28.12.2012 16:01
Bewerten
 (0)

Nikotinpillen auf Rezept - Kassen sollen Arznei gegen Rauchen zahlen

    BERLIN (dpa-AFX) - Raucher sollten Medikamente zur Tabakentwöhnung nach Auffassung der Bundesdrogenbeauftragten Mechthild Dyckmans (FDP) von den Krankenkassen bezahlt bekommen. Die Versicherer sollten neben der ärztlichen Entwöhnungsbehandlung auch Medikamente erstatten, die die Sucht nach Nikotin unterdrücken, sagte Dyckmans der "Berliner Zeitung" (Freitag). Die Kassen lehnten das ab: Eine Kostenübernahme sei ihnen gesetzlich verboten. Nichtraucher-Initiativen werteten Dyckmans Vorstoß als Manöver im Interesse der Pharmalobby.

 

    In Deutschland rauchen insgesamt rund 15 Millionen Frauen und Männer ab 15 Jahren. Das geht aus dem jüngsten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervor. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung plädierte dafür, dass diejenigen, die sich von der Zigarette verabschieden, mehr Hilfe von ihrer Krankenversicherung bekommen sollen. "Die Kassen haben schließlich selbst einen großen Kostenvorteil, wenn ein Versicherter mit dem Rauchen aufhört", sagte die FDP-Politikerin.

 

    Die Versicherer wiesen das Ansinnen aber umgehend zurück. "Wenn die Politik will, dass Krankenkassen Medikamente zur Rauchentwöhnung bezahlen, dann muss sie zuerst das Gesetz ändern", sagte der Sprecher des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung, Florian Lanz. Die Kostenübernahme für solche Arzneimitteln sei den Kassen schließlich per Gesetz verboten.

 

    Lanz betonte, die Krankenkassen förderten seit jeher Schritte, um Versicherte beim Verzicht auf das Rauchen und bei der Reduzierung des Zigarettenkonsums zu unterstützen. Dabei gehe es um psychologische Beratung, Bewegung, Ernährung. "Arzneimittel zur Raucherentwöhnung oder auch Nikotinpflaster dagegen gehören nicht in ein solches Konzept."

 

    Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es ebenfalls, es sei nicht erlaubt, dass Kassen Präparate gegen das Rauchen zahlen. "Der Gesetzgeber hat das ausgeschlossen", sagte ein Sprecher in Berlin. "Wenn man das ändern wollte, müsste man gesetzliche Anpassungen vornehmen." Dem Ministerium liege dazu aber kein konkreter Vorschlag der Drogenbeauftragten vor.

 

    Die Nichtraucher-Initiative Deutschland kritisierte Dyckmans Vorschlag als Verbeugung vor der Pharmaindustrie. Die Drogenbeauftragte tue zu wenig für die Prävention. "Lieber lässt sie die Solidargemeinschaft dafür bezahlen, dass die Tabakindustrie Produkte verkaufen darf, die süchtig und krank machen, und die Pharmaindustrie durch den Verkauf von Medikamenten profitieren kann", beklagte der Verein. "Wenn schon Medikamente bei der Tabakentwöhnung zum Einsatz kommen sollen, dann soll sie der Verursacher bezahlen: die Tabakindustrie."/jac/DP/she

 

Artikel empfehlen?

Heute im Fokus

DAX schließt wieder über 12.000 Punkten -- US-Börsen leicht schwächer -- Daimler-Chef Zetsche soll Vertragsverlängerung erhalten -- Lufthansa im Fokus

Eurokurs weiter unter 1,08 US-Dollar. Lufthansa verspricht langfristige Hilfe. BMW legt in den USA deutlich zu. Ölpreise steigen stark. Griechenland will sich nicht an IWF-Zahlungsfrist halten. Agrarkonzern Monsanto verdient weniger und wird wegen Dollarstärke vorsichtig.
Was verdient man bei Apple?

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Welcher Vorstandsvorsitzende verdiente 2014 am besten?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Wissenswertes rund um die Investorenlegende

Mit welchen Techniken sparen Weltkonzerne Steuern?

10 Patente, die Apple für die Zukunft bereithält

Welche Aktien zählt Warren Buffet zu seinem Portfolio?

Die wundersame Welt von Google

mehr Top Rankings

Umfrage

Welche Rolle spielen bei Ihrer Geldanlage ethische oder ökologische Aspekte?