11.01.2013 10:31
Bewerten
 (4)

Moody's stuft Zypern um drei Stufen herab

Rating deutlich gesenkt
Die finanzielle Lage Zyperns wird immer bedrohlicher. Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Inselstaats wegen der Probleme seines Bankensektors gleich um drei Noten herab.
In der Eurozone tobt derzeit ein Streit über das geplante Milliarden-Hilfspaket für Zypern. Wegen der großen Bedeutung russischer Investoren für zyprische Banken pochen EU-Politiker auf harte Auflagen gegen die Geldwäsche.

Die Bonitätsnote werde von "B3" auf "Caa3" gesenkt, teilte Moody's am Donnerstagabend in London mit. Der Ausblick für das Rating bleibe negativ. Es droht daher eine weitere Herabstufung. Moody's bewertet Zypern damit noch schlechter als die Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch. Damit wird Zypern ähnlich negativ gesehen wie Griechenland.

Die Botschaft kommt kurz vor einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die am (heutigen) Freitag nach Zypern reist. Anlass ist ein Treffen der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP). Im Mittelpunkt der Unterredungen soll die Finanzlage der Republik Zypern sowie die Lage im Nahen Osten stehen.

Zypern hatte im Sommer einen Hilfsantrag gestellt und will unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. Der Finanzbedarf soll bei 17,5 Milliarden Euro liegen. Im Februar wird auf der Insel ein neuer Präsident gewählt, Favorit ist der Konservative Nikos Anastassiadis. Eine Entscheidung über ein Hilfspaket noch vor der Wahl gilt inzwischen als unwahrscheinlich.

Vor allem der gestiegene Kapitalbedarf der angeschlagenen zyprischen Banken sei für die Herabstufung verantwortlich, begründete Moody's seine Entscheidung. Dafür sei auch der Schuldenschnitt für griechische Anleihen verantwortlich. Zudem sei die Rückzahlung von immer mehr Krediten in Gefahr, die an griechische und zyprische Gläubiger vergeben wurden. Die Banken des Landes sind eng mit der griechischen Wirtschaft verflochten und leiden auch unter der dortigen Krise.

Die Verschuldung des Inselstaates dürfte laut Moody's angesichts des Rekapitalisierungsbedarfs der Banken auf ein Niveau steigen, dass nicht mehr nachhaltig sei. So könnte der Schuldenstand noch in diesem Jahr auf 150 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) klettern.

FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle zeigte sich erneut skeptisch, dass der Bundestag Milliarden-Hilfen für Zypern zustimmen würde. "Wenn der Eindruck entsteht, dass die deutschen Steuerzahler für russisches Schwarzgeld haften sollen, dann sind Hilfen nicht vermittelbar und auch nicht vertretbar", sagte er am Freitag im Deutschlandfunk.

Zypern muss nach Einschätzung von EU-Währungskommissar Olli Rehn konsequenter gegen Geldwäsche vorgehen. "Wir legen allergrößten Wert darauf, Geldwäsche in Zypern ein für alle Male auszuschließen", sagte Rehn dem "Handelsblatt" (Freitag). Die Regierung in Nikosia habe die nationale Gesetzgebung bereits entsprechend verändert. "Allerdings müssen wir nun erreichen, dass diese neue Gesetze auch tatsächlich angewandt werden. Die Probleme sind mir bewusst", meinte Rehn. Zyprische Regierungsvertreter hatten am Donnerstag betont, das Land halte sich an die Regeln. Seine Probleme seien aber in den deutschen Wahlkampf hineingezogen worden.

Die SPD habe ihn darüber informiert, dass sie das Rettungspaket für Zypern wegen des Geldwäsche-Verdachts womöglich nicht billigen will, betonte Rehn. "Das hat (Kanzlerkandidat) Peer Steinbrück mir am Dienstag in Berlin persönlich mitgeteilt." Er glaube aber, dass man die Bedenken der Sozialdemokraten entkräften könne.

LONDON (dpa-AFX)

Bildquellen: vapy / Shutterstock.com
Artikel empfehlen?
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Private Krankenversicherung Tarifvergleich

Anzeige

Heute im Fokus

DAX schließt mit Gewinn -- US-Handel endet uneinheitlich -- Tesla-Aktie auf neuem Rekordhoch -- Apple: iCloud nicht gehackt -- Tipp24 zieht Gewinnwarnung zurück

Concur stellt sich zum Verkauf - Kontakt auch zu SAP. 'Deepwater Horizon': Halliburton zahlt 1,1 Milliarden Dollar Entschädigung. Metro trennt sich von Beteiligung an britischem Großhändler Booker. Permira verkauft erneut Hugo-Boss-Aktien. Frankreich rückt von Sparziel für 2015 ab.

Themen in diesem Artikel

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Welche Billig-Airline ist die beste der Welt?

Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welche Darsteller verdienen am meisten?

Diese Models verdienten 2014 am meisten

In welchen Ländern kostet der Big Mac wie viel?

Die Fluglinien mit den zufriedensten Passagieren

Welcher Nationaltrainer verdient am meisten?

mehr Top Rankings
Deutschland wird den Kampf der Kurden gegen die Terrormiliz des Islamischen Staates (IS) mit schweren Waffen unterstützen. Wie ist Ihre Meinung hierzu?
Abstimmen
Direkt zu den Ergebnissen