20.03.2017 21:36
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OTS: Weser-Kurier / Weser-Kurier: Über den HRE-Prozess schreibt Philipp Jaklin:

Weser-Kurier: Über den HRE-Prozess schreibt Philipp Jaklin:

Bremen (ots) - Dramatische Wochen waren es, vor knapp zehn Jahren

- als die Finanzkrise weltweit Banken beben ließ und viele Staaten zu

milliardenschweren Rettungsaktionen zwang. Prominentestes Opfer in

Deutschland war der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) mit

seinem als "Gier-Banker" beschimpften Vorstandschef Georg Funke,

gegen den jetzt in München der Strafprozess eröffnet wurde. Dass so

viel Zeit vergangen ist seit der Zwangsverstaatlichung des Instituts,

zeigt, wie verzwickt der Fall ist; und um wie viel es geht. Mit

Garantien über mehr als 100 Milliarden Euro haftete der Steuerzahler

damals für die Misere der Bank, die Beseitigung der Altlasten könnte

Jahrzehnte dauern. Für Funkes Anwalt war am Montag vor Gericht alles

ziemlich einfach: Peer Steinbrück sei Schuld gewesen, weil er als

Finanzminister im Herbst 2007 vorschnell von einer "geordneten

Abwicklung" der HRE gesprochen habe. Funke sieht sich als Opfer eines

Komplotts, bei dem auch der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef

Ackermann eine Rolle gespielt haben soll. Man mag solche

Verschwörungstheorien finden, wie man will; im Prozess gegen Funke

und den mitangeklagten ehemaligen Finanzchef Markus Fell geht es

darum eigentlich gar nicht. Sondern um die Frage, ob die beiden die

Bilanzen gefälscht haben. Das aufzuarbeiten stellt die Richter vor

eine knifflige Aufgabe. Völlig unklar ist, was dem früheren

Management nachzuweisen sein wird. Aber dieser Prozess sollte auch

nicht Anlass sein für Häme gegen einen, der als Symbolfigur

stellvertretend hinhalten musste für das Versagen einer ganzen

Branche. Stattdessen sollte er in Erinnerung rufen, welch enormen

volkswirtschaftlichen Schaden waghalsige Geschäfte und die Jagd nach

Fantasierenditen damals verursacht haben. Und dass es bedenklich ist,

wenn der neue US-Präsident die Institute nun wieder von der Leine

lässt und die Bankenregulierung zurückdreht. Gier-Banker wird es

immer geben. Dagegen helfen nur klare Verkehrsregeln für die

internationale Finanzbranche.

OTS: Weser-Kurier

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