09.07.2013 03:00
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Commerzbank: Billiger als Griechen-Bank

Probleme über Probleme: Commerzbank: Billiger als Griechen-Bank | Nachricht | finanzen.net
Commerzbank: Billiger als Griechen-Bank
Probleme über Probleme

Investoren gehen auf Distanz, die Commerzbank-Aktie trudelt ins Bodenlose, ein DAX-Abstieg rückt näher. Und mancher hofft gar auf einen Neustart unter Josef Ackermann.

€uro am Sonntag

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Die Kurskapriolen bei der Commerzbank nehmen kein Ende — im Gegenteil. Das Papier ist — wie vergangene Woche — mal Tagesverlierer, dann steht es wieder an der DAX-Spitze. So geht das seit Tagen, seit Wochen. Und per saldo geht es abwärts. Der Wert der Aktie hat sich allein seit Jahresbeginn fast halbiert.

Investoren, die der Bank bislang noch die Stange gehalten und die jüngste Kapitalerhöhung im Mai mitgetragen haben, sind frustriert. Analysten, die das Papier noch immer zum Kauf empfehlen, zeigen sich ratlos. Höhere Risiken, neuer Abschreibungsbedarf, anhaltender Vertrauensschwund als Ursache für die jüngsten Kurseinbrüche, das mag ja so sein. Aber war das nicht vor einem halben Jahr auch schon so? Wissen da einige mehr als andere?

Nervosität wächst
Der große Anteil von Hedgefonds unter den Commerzbank-Aktionären bringt auch nicht gerade Ruhe ins Spiel. Heftige Kursausschläge sind die Folge. So auch am Freitag vorvergangener Woche. Da hatten vor allem neue Übernahmegerüchte das Papier mal wieder an die Spitze des Leitindex getrieben. Beim Großaktionär Bund werde diskutiert, ob das Haus unter dem Dach einer anderen Bank nicht besser aufgehoben sei, hieß es. Dass sich beispielsweise die Deutsche Bank als Branchenprimus für eine Übernahme der Commerzbank interessieren könnte, gilt allerdings in Finanzkreisen als ebenso unwahrscheinlich wie die angeblich von der Politik ins Spiel gebrachte Option, mit einer Landesbank oder Genossenschaftsbank zusammenzugehen.

Auch bei der Commerzbank selbst wächst die Nervosität. Finanzchef Stephan Engels unternahm am Donnerstag einen Ausbruchsversuch und dementierte alle möglichen Gerüchte, die momentan im Umlauf sind. Allen voran, dass der Bank die Risiken ihres Schiffsportfolios über den Kopf wachsen. Entsprechende Spekulationen haben vor allem zu den Kursverlusten der letzten Tage beigetragen. „Wir gehen für 2013 von einer unveränderten Risikovorsorge aus“, beteuert Engels. Auch sonst komme die Bank beim Umbau voran, „es gibt keinen Anlass zur Sorge“.


Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing
Diese Auffassung vertritt der Finanzchef allerdings ziemlich exklusiv. Die jüngsten Kursverluste dieser Woche führt Dirk Becker von Kepler Capital Markets vor allem auf den Ausstieg institutioneller Investoren zurück, die ihre Depots nun bereinigen. „Dazu haben Spekulationen über weiteres Abschreibungspotenzial in der sogenannten Bad Bank beigetragen, in der die Bank kritische Wertpapiere ausgelagert hat“, sagt Becker. So liegen in dieser Bad Bank Risiken im Volumen von über 140 Milliarden Euro — Immobilienkredite, Schiffsfinanzierungen und Ähnliches.

Becker rückt die Kursverluste auch in Zusammenhang mit Spekulationen über ein Scheitern der Bank beim nächsten EZB-Stresstest, was wohl erneute Kapitalmaßnahmen zur Folge hätte. Vor allem aber gerät das Führungspersonal ins Visier. „Letztendlich ist die aktuelle Situation die Folge eines massiven Vertrauensverlusts in das Management, das seit 2008 eine Kapitalerhöhung nach der anderen durchgezogen hat, Versprechungen nicht einhielt und immer neue Gewinnwarnungen geben musste.“

Andere werden noch deutlicher. „Der Fisch stinkt vom Kopf, und dazu gehört auch der Aufsichtsrat“, meint ein Analyst, der das Papier selbst noch trotzig zum Kauf empfiehlt, weil er es zum derzeitigen Niveau für unterbewertet hält. „Vorstandschef Martin Blessing und Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller müssten beide weg, sie haben zu viel Unheil angerichtet.“

Aber welcher Bankmanager könnte das Ruder hier noch rumreißen? „Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Deutsche-Bank-Privatkundenchef Rainer Neske“, lautet die Antwort. Darauf würde die Aktie anspringen, „selbst wenn Neske sofort mit einer Milliarden-Kapitalerhöhung daherkommt“.

Klassenabstieg bei 4,50 Euro
Fest steht jedenfalls: Wenn der Kursverfall so weitergeht, ist der Klassenerhalt im DAX gefährdet. Fällt das Papier unter den kritischen Wert von 4,50 Euro, wäre die Aktie möglicherweise schon bei der nächsten Indexprüfung im Herbst raus. Das zumindest sagt das Frankfurter Handelshaus Close Brothers Seydler.

Wie weit das Papier noch sinken kann, darüber macht sich Analyst Becker keine Gedanken. „Es gibt kein natürliches Limit nach unten.“ Dabei sei das Institut auf dem gegenwärtigen Niveau inzwischen billiger als die griechischen Banken. „Ein solcher Abschlag ist fundamental nicht mehr gerechtfertigt. Aber das Management der Bank hat im Markt so viel Vertrauen verspielt, dass da kaum noch einer rein will. Aus meiner Sicht ist die Commerzbank-Aktie derzeit nicht als Investment zu empfehlen.“ 

Investor-Info

Commerzbank
Hochriskant

Der Umbau des Geschäftsmodells kommt nur langsam voran, Restrukturierungskosten und Risikovorsorge drücken die Erträge. Die Geschäftsentwicklung spielt derzeit aber kaum noch eine Rolle. Unklare Risiken, vor allem aber mangelndes Vertrauen ins Management wirken verheerend. Ein Abgang von Commerzbank-Chef Martin Blessing könnte den Kurs beflügeln, ist aber nicht vor den Wahlen im Herbst zu erwarten. Ansonsten Finger weg.

Bildquellen: Julia Schwager/Commerzbank AG, Commerzbank AG

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