07.02.2013 17:00
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Simbabwe: Wie Anleger auf das Wachstum setzen können

Simbabwe: Prinzip Hoffnung
Prinzip Hoffnung
Trotz des Despoten Mugabe geht es in dem Land mit der Wirtschaft aufwärts. Die Textilindustrie glaubt an ihre Chance.
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von Andrea Jeska,Euro am Sonntag

Als die Inflation 100.000 Prozent betrug, dachte David Lasker, das seien seine schlimmsten Zeiten. Der damals 47-jährige Chef des Bekleidungsunternehmens Archer Clothing aus Simbabwe schickte im Jahr 2008 mehr als die Hälfte seiner 1.600 Angestellten in einen unbezahlten Urlaub, drosselte die Produktion, kaufte keine neuen Stoffe mehr und glaubte, wenn er nur durchhielte, dann könne er überleben. Damals hatte Archer Clothing gerade sein 55. Firmenjubiläum gefeiert und galt als eines der großen Traditionsunternehmen in der simbabwischen Textilstadt Bulawayo.

Zu Laskers Kunden gehörten seit den 70er-Jahren das deutsche Versandhaus Quelle, Eddie Bauer, die amerikanische Marke GAP, Woolworth und einige italienische Modehäuser. „Die Zukunft war hell“, sagt Lasker und lacht ein wenig rau.

Heute weiß David Lasker, das Schlimmste lag damals noch vor ihm, und womöglich ist es auch jetzt noch nicht eingetreten. In seinem Büro in der Plumtree Street in Bulawayo setzt sich der Unternehmer auf einen Stuhl mitten im Raum. „Der Schreibtisch gehört mir nicht mehr, also sitze ich da auch nicht“, sagt er grimmig. Es ist still im Gebäude, die Nähmaschinen schweigen schon lange.

Seit Frühjahr 2011 ist Lasker nur noch Verwalter, aber nicht mehr Eigentümer von Archer Clothing. Nun muss er einen Investor suchen. Gelingt das, wird Archer Clothing weiter existieren. „Wir sind absolut konkurrenzfähig. Wir produzieren auf hohem Niveau, haben Erfahrung, gute Maschinen und hervorragend ausgebildetes Personal“, preist Lasker sein Unternehmen an. Gelingt es nicht, geht es um seine Existenz. „Es gibt keinen Plan B. Ich bin jetzt über 50, mein Privatkapital steckt in der Firma. Ich habe keinen alternativen Ort, an den ich gehen könnte.“

Es ist Lasker nur ein geringer Trost, dass seines kein Einzelschicksal ist. Seit Jahren verlassen weiße Unternehmer das Land. Eine Entwicklung, die wirtschaftlich desaströs, politisch jedoch gewollt ist. Simbabwes Staatspräsident Robert Mugabe will, dass Simbabwes Güter, Land und Unternehmen den Schwarzen gehören. Mit einem sogenannten Indigenisierungsgesetz soll sichergestellt werden, dass einheimische, also schwarze Simbabwer die Mehrheitsanteile an Unternehmen, Banken, Minen, sogar Wildparks, Lodges und Hotels besitzen. Dass ein solcher Plan nicht nur ausländische Investoren abschreckt, sondern auch das Ende für die letzten weißen Unternehmer im Land bedeutet, scheint für den Präsidenten zweitrangig. „Mugabe nennt das historische Gerechtigkeit. Wenn dafür das Volk hungern muss, dann nimmt er das in Kauf“, sagt ein politischer Insider zu dem umgekehrten Rassismus von Mugabe und seinen Leuten.

Simbabwes Weg in den Abgrund war ein langer. Er begann, als im Jahr 2000 eine schlecht vorbereitete Landreform umgesetzt und weiße Farmer enteignet wurden, ohne für den Ausfall von Kapazitäten eine Alternative vorzusehen. Die enteigneten Farmen ließ Mugabe an seine Günstlinge verteilen, die von Landwirtschaft nichts verstanden. Bald kollabierte der Agrarsektor. Zur verfehlten Landreform kamen Devisenknappheit, Hyperinflation, schließlich Import- und Exportrestriktionen, Korruption und institutionalisierte Vetternwirtschaft. Innerhalb eines Jahrzehnts schrumpfte die Wirtschaft des einst prosperierenden Landes um die Hälfte.

Erst 2009, als die Hyperinflation zur Währungsreform führte und Simbabwe den US-Dollar als Zahlungsmittel einführte, endete die Talfahrt. Die Koalitionsregierung aus Mugabes Partei Zanu-PF und der ehemaligen Oppositionspartei MDC (Movement for Democratic Chance) unter Morgan Tsvangirai ist zwar politisch enttäuschend, hat aber den schlimmsten wirtschaftlichen Irrsinn eingedämmt. 2011 verzeichnete Simbabwe erstmals seit über einem Jahrzehnt ein Wirtschaftswachstum von neun Prozent. Internationale Geber erhöhten zudem ihre Hilfe. Mit insgesamt 650 Millionen US-Dollar wurden Notlagen gemindert, Demokratisierungsprozesse finanziert und Reformkräfte unterstützt.

Investitionen von außen stehen in Simbabwe allerdings weiterhin die Enteignungen, die Indigenisierung und der Mangel an Rechtssicherheit im Weg. Noch immer fehlt es dem Land außerdem an Devisen, um dringend erforderliche Infrastrukturinvestitionen umzusetzen.

Lange war der Textilsektor eines der wirtschaftlichen Standbeine zunächst des britischen Rhodesiens, dann des unabhängigen Simbabwes, Bulawayo war eine lebendige Arbeiterstadt. Noch 2000 gab es 350 Manufakturen in Bulawayo, in denen 100.000 Menschen beschäftigt waren, davon 60.000 allein im Textilgewerbe. Heute sind es noch 250 Manufakturen mit 50.000 Beschäftigten, davon gerade 3.000 in der Bekleidungsindustrie.

Nomenklatura bereichert sich
Der Abwärts­trend in der simbabwischen Industrie hält an, hat gerade die südafrikanische Brenthurst Stiftung herausgefunden. Grund: Statt neue Infrastruktur zu schaffen und neue Ware zu produzieren, würden noch vorhandene Reichtümer nur weiter ausgebeutet und unter der Nomenklatura verteilt. Lediglich in der Textilindustrie sieht die Brent­hurst Stiftung jetzt die Chance auf schnelles und baldiges Wachstum.

Wie andere simbabwische Textilunternehmen auch, begann Archer Clothing in den 80er-Jahren, in die USA zu expandieren. Weil die Produkte aus Simbabwe günstig waren, war schnell ein Markt erschlossen. Europa folgte. Ab 2005 aber geriet Simbabwe wegen Verletzungen der Menschenrechte in Verruf. „Niemand war mehr bereit, Produkte zu kaufen, die made in Simbabwe waren“, erinnert sich Lasker. „Das war rein politisch, es hatte mit uns nichts zu tun, aber es erwischte uns böse.“

David Lasker ist ein Kämpfer. Wenn er seine Geschichte erzählt, beschimpft er die Regierung Mugabes gern als „Bastarde und Diebe“. Wie die meisten Simbabwer ist er ein Überlebenskünstler. „We make a plan“, ist einer der Lieblingssätze der Simbabwer. Er ist der Kitt, der die auseinanderfallenden Strukturen zusammenhält. „We make a plan“ heißt: durchhalten und immer an ein besseres Morgen glauben. Seit diesem Sommer gibt es den Entwurf einer neuen Verfassung — mit Demokratisierungsmaßnahmen, einer Reform des Rechtssystems und Verhandlungen über Eigentumsrechte. Sollte dieser umgesetzt werden, will die EU ihre Sanktionen gegen Simbabwe aufheben.

Findet Lasker einen Investor, der die Altschulden begleicht, könnten bald die Maschinen wieder rattern. „Mit wenig Geld kann man in der Textilindustrie schnell wieder Werte schaffen“, sagt Lasker. Er hofft, als Manager sein Unternehmen weiterführen zu können. „Simbabwe ist ein tolles Land. Ich will bleiben. Wir sind bis hier gekommen, wir kommen auch noch weiter.“

Investor-Info

BB African Opportunities
Wetten auf das Wachstum

Im Portfolio sind Unternehmen, die ihren Sitz in afrikanischen Ländern oder in der Golfregion ­haben oder den überwiegenden Anteil ihrer Tätigkeit dort ausüben. Die Schwerpunkte liegen dabei mit fast 40 Prozent Anteil im Finanzsektor, aber auch Telekomunternehmen sowie Firmen, die am Ausbau der Infrastruktur verdienen, sind stark vertreten. Diese Branchen dürften in den nächsten Jahren zweistellig wachsen. Der Anteil nordafrikanischer Aktien wie etwa aus Ägypten wurde zuletzt reduziert — temporär. Gutes Basisinvestment für Afrika. 

Templeton Africa Fund
Neuling setzt auf die Nische
Das Afrika-Portfolio von Schwellenländerspezialist Mark Mobius, vom Finanzen Verlag vorvergangene Woche zum „Fondsmanager des Jahres“ gekürt, ist erst 2012 aufgelegt worden. Spannend sind für Mobius sogenannte Grenzmärkte wie Ghana, Nigeria oder Kenia. Das Augenmerk liegt neben bekannten Rohstoffunternehmen auch auf der sich entwickelnden Agrarbranche sowie Konsumwerten.

Bildquellen: Henrique Martins/Istockphoto
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