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25.08.2011 06:00

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Japan: Vor schweren Aufgaben

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Japan hat sich schneller als erwartet von den Katsatrophen erholt
Japans Wirtschaft erholt sich, doch neue Gefahren drohen: Der Yen ist zu stark.

von Jörg Billina, €uro am Sonntag

Erdbeben, Tsunami und radioaktive Strahlung – die Dreifachkatastrophe in Japan am 11. März dieses Jahres forderte 25.000 Menschenleben. Straßen, ­Häu­ser, Autos, Flughäfen, Eisenbahngleise, Geschäfte, Lagerhallen und Betriebe wurden zerstört, ganze Landstriche komplett verwüstet. Experten schätzen den Schaden auf über 200 Milliarden Euro. „Knapp sechs Monate später ist ein großer Teil der Infrastruktur wieder aufgebaut. Überraschend schnell wurden auch die vor allem für Japans Automobilhersteller so wichtigen Liefer- und Logistikketten wieder eingerichtet“, sagt Lilian Haag, Fondsmanagerin des DWS Japan Opportunities.

Anders sieht es in vielen Ortschaften im Nordosten des Landes aus, wo der Schutt immer noch nicht weggeräumt ist und die von der Regierung in Aussicht gestellte finanzielle Hilfe nicht ankommt. Auch gibt es Mängel bei der Stromversorgung. Japan hängt noch stark von der Atomenergie ab, doch drei Fukushima-­Reaktoren sind zerstört, weitere fünf Meiler wurden aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen. Und die Erde bebt immer wieder nach.

Die Konjunkturentwicklung ist daher immer noch fragil, doch es sind erste ermutigende Entwicklungen zu beobachten. „Die Wirtschaft ist im zweiten Quartal gegenüber dem ersten nicht um 0,6 Prozent, sondern nur um 0,3 Prozent geschrumpft“, sagt DWS-Managerin Haag.

Für eine positive Überraschung sorgten Japans Verbraucher. „Viele hatten erwartet, dass sie angesichts unsicherer Zukunftssaussichten eher zurückhaltend konsumieren würden“, so Haag. Doch mittlerweile geben sie fast genauso viel aus wie vor dem 11. März. Das Unglück und seine Folgen scheint das Spar- und Nachfrageverhalten der Japaner zu verändern. „Speziell ältere Menschen legen derzeit weniger auf die hohe Kante als früher“, sagt Haag. Anscheinend wollen sie nach der Katastrophe die Gegenwart genießen.

Auch sind plötzlich ganz andere Produkte gefragt als früher. Da die Regierung zum Energiesparen aufruft und die Bürger bittet, die Klimaanlagen nicht permanent laufen zu lassen, ist temperaturregelnde Unterwäsche aus Cool-Tech-Material ein Renner. Die Hersteller von Körperpflege- und Schönheitsartikeln freuen sich ebenfalls über gute ­Geschäfte. „Das Konsumentenvertrauen in Japan hat sich seit der Katastrophe deutlich verbessert“, hat Haag überrascht festgestellt. Positive Signale kommen zudem aus dem wichtigen Exportsektor: Im Juli meldet Japan den zweiten Monat in Folge einen Handelsbilanzüberschuss.

Doch Japans Erfolge beim Wiederaufbau sorgen nicht unbedingt für Erleichterung. Neue Gefahren drohen. Da ist zum einen der starke Yen. „Trotz Interventionen der Bank of Japan ist die Währung in den vergangen Monaten im Vergleich zu Euro und Dollar gestiegen. Gleichzeitig trüben sich die Konjunkturaussichten in den wichtigen Abnehmerregionen USA und Europa, aber auch China ein“, sagt Haag.


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Schlecht für Unternehmen wie Nintendo. Der Spielekonsolenhersteller erzielt rund 80 Prozent seiner Umsätze im Ausland. Der starke Yen verschafft zudem Konkurrenzländern wie Südkorea und Taiwan Wettbewerbsvorteile. Das spürt Sony. Der Unterhaltungselektronikkonzern rutschte im ersten Quartal dieses Jahres in die Verlustzone, die Aktie verlor seit Jahresanfang 30 Prozent. Nun erwägt man, die TV-Sparte aufzugeben. Die Naturkatastrophe und ihre Folgen dürfte auch andere Unternehmen zwingen, Geschäftsmodelle zu überdenken.

Neue Wege gehen, das müssen auch Japans Politiker. 2010 hatten sie sich noch für einen Ausbau der Atom­energie ausgesprochen. Der ist aber nicht mehr opportun. Regierung und Opposition machen sich daher für den Ausbau erneuerbarer Energien stark. Es bestehen allerdings Zweifel, ob die Versorgermonopole und die Büro­kraten des mächtigen Wirtschafts-, Handels- und Industrieministeriums den Umbau wirklich wollen.

Und Japan muss die exorbitante Verschuldung endlich in den Griff bekommen. Sie erreicht mittlerweile 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Auf Japans neuen Ministerpräsidenten – aller Voraussicht nach löst Finanzminister Yoshihiko Noda den unglücklich agierenden Naoto Kan noch in diesem Jahr ab – warten enorme Herausforderungen: sparen, den Wiederaufbau finanzieren, die Energiewende einleiten, den Höhenflug des Yen bremsen, und das alles möglichst gleichzeitig.

Erneut unter Druck
Nach dem 11. März 2011 stürzte Japans Leitindex in die Tiefe. Die Kurse erholten sich jedoch schnell. Anleger, die unmittelbar nach der Katastrophe einstiegen, wurden belohnt. Schon im Juni durchbrach der Nikkei 225 wieder die Marke von 10.000 Punkten. Doch nun gefährden die Schuldenkrisen in den USA und in Europa und eine nachlassende Konjunkturdynamik in China den Börsenaufschwung.

Bildquellen: Pixelio

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