25.11.2012 14:02
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Sparpläne: Und es rentiert sich doch

Private Vorsorge
Happige Gebühren, magere Rendite, unsichere Börsenlage - die Deutschen verlieren die Lust an der privaten Altersvorsorge. Doch wer es clever anstellt, der wird keineswegs enttäuscht. ­Warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, einen Fondssparplan abzuschließen.
€uro

von €uro-Redakteur Jens Castner

Der Sparplanrechner auf der Internetseite des Fondsverbands BVI regt zum Träumen an. Wer monatlich 300 Euro zurücklegt, braucht — eine Rendite von acht Prozent unterstellt — ziemlich exakt 40 Jahre bis zur ersten Million. Spielt man das gleiche Szenario mit 12,4 Prozent Rendite durch, dauert es nur 30 Jahre.

Acht oder zwölf Prozent Plus pro Jahr — zu Beginn dieses Jahrtausends sah es so aus, als sei das am Aktienmarkt locker drin. Und Vermittlern von Sparplänen war nicht unbedingt daran gelegen, die Erwartungen zu dämpfen. Nach zwei Jahrhundertcrashs innerhalb des vergangenen Jahrzehnts heißt die neue Realität: 5,9 Prozent. So viel Rendite brachten Sparpläne in deutsche Aktienfonds über 30 Jahre nach Abzug aller Kosten gemäß BVI-Statistik im Schnitt. Je mehr man den Zeitraum verkürzt, umso weniger wird’s. Im Zwölfjahresrückblick wird die Durchschnittsrendite sogar negativ.

Aus der Traum

Hohe Gebühren, keine Rendite — kein Wunder, dass die private Altersvorsorge auf der Prioritätenliste der Deutschen immer weiter nach hinten rutscht. Nach einer aktuellen Allensbach-Umfrage für die Postbank (siehe €uro-Ausgabe 11/2012) lehnen es 42 Prozent der Bundesbürger ab, über die gesetzlichen Sicherungssysteme hinaus etwas für später zurückzulegen. Im zweiten Quartal 2012 wurden zum Beispiel in ganz Deutschland nur 2000 Riester-Sparpläne neu abgeschlossen. „Es ist alarmierend, dass die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge immer mehr sinkt“, kommentierte Postbank-Vorstand Michael Meyer die Ergebnisse.

Einen nicht unerheblichen Beitrag dazu leistete die Bundesregierung mit Einführung der Abgeltungsteuer zum 1. Januar 2009. Waren Kursgewinne früher nach einem Jahr steuerfrei, wird das Finanzamt künftig immer seinen Anteil am angesparten Vermögen fordern. Das bedeutet für das 40-Jahre-Beispiel: Mit gerade mal 144 000 Euro Sparkapital könnten Anleger zum Millionär werden. Den Rest würde der Zinseszinseffekt erledigen. Doch von den 856 000 Euro Gewinn fordert der Fiskus ein Viertel an Abgeltungsteuer. Die ersten 214 000 Euro von der Million wären also weg, bevor man sie überhaupt in Händen hielte.

Je früher, desto besser

Trotzdem ist jetzt richtige Zeitpunkt, um mit einem Fondssparplan zu beginnen. Es sei sinnvoll, „sich selbst zu zwingen, regelmäßig etwas zur Seite zu legen“, sagt der Mannheimer Wirtschaftsprofessor Martin Weber, der zu diesem Zweck den besonders kostengünstigen Weltfonds Arero (Aktien, Renten, Rohstoffe) entwickelt hat. Vor allem junge Menschen sind gut beraten, sich nicht allein auf die staatliche Rente zu verlassen. Gerade für die Generation der unter 35-Jährigen ist es möglich, mit relativ kleinen monatlichen Beträgen viel fürs Alter zu tun.

Und weil sie bis zur Rente noch mehr als 30 Jahre Zeit haben, können sie ruhig in einen Aktienfonds wie den DWS Top Dividende investieren, den €uro mit FondsNote 1 bewertet. Eventuelle Schwächephasen an der Börse können sie locker aussitzen.

Wer dagegen erst mit Mitte 50 anfängt vorzusorgen, muss viel mehr ansparen und sollte auch nicht mehr alles auf Aktien setzen, sondern einen soliden Mischfonds wie den FvS Multiple Opportunities wählen.

Diese Fonds sind auch in einigen Riester-Produkten enthalten, bei denen der Staat etwas zuschießt. Doch diese Sparpläne haben einen Haken: eine vorher festgelegte Laufzeit. Man kommt also mitunter nicht dann an sein Geld, wenn man es am dringendsten bräuchte — etwa zum Kauf einer Immobilie. Zudem sind Riester-Produkte meist mit happigen Gebühren verbunden, die gewaltig an der Rendite nagen. Daher sollten Anleger stets die jährliche Gesamtkostenquote (englisch: Total Expense Ratio oder kurz TER) im Auge behalten. Vor allem für Besserverdienende und Kinderlose sind flexible, jederzeit ab- und unterbrechbare Wertpapiersparpläne oft die cleverere Lösung. Am besten bei einer Bank, die keine Gebühren verlangt und zudem eine breite Palette an Fonds ohne Ausgabeaufschlag anbietet. Denn jedes Prozent Gebühr fehlt in der Endabrechnung. Mit Zins und Zinseszins.

Der Cost-Average-Effekt

Die Grundidee eines Sparplans ist, durch regelmäßige Einzahlungen über alle Börsenzyklen hinweg einen akzeptablen durchschnittlichen Einstiegskurs zu erhalten, ohne sich die Frage nach dem günstigsten Kaufzeitpunkt stellen zu müssen. Allerdings gehen die Meinungen darüber auseinander, ob das mehr Sinn macht als eine Einmalinvestition. Auch beim BVI selbst räumt man ein, dass der sogenannte Cost-Average-Effekt eines Sparplans „mathematisch umstritten“ sei.

Trotzdem lohnt sich ein Fondssparplan aus mehreren Gründen: erstens, weil Berufsanfänger oft keine größeren Summen für eine Einmalinvestition zur Verfügung haben. Zweitens, weil im aktuellen Niedrigzinsumfeld keine wirklichen Alternativen zu Aktienfonds zu finden sind. Drittens ergibt sich, wenn schon kein rechnerischer, so doch ein psychologischer Vorteil: Am Anfang ist es für Fondssparer sogar ein Grund zur Freude, wenn die Märkte kräftig nachgeben. Denn bei niedrigen Kursen gibt es mehr Fondsanteile, sprich: mehr Wertpapiere für die gleiche monatliche Sparrate. Eine spätere Erholung bedeutet, dass man mit einem größeren Wertpapierdepot im Aufschwung dabei ist.

Kursrückschläge zu Anfang sind also willkommen. Ungelöst bleibt allerdings das Timing-Problem beim Ausstieg: Was, wenn die Börse kurz vor Ende der geplanten Spardauer zusammenbricht? Wer etwa im Herbst 2008 in Rente gehen und die sauer ersparten Fondsanteile zu Geld machen wollte, brauchte Nerven wie Drahtseile, um nicht zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen. Es falle den meisten Menschen unglaublich schwer, der Falle der Prozyklik zu entgehen“, bestätigt ein BVI-Sprecher. Auch ein Auszahlplan, der mittlerweile von vielen Banken angeboten wird, bietet da nur bedingt Abhilfe. Leider gebe es für den richtigen Ausstiegszeitpunkt „keine Bauernregel“, heißt es dazu beim BVI.

Im Normalfall hilft gesunder Menschenverstand. Wenn es an der Börse lange Zeit gut gelaufen ist, kann man bei einem flexiblen Fondssparplan auch schon einige Jahre vor dem Rentenalter mal Gewinne mitnehmen.

Kein Stress im Alter

Wer sich das Auf und Ab der Börse im gesetzteren Alter nicht mehr antun will, wechselt besser rechtzeitig in defensivere Mischfonds wie den Starcap Winbonds oder den Ethna Aktiv E, die zwar nicht die Rendite aktienlastiger Portefeuilles erreichen, aber Anlegern eben auch in schlechten Börsenphasen nur relativ moderate Rückschläge zumuten.

Da auch gute Mischfonds mit FondsNote 2 oder 1 langfristig die vom BVI errechneten 5,9 Prozent pro Jahr abwerfen sollten, kämen bei 300 Euro monatlicher Einzahlung realistischerweise in 40 Jahren 560 000 Euro zusammen, nach Abzug der Abgeltungsteuer 456 000. Immer noch ein hübsches Sümmchen.

Bildquellen: Kurhan / Shutterstock.com
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