

 

    Da gerade junge Neukunden Mangelware sind, könnte unter den Herstellern auch ein Kampf um die Gunst der älteren Generationen entbrennen. "Man muss seine Produktpalette an eine solche Entwicklung anpassen", sagt Volker Lange, Präsident des des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller VDIK. Denn das Alter der Käufer steige. Und ältere Menschen hätten zum Teil andere Ansprüche an Autos. Experte Bratzel sieht Chancen, etwa durch Assistenzsysteme für Bremsen oder Steuerung sogar deutlich betagtere Menschen sicher hinters Steuer zu setzen.

 

    --- Von Max-Morten Borgmann, (dpa-AFX)

Artikel empfehlen?

Nachrichten zu Toyota Motor Corp. (spons. ADRs)

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Toyota Motor Corp. (spons. ADRs)

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
Keine Analysen gefunden.
mehr Toyota Motor Corp. (spons. ADRs) Analysen
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Anzeige

Meistgelesene Toyota Motor News

Keine Nachrichten gefunden.
Weitere Toyota Motor News

Heute im Fokus

DAX schließt fast 3 Prozent fester -- Dow schließt über 2 Prozent stärker -- Deutsche Bank vor Postbank-Verkauf? -- Daimler-Partner BYD verliert 50-Prozent -- United Internet, QSC im Fokus

Nike mit mehr Gewinn. Air France-KLM senkt Prognose erneut. Milliardendeal zwischen BASF und Gazprom geplatzt. Ölpreise geraten erneut unter Druck. IPO: Samsungs De-facto-Holding mit erfolgreichem Börsengang. sieht im kommenden Jahr deutliches Wachstum. Uralkali weitet Produktion aus. Zynga hofft auf Bugs Bunny & Co.
Wer hat die USA von Platz 1 verdrängt?

schaften der Welt

europa

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

So viel erhalten die Deutschen

Aktien-Profiteure der Cannabis-Legalisierung in den USA

Mit welchen Techniken sparen Weltkonzerne Steuern?

Welche sind die reichsten Amerikaner unter 40 Jahren?

Wenn Zukunft Gegenwart wird

mehr Top Rankings

Umfrage

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich mit Haut und Haar für das Freihandelsabkommen mit den USA stark machen. Was halten Sie von TTIP?