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29.08.2011 12:46

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PROF. OTTE-KOLUMNE

Wieder so ein Analystenmist!

Beiersdorf zu myNews hinzufügen Was ist das?


In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24. August 2011 las ich eine Artikelüberschrift...

... „Ende der Baisse nicht in Sicht – Analysten raten, Erholungen zum Aussteigen zu nutzen. Technische Kommentare aus Wall Street.“ Bla, Bla, Bla.

Bitte erinnern Sie sich daran: Analysten werden von der Bank nicht bezahlt, um Prognosen zu liefern, sondern dafür, das Interesse an bestimmten Wertpapieren wach zu halten. Große Unternehmen mit einem regen Wertpapierhandel werden von vielen Analysten beobachtet. Kleine, oftmals auch sehr interessante Unternehmen wie bei uns zum Beispiel Atoss Software (WKN: 510440), Gesco (WKN: 587590), LPKF Laser (WKN: 645000), SMT Scharf (WKN: 575198), WMF (WKN: 780303), Eckert & Ziegler (WKN: 565970), die wir alle im Fonds halten, werden hingegen oftmals nicht oder kaum beobachtet, weil die Bank mit diesen Unternehmen kein Geschäft machen kann.

Einziger Ausweg: das Unternehmen heuert sogenannte „unabhängige“ Analystenhäuser an, die es dann direkt für die Analysen bezahlt. Besonders „unabhängig“ ist das allerdings nicht. Ich kenne einige der unabhängigen Analysten: das sind respektable Männer und Frauen, die meistens methodisch sauber arbeiten, aber wirklich unabhängig ist es nicht, wenn man von dem bezahlt wird, den man bewertet. Das erinnert an die Ratingagenturen vor Ausbruch der Finanzkrise, die auch von den Produzenten der Subprime-Papiere bezahlt wurden.

Aber zurück zu dem oben zitierten Artikel: dort finden sich so schlaue Sprüche wie „die Analystin merkt an, die laufende Baisse werde wohl erst enden, wenn die Anleger glaubten, mit Aktien könne kein Geld mehr verdient werden.“ Auch solch tolle Aussagen wie: „Hält der Widerstand, können die Kurse auf 1250 Punkte steigen. Jedenfalls sei er auf einen Fall des Index auf 1020 bis 1050 Punkte vorbereitet, sobald die Marke von 1100 unterschritten würde.“ Auuuua!!! Sieht denn der FAZ-Redakteur nicht die Worthülsen der letzten Aussage (allerdings eine Aussage wie sie Techniker öfter machen): Bleiben die Kurse stabil, können Sie danach steigen, fallen Sie unter eine bestimmte Marke, fallen Sie weiter….

Dankeschön.

Ich habe aktuell selber ein Interview im Handelsblatt gegeben:

Der Titel „Ich freue mich auf Inflation“ ist von der Zeitung gewählt und gibt sicher nicht meine komplette Auffassung wieder. Aber ich halte angesichts der enormen Schuldenlawine die Inflation gegenüber der Deflation für das kleinere Übel.

Meine Auffassung ist etwas anders als „halten die Kurse, könnten Sie danach steigen, fallen sie, könnten sie weiter fallen“. Ich bin der Meinung, dass mittel- bis langfristig auf jeden Fall Sachwerte den Geldwerten vorzuziehen sind, ob Deflation oder Inflation. Bei der Inflation ist das sowieso klar, aber wenn bei der jetzigen hohen Staatsverschuldung eine Deflation käme, würde das anders als nach 1929 bei vielen Staaten eine Währungsreform nach sich ziehen. In der Deflation können Aktien zwar auch weiter fallen, aber wenn die Geschäftsmodelle einigermaßen stabil sind, besteht gute Hoffnung, langfristig das Vermögen zu retten.

Je konservativer Sie sind, desto mehr sollten Sie in Buffett-Unternehmen mit extrem guten Geschäftsmodellen wie Nestlé (WKN: A0Q4DC), Beiersdorf (WKN: 520000), Coca-Cola (WKN: 850663) oder Fuchs Petrolub (WKN: 579043) gehen. Wenn Sie etwas aggressiver sind, bieten sich auch Titel wie Celesio (WKN: CLS100) oder Salzgitter (WKN: 620200) an, oder Aktien aus den Südländern wie Benetton (WKN: 871224). Diese Titel sind zum Teil sehr deutlich zurückgekommen.

Gold ist langsam gut bewertet, obwohl die Hausse noch eine Weile weitergehen kann. Wer sich jetzt hier aber absichern will, ist vielleicht mit Goldaktien wie Barrick Gold (WKN: 870450) besser bedient. Diese Aktien haben nicht denselben Versicherungswert wie Physisches Gold: man kann sie nicht verstecken oder privat aufbewahren. Sie sind aber den Goldpreisen deutlich hinterhergehinkt. Barrick Gold hat zum Beispiel meines Erachtens ein Potential von 70 bis 100 Prozent.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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