Essen (aktiencheck.de AG) - Der russische Erdgaskonzern OAO Gazprom (Gazprom (Spons ADRs)) will den Energiekonzern RWE AG offenbar mit der Beteiligung an der eigenen Erdgaspipeline South Stream ködern und so das Konkurrenzprojekt Nabucco torpedieren.
Wie das "Handelsblatt" (Montag) berichtet, seien die Gespräche zwischen Gazprom und RWE von mehreren mit der Situation vertrauten Personen bestätigt worden. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung habe Gazprom-Vizechef Alexander Medwedjew mit dem bei RWE für Strategie und M&A zuständigen Vorstand Leonhard Birnbaum Kontakt aufgenommen, um ihn für einen Einstieg bei South Stream zu gewinnen. Sollte RWE auf das Angebot eingehen, würden die Chancen von Nabucco gegen Null sinken, schreibt das Blatt. Der Konzern zögere laut dem Bericht aber noch.
Für den weltgrößten Gaskonzern ist die geplante Nabucco-Leitung seit langem ein Ärgernis. Denn sie soll Gas von Konkurrenten aus dem kaspischen Raum durch Südosteuropa nach Westen bringen und Europa so unabhängiger von Importen aus Russland machen. Bei Nabucco handelt es sich um eines der drei großen Pipelineprojekte in Europa. Die Leitung soll von der Osttürkei aus über eine Länge von 3.300 Kilometer über Bulgarien, Rumänien, Ungarn nach Österreich führen. Geplant wird sie neben RWE von Unternehmen aus allen betroffenen Ländern, u.a. dem österreichischen Energiekonzern OMV AG . In der ersten Ausbaustufe, die 2014/15 fertig sein soll, sollen rund acht Milliarden Kubikmeter Gas fließen, bis 2020 dann 31 Milliarden Kubikmeter. Das würde ungefähr einem Drittel des gesamten deutschen Verbrauchs entsprechen.
Die Russen konterteten das Nabucco-Projekt mit Plänen für eine eigene südliche Pipeline, genannt South Stream. Die Leitung soll von Russland aus über den Grund des Schwarzen Meeres nach Bulgarien führen, wo zwei Teilstücke abzweigen sollen: eines nach Süditalien, eines nach Österreich. Als Partner ist unter anderem der italienische Energiekonzern Eni S.p.A. dabei.
Die Aktie von RWE notiert aktuell mit einem Plus von 0,56 Prozent bei 55,26 Euro. (12.07.2010/ac/n/d)