13.08.2012 12:27
Bewerten
 (1)

Anlegersorgen

Prof. Otte-Kolumne

Max Otte
Vor einigen Tagen schrieb uns ein Privatanleger seine Sorgen.
Er ist seit 2008 nach unserer Methode investiert und hat den Großteil seines Depots in Aktien und etwas Gold. Tapfer hat er die Finanzkrise durchgestanden und seit Beginn ein Plus von über 25 Prozent im Depot. Das sind zwar keine zehn Prozent pro Jahr, aber angesichts dessen, was inzwischen passiert ist, hätte er allen Grund zur Freude. Zudem honoriert der Markt allmählich unsere Investmentthesen: Der DAX steigt, obwohl der Wirtschaftsausblick sich verschlechtert.

Das weiß er auch und freut sich über den schönen Ertrag. Und dennoch kommen nun massive Sorgen auf. Wie geht es weiter? Soll man nicht einige Aktien verkaufen?

Anscheinend hat der Mensch immer den Drang, zu handeln. Wenn eine Strategie erfolgreich war, überlegt man doch, ob es so weitergehen kann. Wenn es draußen blitzt und donnert, fällt es sehr schwer, in seiner Stellung auszuharren. Man möchte hinauslaufen, etwas tut.

Aber diese „passive“ Grundhaltung, das Aushalten von Spannungen, zeichnet den Investor aus. Am Donnerstag erschien ein großes Handelsblatt-Interview mit Dirk Müller und mir. In der Analyse der Krise sind wir uns weitgehend einig. Auch darin, dass Aktien eine gute Anlageklasse sind. Während ich aber ermuntere, die Schmerzen, die die Aktienanlage mit sich bringt, auszuhalten, rät Dirk Müller seinen Lesern, das Aktiendepot in wackeligen Phasen mit Put-Optionen abzusichern.

Ich halte dies auf Dauer für undurchführbar. Wann ist eine „wackelige Phase“? Wann hört sie auf? So etwas ist heute unvorhersehbar. Die Absicherungsstrategie kostet ca. zehn Prozent p.a. Bei einer erwarteten Gesamtrendite für den Aktienmarkt von sieben bis zehn Prozent müssen Sie da schon ein sehr guter Timing-Experte sein. Und da habe ich meine Zweifel. Ich selber kann es zumindest nicht.

Meine Absicherung sind eine gute Vermögensaufteilung, sorgfältige Titelauswahl, ein niedriger Kaufpreis und eine ordentliche Dividende. Aus meiner Sicht müssen Sie Schwankungen aushalten können. Etliche europäische Unternehmen sind Objekt von Übernahmeversuchen, zum Beispiel Rhön-Klinikum, TNT Express oder WMF. Selbst wenn die Wirtschaftsdaten sich verschlechtern, sind diese Unternehmen oft so billig am Aktienmarkt zu haben, dass sie für Käufer aus der Branche oder aus dem Bereich Private Equity attraktiv sind.

In den letzten veröffentlichten Berichten hat es sich gezeigt, dass Warren Buffett auf der einen Seite Liquidität hortet, auf der anderen Seite leicht von Konsumgüterunternehmen und Unternehmen mit hervorragenden Geschäftsmodellen in Zykliker und Finanzdienstleister umschichtet.

Auf der einen Seite fließen Buffett jeden Monat mehrere Milliarden Dollar an Liquidität zu. Es ist gar nicht so einfach, das unterzubringen. Zudem möchte Buffett liquide sein, wenn sich eine große Akquisitionschance ergibt oder wenn die Berkshire-Aktien so fallen, dass er zurückkaufen kann. Zudem hat er im Berkshire-Konzern etliche normale Unternehmen, die in einer neuerlichen Verschärfung der Krise vielleicht ein Liquiditätspolster brauchen.

Auf der anderen Seite sind die Nestlés, Coca-Colas und Beiersdorfs dieser Welt nun meistens fair bewertet. Das heißt nicht, dass Sie verkaufen müssen. Diese Unternehmen haben eine hohe Grundsicherheit und werden Ihnen langfristig sieben bis zehn Prozent Rendite bringen.

Aber die wirklichen Schnäppchen sind bei Unternehmen zu finden, die ein oder zwei Fragezeichen aufweisen – seien es Zykliker, schwierigere Branchen oder zum Beispiel Exponiertheit der Eurokrise gegenüber, zum Beispiel Salzgitter, Allianz, AXA, Telefonica oder France Telecom.

Die Basis eines Privatanlegerdepots sollten immer Top-Unternehmen sein. Aber bei diesen Bewertungen können auch einige „normale“ billige Unternehmen nicht schaden.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Artikel empfehlen?

Nachrichten zu Allianz

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Allianz

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
22.05.2015Allianz buyCitigroup Corp.
20.05.2015Allianz HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
20.05.2015Allianz UnderweightJP Morgan Chase & Co.
19.05.2015Allianz market-performBernstein Research
18.05.2015Allianz buyUBS AG
22.05.2015Allianz buyCitigroup Corp.
18.05.2015Allianz buyUBS AG
15.05.2015Allianz buyJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
14.05.2015Allianz buyGoldman Sachs Group Inc.
12.05.2015Allianz buyOddo Seydler Bank AG
20.05.2015Allianz HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
19.05.2015Allianz market-performBernstein Research
15.05.2015Allianz HaltenBankhaus Lampe KG
13.05.2015Allianz NeutralCredit Suisse Group
12.05.2015Allianz HoldSociété Générale Group S.A. (SG)
20.05.2015Allianz UnderweightJP Morgan Chase & Co.
06.05.2015Allianz UnderweightJP Morgan Chase & Co.
05.05.2015Allianz UnderweightBarclays Capital
27.04.2015Allianz UnderperformJefferies & Company Inc.
24.04.2015Allianz UnderweightMorgan Stanley
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Allianz nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Allianz Analysen

Heute im Fokus

DAX schließt mit Verlust -- Dow Jones im Minus -- Kommt Apples neues iPhone früher als erwartet? -- Ifo-Geschäftsklima sinkt erstmals seit sieben Monaten -- Deutsche Bank im Fokus

US-Anleihen: Überwiegend schwächer nach Verbraucherpreisen und Yellen-Aussagen. Kein Ende der Debatte über Kohleabgabe in Sicht. Wintershall soll Interesse an Öl- und Gasassets in Libyen haben. Erneuter Streik der Amazon-Mitarbeiter in Leipzig. Fed-Chefin Yellen hält sich bei Zinswende weiter bedeckt. Bayer-Chef will Staatsgelder für Antibiotika-Forschung. IPO: Niederlande bringen verstaatlichte Bank ABN Amro an die Börse. EnBW will Windenergiefirma Prokon für 550 Millionen Euro übernehmen.
Titans

Diese Städte stellen die attraktivsten Märkte in Europa dar.

Diese Firmen zahlen Amerikas höchste Gehälter

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die rasende Welt der Elektroautos

Die wundersame Welt von Google

Was verdient man bei Apple?

Die größten deutschen Kapitalvernichter

10 Patente, die Apple für die Zukunft bereithält

mehr Top Rankings

Umfrage

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht sich für die Abschaffung des Bargelds aus. Was halten Sie von diesem Vorschlag?