von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag
München. Im Verfahren um Marktmanipulation und Insiderhandel haben die beiden Hauptangeklagten zum Prozessauftakt heute die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. Der frühere Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Markus Straub, ließ über seine Anwältin erklären, er gehe „mit dem Ziel eines Freispruchs“ in die Verhandlung. Straub habe niemanden getäuscht „und erst recht niemanden geschädigt“, sagte Straubs Anwältin, Simone Kämpfer.
Der Mitangeklagte Tobias Bosler widersprach ebenfalls der Anklage. "Entgegen der Darstellung" der Staatsanwaltschaft habe es „kein Netzwerk zur Manipulation von Aktienkursen“ gegeben, sagte der Chef der Münchner Vermögensverwaltung TFB. Zudem habe er – anders als dargestellt – auch „keine zweistelligen Millionengewinne“ gemacht, sondern einen Verlust von insgesamt rund zwei Millionen Euro.
Zuvor hatte das Landgericht München einen Antrag der Verteidigung auf eine Aussetzung des Verfahrens abgelehnt. Am Wochenende hatte der Spiegel berichtet, die Staatsanwaltschaft habe im November ein Vermittlungsverfahren gegen Straub-Rechtsanwalt Harald Petersen wegen des Verdachts der „Marktmanipulation in Mittäterschaft“ bei Wirecard eingeleitet. Der frühere SdK-Sprecher soll 2008, als die SdK vor Wirecard warnte, gewusst haben, dass Straub auf fallende Wirecard-Kurse gesetzt habe.
Angesichts dessen beantragte die Staatsanwaltschaft einen Ausschluss Petersens aus dem Verfahren.
Straubs Verteidigung reagierte heute morgen prompt. Nur wenige Minuten nach dem Auftakt des Verfahrens forderte Straub-Anwältin Kämpfer eine Aussetzung des Verfahrens. Kämpfer begründete den überraschenden Vorstoß unter anderem damit, dass ein Ausschluss Petersens aus dem komplexen Wirtschaftsstrafverfahren die Verteidigung Straubs erheblich erschwere. Die Wirtschaftsstrafkammer wies den Antrag jedoch ab. Straub verfüge auch im Falle eines Ausschlusses von Petersen mit zwei weiteren Verteidigern über ausreichenden Rechtsbeistand. Zudem sei das Verfahren um Wirecard inzwischen abgetrennt.
Die Staatsanwaltschaft wirft Bosler in 47 Fällen Marktmanipulation und Insiderhandel sowie in zwei Fällen Betrug vor. Straub ist wegen Marktmanipulation und Insiderhandel in zwei Fällen angeklagt. Das Verfahren wird am Mittwoch fortgesetzt.