Von Benjamin Krieger und Hans Bentzien
Dow Jones NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Finanzmärkte haben am Mittwochnachmittag geradezu euphorisch auf die konzertierte Dollar-Swap-Zinssenkung der großen Notenbanken weltweit reagiert. "Es ist das erste Mal seit langer Zeit, dass wirklich alle wichtigen Zentralbanken weltweit koordiniert vorgehen. Angesichts des eher unkoordinierten Vorgehens der Politik in der europäischen Schuldenkrise sorgt das für neue Zuversicht unter Investoren", sagt Hartwig Wild vom Frankfurter Bankhaus Metzler im Gespräch mit Dow Jones Newswires.
Als risikoreich geltende Anlagen wie Aktien, Rohstoffe und auch der Euro reagierten mit starken Kursgewinnen auf den gesenkten Zins für Dollar-Swaps. Der Dax gewann zeitweise 5% oder 298 Punkte auf 6.098 und handelte damit erstmals seit dem 16. November wieder über der Marke von 6.000 Punkten. Der Euro kletterte gegenüber dem Dollar binnen weniger Minuten von Kursen um 1,33 USD in der Spitze auf über 1,35 USD. Der WTI-Ölpreis erreichte mit 101,64 USD den höchsten Stand seit dem 17. November.
Allerdings gingen die Meinungen über die konkrete Ursache der Rally auseinander. Nach Einschätzung des Währungsexperten Wild belegt die starke Reaktion eine "offene Wunde": Sie zeige, wie groß die Probleme von Marktteilnehmern bei der Beschaffung von Dollar-Liquidität zuletzt gewesen seien. Große US-Geldmarktfonds hätten jüngst ihre Linien für die Vergabe von Dollar angesichts der Schuldenkrise in der Eurozone nochmals zurückgefahren.
Im Rahmen eines wöchentlichen Dollar-Refinanzierungsgeschäfts der EZB hatten am Vormittag allerdings wie üblich nur zwei Banken Gebote über 352 Mio USD abgegeben. Jens-Oliver Niklasch und Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg sind daher der Meinung: "Die Marktreaktion ist nicht mit der Beseitigung einer US-Dollar-Knappheit zu erklären." Sie sehen eher die psychologische Wirkung der konzertierten Aktion im Vordergrund. "Seit Mai 2010 hat es keine weltweit koordinierte Aktion der Notenbanken mehr gegeben. Mit der heutigen Aktion gehen die Notenbanken wieder in die Offensive und signalisieren, notfalls dem Bankensystem genügend Liquidität in jeder gewünschten Form bereitzustellen", argumentierten sie.
Die EZB hatte am Nachmittag mitgeteilt, dass die weltweit wichtigste Zentralbanken den Zinssatz für Dollar-Swap-Operationen um 50 Basispunkte senken würden. Danach gilt für Repo-Geschäfte zur Versorgung mit Dollar-Liquidität ab 5. Dezember 2011 ein Zinssatz, der 50 Basispunkte über dem Satz für Dollar Overnight Index Swaps (OIS) liegt. Zugleich wurde die Regelung zur Durchführung solcher Geschäfte bis 1. Februar 2013 verlängert. Gesenkt wurden außerdem die Bewertungsabschläge, denen die als Sicherheit in Dollar-Repo-Geschäften eingereichten Wertpapiere unterliegen. Sie betragen nur noch 12% (zuvor: 20%) des Nennwerts des Papiers.
Wie die EZB mitteilte, wollen die Bank of Canada, die Bank of England, die Bank of Japan, die EZB, die Federal Reserve und die Schweizerische Nationalbank mit dieser Maßnahme den Spannungen an den Finanzmärkten begegnen und Auswirkungen für die Kreditversorgung von Haushalten und Unternehmen verhindern. Damit solle die Wirtschaftsaktivität gefördert werden. Die EZB wird einen Kalender ihrer einwöchigen und dreimonatigen Swap-Geschäfte am Mittwoch auf der Website veröffentlichen.
Darüber hinaus haben die genannten Zentralbanken die Einrichtung bilateraler Kreditlinien für Swap-Geschäfte beschlossen, so dass Liquidität in einer der betreffenden Währungen in jeden Wirtschaftsraum geliefert werden kann. "Derzeit ist es nicht notwendig, Liquidität in einer anderen Fremdwährung als dem Dollar bereit zu stellen, aber die Zentralbanken halten es für klug, die notwendigen Arrangements zu treffen, damit solche Liquiditätsoperationen bei Bedarf schnell durchgeführt werden können", heißt es in der Erklärung. Aus Sicht der EZB betrifft das Geschäfte in Yen, Pfund und Kanadischem Dollar.
-Von Benjamin Krieger und Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300,
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