Ölpreise trotz OPEC-Eingriff weiter im Rückwärtsgang
OPEC nimmt historische Förderkürzung vor
Die Organisation Erdöl exportierender Länder, kurz OPEC - abgeleitet vom englischen "Organization of the Petroleum Exporting Countries", hat am Mittwoch den Beschluss bekannt gegeben den Ölhahn um ein weiteres Mal zuzudrehen. Wie im Rahmen des planmäßigen Treffens in Oran in Nordwestalgerien vermeldet wurde, wird das mächtige Ölkartell ab Januar 2009 die Fördermenge um weitere 2,2 Millionen Barrel pro Tag kappen. Dies ist die höchste Einschränkung der Ölproduktion seit Bestehen der OPEC. Im Verlauf dieses Jahres hat das Kartell in Summe die Fördermenge somit um 4,2 Millionen Barrel pro Tag gekürzt, was die offizielle Fördermenge auf rund 25 Millionen Barrel pro Tag drückt.
Sorgen um Nachfragerückgang drücken Ölpreis weiter
Da der Markt eine Kappung von mindestens zwei Millionen Barrel pro Tag bereits erwartet hatte, konnte der Beschluss der OPEC die Ölpreise nicht stützen. Im Vorfeld hatten sich bereits das mit Abstand wichtigste Kartell-Mitglied Saudi-Arabien und auch OPEC-Generalsekretär Abdullah al-Badri für deutliche Kürzungen ausgesprochen. Laut Händlern halten Sorgen um die weltweite Konjunktur und die als sicher geltende Rezession den Markt weiterhin fest im Griff. Insbesondere rechne man im Zuge der schwachen wirtschaftlichen Lage weiterhin mit einem anhaltenden Nachfragerückgang nach Rohöl. So stürzte der Ölpreis im frühen Donnerstagshandel auf ein Vier-Jahrestief - der Preis der US-Referenzsorte West Texas Intermediate fiel unter 40 Dollar pro Barrel, während der Preis der Nordseesorte Brent Crude auf knapp 45 Dollar pro Barrel sank. Im Vorfeld der OPEC-Entscheidung hatten sich die Ölpreise noch um ihren Vortagesstand bewegt.
Beispiellose Talfahrt des Ölpreises
Der abermaligen OPEC-Förderkürzung ging eine beispiellose Talfahrt des Ölpreises voraus. Im Sommer hatte das schwarze Gold noch täglich neue Rekordpreise markiert und bei über 150 Dollar pro Barrel notiert. Seither ist der Ölpreis jedoch deutlich in die Knie gezwungen worden und verlor binnen weniger Monate mehr als 100 Dollar an Wert. Aufgrund des immensen Preisverfalls wurden die Forderungen nach einer Reaktion der OPEC immer lauter. Ziel des Ölkartells ist ein Ölmarkt, der sich gegen die Preisbildung, insbesondere den Preisverfall, auf dem Weltmarkt absichern kann. Dies geschieht durch die Festlegung von Förderquoten für die jeweiligen OPEC-Länder sowie die feste Regelung der einzelnen Erdölproduktion. Die Mitglieder der Organisation kommen planmäßig zweimal im Jahr zusammen, um die aktuelle Lage an den Ölmärkten zu beurteilen und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten, um die Stabilität des Ölmarktes zu gewährleisten. Durch eine künstliche Verknappung oder Steigerung der OPEC-Ölförderung soll der Preis für Erdöl weltweit nach Absprache aller OPEC-Mitgliedsländer stabilisiert, gedrückt oder angehoben werden, so dass der Preis binnen eines festgelegten Zielpreiskorridors liegt.
Nachfragerückgang vs. Nachfrageanstieg
Trotz des historischen Eingriffs in die Förderproduktion der OPEC konnte die Talfahrt des Ölpreises wie zunächst beabsichtigt nicht gestoppt werden. Der befürchtete Nachfragerückgang machte dem schwarzen Gold zu schaffen. Bereits im laufenden Jahr dürfte die Nachfrage erstmals seit 25 Jahren sinken. Für das kommende Jahr stellt die OPEC sogar einen Nachfragerückgang von 1,4 Millionen Barrel oder knapp zwei Prozent pro Tag in Aussicht. Die Marktbeobachter der führenden Industriestaaten rechnen dem entgegen mit einem leichten Nachfrageanstieg im Jahr 2009. Zuletzt hatte OPEC-Präsident Chakib Khelil einen Ölpreis von 75 Dollar als "fair" bezeichnet.
Die OPEC und das OPEC-Rohöl
Der Preis für OPEC-Rohöl war unterdessen ebenfalls kräftig gesunken. Dem OPEC-Sekretariat zufolge hat ein Barrel aus den Fördergebieten des Kartells am Dienstag 40,74 Dollar gekostet, was gegenüber Montag einem Rückgang um satte 1,79 Dollar entspricht. Der sogenannte Korbpreis der OPEC berechnet sich täglich aus dem Durchschnittspreis der wichtigsten 13 Sorten der Mitgliedsländer. Zunächst gehörten der Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien sowie Venezuela zu den fünf Gründerstaaten. Bis heute zählen weitere sieben Staaten zu den Mitgliedern der OPEC. So kamen mit den Jahren Katar, Indonesien, Libyen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Algerien, Nigeria und Angola hinzu. Die Staaten Ecuador und Gabun traten zunächst aus, während Ecuador in die Organisation zurückkehrte.
Die Mitgliedstaaten der OPEC sorgen allein für etwa 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion. Zudem verfügt das Kartell über drei Viertel der globalen Erdölreserven, wodurch es der OPEC zudem möglich ist - über den eigenen Bedarf hinaus - einen wesentlichen Teil des Ölbedarfs weiterer Länder zu decken.


