10.12.2012 20:30
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Provinzial Nordwest und Rheinland prüfen Fusion

   -- Beteiligte wollen Fusionsgespräche schnellstmöglich aufnehmen

   -- Talanx bereits erfolgreich bei Sparkassen aktiv

   -- Noch elf öffentliche Versicherer in Deutschland

   (durchgehend neu)

   Von Alexandra Edinger

   Die Allianz kommt vorläufig bei der Provinzial Nordwest nicht zum Zug. Statt mit Europas größtem Versicherer über einen Verkauf zu verhandeln, sollen die Provinzial-Eigentümer eine Fusion der beiden Sparkassenversicherer Nordwest und Rheinland prüfen. Die Vorstände der beiden Versicherungen kündigten an, "in Abstimmung mit den jeweiligen Eigentümern schnellstmöglich die Gespräche" aufnehmen zu wollen.

   Bis Ende März wollen sie den Eigentümern einen konkreten Vorschlag vorlegen. Solange die Gespräche über das Vorhaben andauern, würden Gespräche mit anderen Interessenten ausgesetzt, ließ die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mitteilen.

   Vergangene Woche hatte das Wall Street Journal Deutschland erfahren, dass die Allianz SE an dem Versicherer Provinzial Nordwest interessiert ist. Rund 2,3 Milliarden Euro soll der Versicherungskonzern den vier Eigentümern geboten haben. Die Allianz wollte sich dazu auch am Montag nicht äußern.

   Mit der Fusion würde im Sparkassenlager die Konsolidierung im Versicherungssektor erneut angestoßen. Den Plänen von Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon käme das entgegen. Er ist derzeit dabei, eine solche Konsolidierung voranzutreiben. Er sieht Änderungsbedarf sowie erhebliches Optimierungspotenzial bei den öffentlichen Versicherern. Eine stärkere Konsolidierung könnte Experten zufolge Einsparungen und Synergieeffekte im dreistelligen Millionenbereich bringen. Fahrenschon wirbt daher bei den Eigentümern der öffentlichen Versicherer, darunter sind vor allem die regionalen Sparkassenverbände, diese Aufgabe gemeinsam und ohne private Dritte zu meistern.

   Die börsennotierte Allianz ist also erst einmal auf dem Abstellgleis gelandet. Dabei wäre der Zukauf eine gute Nachricht gewesen. Schließlich hatte die Provinzial Nordwest im Jahr 2011 Beitragseinnahmen von rund 3 Milliarden Euro, der Großteil davon aus den Bereichen Schaden-Unfall- und Lebensversicherung. Zudem hätte die Allianz mit einem solchen Kauf die Sparkassenstrukturen für ihren Vertrieb nutzen können. Dieser Gedanke stieß im Lager der Sparkassen allerdings auf starken Widerstand.

   Eigentümer der Provinzial Nordwest hatten schon signalisiert, kein Interesse an einem Verkauf an die Allianz zu haben. So hatten der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und die Sparkasse Münsterland Ost erklärt, derzeit nicht verkaufen zu wollen. Warum auch, schließlich liefern Versicherer den Sparkassen regelmäßige Einnahmen. Allein 2011 sollen es rund 682 Millionen Euro gewesen sein.

   Auch der Vorsitzende des Verbands öffentlicher Versicherer spricht sich gegen einen Verkauf an eine private Versicherung aus. Das habe nur kurzfristig positive Effekte für die Eigentümer, warnt Wolff von der Sahl. Er erklärte, dass sich in den vergangenen Jahren die öffentlichen Versicherer durch Konsolidierung zu aktuell elf Erstversicherern zusammengeschlossen haben. Die fünf Größten rangieren dabei nach seinen Angaben untern den Top 20 des deutschen Versicherungsmarktes. "Durch die Konsolidierung innerhalb der Gruppe konnten verstärkt Synergien gehoben werden, um langfristig höhere Erträge für unsere regionalen Eigentümer zu erzielen", sagte von der Sahl.

   Bei genauer Betrachtung ist es jedoch ungewöhnlich, dass sich die Sparkassen so gegen die Zusammenarbeit mit den Privaten wehren. Denn es gibt in Deutschland bereits ein Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation. Der kürzlich endlich an der Börse angekommene Versicherer Talanx ist mit 67,5 Prozent an der Versicherung Neue Leben beteiligt. "Wir kooperieren seit 2004 erfolgreich über die Neue Leben mit den Sparkassenpartnern", erklärte eine Sprecherin auf Anfrage des Wall Street Journal Deutschland.

   Die restlichen Anteile an der Neue Leben halten acht große Sparkassen, darunter die Hamburger Sparkasse, die Sparkasse Bremen, die Kreissparkasse Köln oder auch die Frankfurter Sparkasse. Insgesamt kooperiert die Neue Leben mit rund 100 Sparkassenpartnern im gesamten Bundesgebiet und vertreibt darüber ihre Produkte aus dem Bereich Lebensversicherung. Und auch die Allianz arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit einzelnen Sparkassen zusammen.

   Nun aber sind erst einmal die Sparkassen und die beiden Provinzial-Versicherungen am Zug. Dabei sind drei Monate eine knapp bemessene Zeit, um bei den schwierigen Eigentumsverhältnissen zu einer Lösung zu kommen. Schließlich sind neben den Sparkassen auch noch Städte an den Versicherungen beteiligt.

   An der Provinzial Nordwest halten der LWL und der Sparkassenverband Westfalen-Lippe jeweils 40 Prozent, der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein besitzt 18 Prozent und der Ostdeutsche Sparkassenverband 2 Prozent. An der Provinzial Rheinland ist der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz mit 33,3 Prozent beteiligt. Der Rheinische Sparkassen- und Giroverband hält 34 Prozent, und die restlichen Anteile liegen beim Landschaftsverband Rheinland.

   Kontakt zur Autorin: alexandra.edinger@wsj.com

   DJG/aed/bam/mgo

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   December 10, 2012 14:00 ET (19:00 GMT)

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