10.12.2012 09:31
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Eurokrise – ist das Schlimmste vorüber?

Derzeit gehen die Target-II-Salden der Europäischen Zentralbank, die den Ausfuhrüberschuss Deutschlands in die Südländer – aber auch deren Kapitalflucht – messen, zurück.
Die Kapitalflucht aus dem Süden scheint vorerst gestoppt.

Auch einige Aktien und Länder scheinen sich gefangen zu haben – so etwa Griechenland. Hellenic Telecom, die ich an dieser Stelle gelegentlich als chancenorientierte Aktie ins Spiel gebracht hatte, ist von 1,00 € im Tief auf mittlerweile 4,12 € gestiegen. Ganz Griechenland scheint sich gefangen zu haben.

Mit Italien, einem anderen billigen Aktienmarkt, ist dies noch nicht der Fall. So hängen Mediaset und Italcementi immer noch ziemlich hinten. Aber auch Italien und andere Länder dürften irgendwann drehen – einfach, weil die Aktien dort so billig sind.

Energias de Portugal beginnt zu steigen und ist sicher einen Blick wert. Wenn der chinesische Energiekonzern Three Gorges 21 Prozent des Kapitals vor einem Jahr zu 3,45 € je Aktie übernommen hat, so sind ca. 20 € derzeit wohl nicht zu viel.

Es kann durchaus sein, dass die europäische Wirtschaft wieder in Gang kommt. Allerdings: Wie haben wir Europa „gerettet“? Und was haben wir gerettet?

Und wir haben eben nicht „den Euro“ gerettet oder Europa vor einem Krieg bewahrt. Griechenland hatte einen Einbruch von 20 Prozent der Wirtschaftsleistung zu verkraften. Die Arbeitslosigkeit näher sich 30 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit 50 Prozent. Ebenso in Spanien. Sieht so eine Rettung aus?

„Gerettet“ haben wir die Gläubiger und die Finanzeliten – auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger im Norden UND im Süden. Und dafür haben wir unser Rechts- und Geldsystem zerstört! Mit Hilfe der Finanzrepression werden Sparerinnen und Sparer, Inhaber von Lebensversicherungen und anderen Finanztiteln schleichend enteignet. Das war sogar dem Spiegel schon eine Titelseite wert.

Vor einigen Tagen war ich mit Thomas Mayer, dem Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, auf einer Podiumsdiskussion. Er sagte nüchtern, dass wir in Europa das Modell einer unabhängigen Zentralbank wie der Bundesbank in das Modell einer französischen oder italienischen Zentralbank verwandeln würden. Auf meinen Einwurf, dass das ja schrecklich sei, antwortete er, dass er ja hier keine Wertung abgebe, sondern nur als Analytiker spreche.

Europa steht nicht schlecht da in der Welt. Und es kann durchaus sein, dass die Wirtschaft sich bald wieder einigermaßen fängt. Bezahlt hat das dann aber die Mittelschicht, während die Oberschicht von der Krise sogar noch profitiert hat.

Die „bürgerliche Gesellschaft“ war ein Traum des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Mittlerweile haben wir nahezu neofeudale Verhältnisse, und die Politik ist weitgehend machtlos. Erhalten wir uns unseren Rest Bürgerlichkeit, indem wir die Finanzmärkte verstehen und unser Vermögen so bewahren, dass auch uns ein ansatzweise unabhängiger Lebensstil möglich ist oder wird.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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