31.01.2013 16:00
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Pfizer: Cooler Blick über die Patentklippe

Pfizer: Cooler Blick über die Patentklippe
Pharmabranche
Pfizer-Chef Ian Read steht unter Druck, wichtige Patente ­laufen aus. Mit seinem Umbauprogramm hat der weltgrößte Pharmakonzern jedoch gute Karten, gestärkt aus der kritischen Phase hervorzugehen.
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von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Im laufenden Jahr werden nach Branchenschätzungen weltweit Arzneien mit 17 Milliarden Dollar Gesamtumsatz über die ­Patentklippe stürzen. Das heißt, ihr ­Patentschutz erlischt. Die Hersteller von Generika, also Nachahmerpräparaten, hatten da schon bessere Jahre. 2012 etwa, als der Schutz für Originalmedikamente mit einem ­Gesamtumsatz von 36 Milliarden Dollar auslief.

Pfizer-Chef Ian Read kann nach dem größten Schrecken, dem Ablauf der Patente auf den Cholesterinsenker Lipitor im November 2011, dem Problem inzwischen relativ gelassen entgegensehen. Während der kommenden sechs Monate wird der New Yorker Pharmariese mit dem Arthritismedikament Xeljanz sowie Eliquis, einem Mittel zur Schlaganfallvermeidung, zwei neue Präparate mit Blockbusterpotenzial auf den Markt bringen. Als Blockbuster werden Originalpräparate bezeichnet, die mittelfristig wenigstens eine Milliarde Dollar Umsatz einspielen.

Die Konkurrenz klar abgehängt
Die Grundlage für die vergleichsweise gute strategische Positionierung legte Read bereits im vergangenen Jahr. Mit vier Zulassungen für neue Wirkstoffe für den wichtigen US-Markt hatten die New Yorker die ­internationale Konkurrenz abgehängt. Roche und Sanofi etwa brachten nur je zwei Wirkstoffe durch. Das Umsatzpotenzial von Pfizers Medizin für das Jahr 2017 liegt bei geschätzten 3,6 Milliarden Dollar.

Wie hoch der Druck der Investoren auf Vorstand und Aufsichtsrat der Pharmariesen sein kann, zeigt das Beispiel Novartis. Daniel Vasella musste als Oberaufseher des Schweizer Konzerns soeben seinen Hut nehmen. Der Branchenveteran, der Novartis vor seinem Wechsel in den Aufsichtsrat 17 Jahre lang geleitet hatte, zog damit die Konsequenzen aus der Kritik einflussreicher Anteilseigner. Diese waren mit der Strategie zur Umschiffung der Patentklippe gar nicht zufrieden.

Aus ähnlichen Gründen musste im April vergangenen Jahres AstraZeneca-Chef David Brennan gehen und vor gut zwei Jahren Pfizer-Boss Jeff Kindler seinen Posten räumen. Read, der seit 34 Jahren bei Pfizer beschäftigt ist und im Dezember 2010 an die Spitze gerückt war, weiß also genau, wie wertvoll die Unterstützung einflussreicher Anteilseigner während des großen Umbruchs ist. Und bisher gelingt es ihm gut, Unternehmensbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, zu Geld zu machen. Das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln etwa ging für zwölf Milliarden Dollar an Nestlé. Und die Veterinärmedizinsparte des Konzerns ist für den Börsengang vorgesehen.

2,2 Milliarden für Aktienrückkäufe
Ab 1. Februar soll das Geschäft unter dem Namen Zoetis seine Premie­re auf dem Parkett feiern. 86 Millionen Aktien sollen zu einem Preis zwischen 22 und 25 Dollar an den Mann gebracht werden. Die auf 2,2 Milliarden Dollar geschätzten Einnahmen fließen vollständig in die Kassen des New Yorker Konzerns. Erfreulich für Anteilseigner: Der Geldregen soll vollständig in Aktienrückkäufe investiert werden.

Pfizers Umbau dürfte auch zwei Jahre nach Beginn der Restrukturierung noch nicht abgeschlossen sein. Womöglich folgen weitere Börsengänge. Nach Berechnungen der US-Investmentbank Goldman Sachs wären die beiden Bereiche des weltweit größten Medikamentenherstellers, patentgeschützte Originalpräparate und Nachahmermedikamente, als eigenständige Unternehmen an der Börse deutlich mehr wert. Dass sich so ein Plan für Aktionäre lohnen kann, zeigte etwa Abbott Laboratories mit der Abspaltung der forschenden Tochter AbbVie.
Trotz auslaufender Patente genießt Pfizer-Chef Read das Vertrauen der Aktionäre. Diese können sich auf nachhaltige Dividenden und großzügige Aktienrückkäufe freuen. Wie nahe der Abgrund dabei sein kann, weiß Read nur allzu gut.

ISIN: US7170811035
Kursziel: 25,00 Euro
Stopp: 17,90 Euro

Bildquellen: Tupungato / Shutterstock.com, Rob Wilson / Shutterstock.com
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