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17.08.2008 09:00

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Punkten mit Kindern und Kühen (EuramS)


Im Norden gibt es etwas, was sonst in Deutschland selten ist: hohe Geburtenraten. Zudem ziehen die Immobilienperlen Zuwanderer an – weil sich dort gut wohnen, arbeiten und das Alter genießen lässt.

Gisela Haberer

Der Norden überrascht. Jammerten Hamburger noch in den 90er-Jahren über fallende Immobilienpreise und Bevölkerungsschwund, kommt die Stadt heute kaum mehr nach mit Bauen. In der Hafencity, in Altona, St. Georg, Barmbek-Süd, Winterhude oder Uhlenhorst – überall entsteht neuer Wohnraum, trotzdem wird vielen Vierteln ein weiterer Aufwärtstrend beim Preis bescheinigt. Die Nachfrage ist da: 11 000 Neubürger zogen allein 2007 an Elbe und Alster. Nach Zuzügen liegt der Stadtstaat bundesweit auf Platz 1. Auch in puncto wirtschaftlicher Dynamik und wirtschaftsfreundlicher Verwaltung siegte Hamburg im Bundesländerranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Der Erfolg der Metropole strahlt aus. Laut Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) können angrenzende Landkreise sogar mit mehr Bevölkerungszuwachs rechnen als die Hansestadt selbst.

Während Hamburg bis 2020 nur ein Wachstum von 3,2 Prozent zugestanden wird, darf der Landkreis Stade bis dahin mit einem Bevölkerungsplus von 8,5 Prozent und der Landkreis Harburg mit neun Prozent rechnen. Nach den Untersuchungen des "Wegweiser Kommune" der Bertelsmann-Stiftung erreichen einzelne Kommunen um Hamburg sogar noch höhere Werte – etwa Kaltenkirchen mit 14,9 Prozent Bevölkerungszuwachs.

Der Gemeinde Wentorf im angrenzenden Herzogtum Lauenburg wird gar ein astronomisches Plus von 45,4 Prozent vorhergesagt. Der Grund: Die Bundeswehr räumte 1994 ihre beiden Kasernen. Aus der folgenden Umwidmung – im Fachjargon Konversion – entstand Wentorf Süd. Folge: Zwischen 1999 und 2006 vergrößerte sich die Einwohnerzahl um ein Viertel auf heute 11 500. Und der Ort soll weiterwachsen. Neben Neubauflächen bietet Wentorf auch Gründerzeitvillen. Vor allem die historischen Straßenzüge am Mühlenteich und entlang der Bille bis zum Petersilienberg zählen zu den Toplagen in Hamburgs Umland.

Im Nordwesten der Hansestadt steigt die Beliebtheit der kleinen Orte zwischen Elbe und A 23 wie Wedel und Elmshorn kontinuierlich, vor allem bei Familien. Im Südosten strahlt der Hamburger Arbeitsmarkt bis Lüneburg aus, so eine Studie. Während Hamburg auf Platz 1 des Dynamik-Rankings glänzt, bildet Bremen das traurige Schlusslicht dieser Bundesländeranalyse der INSM. Nach der Logik, dass Landkreise von der Stadt abhängen, müsste es Bremens Umland entsprechend schlecht gehen. Doch Pustekuchen. Atypisch im Bundesvergleich entstand im letzten Jahrzehnt südlich von Bremen eine Boomregion im Nordwesten der Repub­lik.

Die Kreise Ammerland, Oldenburg, Cloppenburg und Vechta dürfen sich über jeweils rund elf Prozent Zuwachs freuen, während Bremen bis 2020 mit leichtem Bevölkerungsschwund rechnen muss und Bremerhaven bis dahin sogar 15 Prozent seiner Einwohner verlieren wird. Zu einem guten Teil ist der Boom der Landkreise hausgemacht: In so gut wie allen Kreisen zwischen Bremen und der niederländischen Grenze liegt der Anteil junger Leute über dem Bundesdurchschnitt. In den vergangenen Jahren waren Cloppenburg, Vechta und Emsland abwechselnd der jeweils kinderreichste Landkreis Deutschlands. Die Geburtenraten liegen hier zwischen 1,6 und 1,9 Kindern pro Frau. Republikweit sind es nur 1,4.

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