(Neu: Weitere Details zu Allianz, Ergebnisse der Konkurrenten ING und Generali)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Europas größter Versicherungskonzern Allianz <ALV.ETR> wagt sich nach einem nur mageren Gewinn im ersten Quartal weiter nicht aus der Deckung. "Eine Prognose für das Gesamtjahr geben wir nicht", sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet am Mittwoch in einer Telefon- Konferenz in München. Die anhaltenden Unsicherheiten über die Entwicklungen der Weltwirtschaft machten einen konkreten Ausblick unmöglich. Die Situation an den Kapitalmärkten wirke sich massiv auf das Ergebnis des Konzerns aus, sagte Perlet. Nach dem Verkauf des verlustreichen Sorgenkindes Dresdner Bank an die Commerzbank zeigte die Allianz in den ersten drei Monaten auch Schwächen im Kerngeschäft. Auch auf mögliche weitere Belastungen durch das schwierige Börsenumfeld stellt sich die Allianz ein.
Sollten die Aktienkurse bis Ende Juni so bleiben wie derzeit, würde dies zu weiteren Abschreibungen zwischen 300 und 400 Millionen Euro führen, sagte Perlet. Zwischen Januar und März musste die der Versicherer insgesamt knapp eine halbe Milliarde Euro auf ihre Anlagen in Aktien, Renten und Immobilien wertberichtigen. Am Aktienmarkt wurden die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen mit Enttäuschung aufgenommen. Die Allianz-Aktie verlor bis zum Nachmittag um bis zu knapp sieben Prozent, nachdem sie in den vergangenen Wochen deutlich gewonnen hatte.
OPERATIVES ERGEBNIS BRICHT UM EIN VIERTEL EIN
In den ersten drei Monaten rettete sich der Konzern wegen der Belastungen aus dem Dresdner-Bank-Verkauf gerade noch in die schwarzen Zahlen und verbuchte einen Gewinn von 29 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte die Allianz noch 1,15 Milliarden Euro verdient. Das operative Ergebnis brach um gut ein Drittel ein von 2,2 auf 1,4 Milliarden Euro. Dagegen erhöhten sich die Gesamtumsätze des Unternehmens von 27,0 auf 27,7 Milliarden Euro. Obwohl erste Eckdaten für das Quartal bereits seit der Hauptversammlung Ende April bekannt waren, musste die Allianz-Aktie am Mittwoch kräftig Federn lassen: Am Mittag gab der Kurs der Papiere zeitweise um über sechs Prozent nach auf 70,95 Euro.
Vor allem im wichtigsten Geschäftsfeld mit Schaden- und Unfallversicherungen ging es mit dem Gewinn im ersten Quartal kräftig abwärts um gut 59 Prozent auf 431 Millionen Euro. Auch angesichts des langen und harten Winters seien die Schäden höher ausgefallen, sagte Perlet. Außerdem hatte ein Verkauf eigengenutzter Immobilien in Deutschland das Vorjahresergebnis einmalig um 238 Millionen Euro aufgebessert. Die für das Versicherungsgeschäft wichtige Schaden- Kosten-Quote verschlechterte sich im Jahresvergleich von 94,8 auf 98,5 Prozent. Je weiter diese Quote unter 100 Prozent liegt, desto profitabler arbeiten Versicherer.
DRESDNER-BANK-VERKAUF IST 'GUTE LÖSUNG' FÜR DAS INSTITUT
In der Lebens- und Krankenversicherung machte der Allianz die Krise weiter zu schaffen. Auch angesichts eines Umsatzanstiegs in der Sparte sieht der Konzern aber erste Anzeichen einer Erholung. Im Geschäftsfeld Financial Services, in dem die Allianz ihr nach dem Dresdner-Verkauf verbliebenes Bankgeschäft, die Vermögensverwaltung und den Bereich Alternative Investment Management gebündelt hat, konnte der Konzern beim Gewinn etwas zulegen. Insgesamt aber brach das Ergebnis im fortgeführten Geschäft um gut 69 Prozent ein auf 424 Millionen Euro.
Für die Trennung von der Dresdner Bank, deren Integration jetzt die Commerzbank belastet, zog Perlet eine insgesamt positive Bilanz. Mit dem Verkauf habe man eine "gute Lösung" für das Institut gefunden. Im Frühjahr 2008 hätten sich erstmals Chancen für eine Banken-Konsolidierung in Deutschland ergeben. Angesichts der Komplexität sei der Deal dann zügig abgewickelt worden. Für die Herausforderungen in diesem Jahr sieht sich der Konzern gut positioniert, auch wenn die Finanz- und Wirtschaftskrise "deutliche Spuren" im Geschäft hinterlassen dürfte, wie es im Quartalsbericht heißt. "Die Kennzahlen des operativen Geschäfts sind solide." Die Allianz habe ausreichend Kapital, um den anhaltend schwierigen Marktbedingungen standzuhalten.
ING IM VERSICHERUNGSGESCHÄFT MIT ROTEN ZAHLEN
Im ersten Quartal litt nicht nur die Allianz unter den Verlusten an den Aktienmärkten und der Finanzkrise. Beim italienischen Versicherer Generali brach der Gewinn vor allem wegen Abschreibungen auf Aktienbestände um 89 Prozent auf knapp 104 Millionen Euro ein. Der niederländische Finanzkonzern ING, der wegen der Folgen der Finanzkrise derzeit vom Staat gestützt wird, rutschte im Versicherungsbereich sogar in die roten Zahlen. Das konnte auch durch das Plus im Bankgeschäft nicht aufgefangen werden. Insgesamt fiel das Minus bei den Niederländern höher aus als von Experten erwartet. Das ING-Papier am Mittwoch bis zum Nachmittag um rund zwölf Prozent./cs/DP/zb