von Sven Parplies, €uro am Sonntag
Es kann eigentlich nur besser werden. Nach einem Milliardenverlust im vergangenen Geschäftsjahr will der Stahlkonzern ThyssenKrupp zurück in die Gewinnzone. Der erste Schritt dürfte schwierig sein. Analysten erwarten, dass der Konzern in seinem Quartalsbericht am Dienstag ein leichtes Minus ausweisen wird. Auch etliche andere Unternehmen machen die Berichtssaison des DAX spannend. Denn die Daten aus den Monaten Oktober bis Dezember zeigen die Geschäftsentwicklung während der turbulentesten Phase der Eurokrise.
„Die Berichtssaison dürfte gemischt ausfallen. Wir gehen davon aus, dass wie in den vergangenen Quartalen etwa 60 Prozent der Unternehmen die Erwartungen übertreffen. Zu den Unsicherheitsfaktoren gehören Abschreibungen. Einige Unternehmen werden das gute Jahr 2011 nutzen, um Altlasten zu bereinigen. Auch die Eurokrise wird die Unternehmen weiter beschäftigen“, kalkuliert Oliver Caspari, Stratege beim Bankhaus Lampe.
Von den ersten sieben der 30 DAX-Unternehmen, die bislang Quartalszahlen für den Nettogewinn vorgelegt haben, konnten laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg drei die Analystenerwartungen schlagen — Beiersdorf, Daimler und SAP. Enttäuscht haben hingegen Deutsche Bank, Infineon, Munich Re und Siemens. Nicht erfasst in der Statistik sind die Überblicksdaten von HeidelbergCement, die besser ausgefallen sind als im Vorfeld erwartet. Der Ausblick wurde von Börsianern vor allem bei SAP und Daimler positiv aufgenommen.
Gemessen an der internationalen Konkurrenz, liegen Deutschlands Topkonzerne gut im Rennen, beobachtet Ralph Herre von der Landesbank Baden-Württemberg: „Europaweit liegt die Zahl der negativen Überraschungen bei Ausblick und Quartalsgewinn der Unternehmen bislang höher als im DAX. Das untermauert die Einschätzung, dass sich Deutschland gegenüber Europa deutlich besser entwickelt und sich einer Rezession entziehen kann.“
In den USA fällt die Berichtssaison bislang eher unspektakulär aus. Nachdem 328 Unternehmen des breit aufgestellten Aktienindex S & P 500 ihre Zahlen gemeldet haben, liegen 67 Prozent über Erwartung. Das entspricht in etwa dem historischen Mittelwert. Überproportional viele Enttäuschungen gab es bei den Banken. Für positive Meldungen sorgten vor allem Technologiewerte.
Die aktuelle Berichtssaison ist für Anleger auch deshalb wichtig, weil sie den Trend der Gewinnschätzungen für das neue Börsenjahr vorgibt und damit maßgeblich Einfluss auf die Kursentwicklung hat.
Nachdem die Analysten ihre Prognosen für die DAX-Gewinne des Jahres 2012 in den vergangenen Monaten deutlich zurückgefahren haben, zeichnet sich jetzt eine Stabilisierung ab — offenbar eine Reaktion auf eine Entspannung der Eurokrise und eher positive Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten.
„Die Nachfrage aus den Schwellenländern zieht weiter an. In den USA und Nordeuropa haben sich die Frühindikatoren verbessert. Deshalb sind 2012 Gewinnsteigerungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich realistisch“, urteilt Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank.
Neben ThyssenKrupp werden kommende Woche Zahlen von MAN und Deutsche Börse erwartet. Die Berichtssaison des DAX endet am 20. März mit Metro. Der Handelskonzern hat für 2011 ein Ergebnis vor Sonderfaktoren „leicht unter Vorjahresniveau“ angekündigt.
Bildquellen: Julian Mezger