HAMBURG (dpa-AFX) - Der Nivea-Hersteller
Beiersdorf will im laufenden Jahr wieder zur Konkurrenz aufschließen. "Wir sind mit unserer Neuausrichtung auf einem guten Weg und optimistisch, dass wir bereits 2012 wieder mit dem Markt wachsen werden", kündigte der scheidende Vorstandschef Thomas-B. Quaas am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Hamburg an. Nach zwei rückläufigen Jahren soll das Ergebnis 2012 wieder steigen. Im Jahr darauf sei dann mit einer weiteren Erhöhung zu rechnen. Beim Umsatz will Beiersdorf in den kommenden Jahren ebenfalls weiter zulegen.
Der Konsumgüterkonzern befindet sich derzeit im Umbruch. Nachdem Beiersdorf zuletzt im Wettbewerb mit starken Gegenspielern wie L'Oreal oder Procter & Gamble (ProcterGamble) nicht Schritt halten konnte, hatte der scheidende Vorstandschef Thomas-B. Quaas dem Konzern eine Schönheitskur verordnet und das Geschäft mit der Hauptpflege wieder in den Vordergrund gerückt.
STABILE Dividende TROTZ GEWINNRÜCKGANG
In der Folge wurden die Sortimente gestrafft und nicht erfolgreich laufende Bereiche aufgegeben. Da dies nicht ausreichte, begann Beiersdorf Ende November damit, noch stärker in die Geschäftsabläufe einzugreifen. Damit einher geht ein Stellenabbau. Von den weltweit insgesamt 18.000 Arbeitsplätzen sollen 1.000 wegfallen.
Durch die Kosten für den Umbau ging der Überschuss 2011 wie bereits berichtet um mehr als 20 Prozent auf 259 Millionen Euro zurück. Auch operativ verdiente Beiersdorf mit 431 Millionen Euro gut ein Viertel weniger als im Vorjahr. Der Umsatz legte hingegen leicht auf 5,6 Milliarden Euro zu. Die Aktionäre sollen trotz des Gewinnrückgangs eine stabile Dividende von 0,70 Euro je Aktie erhalten. Mehr als die Hälfte der Beiersdorf-Anteile befindet sich im Besitz der Hamburger Familie Herz, denen auch der Einzelhändler und Kaffeeröster Tchibo gehört.
SONDERBELASTUNGEN
Insgesamt verbuchte der Konzern Sonderbelastungen von über 200 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Der größte Batzen entfiel auf das chinesische Haar-Pflegegeschäft, auf das Beiersdorf Abschreibungen vornehmen musste. Auch 2012 kommen auf Beiersdorf noch einmal Sonderbelastungen zu. Zugleich sollen aber auch die ersten Effekte aus dem Sparprogramm zu sehen sein. Ab 2014 will Beiersdorf dann dauerhaft 90 Millionen Euro einsparen.
Die besten Chancen für die Pflegetochter sieht Beiersdorf derzeit in Asien und Lateinamerika. Auch die kleinere Sparte Tesa soll im laufenden Jahr weiter zulegen. Die Kleber von Tesa kamen bereits im vergangenen Jahr verstärkt in der der Elektronik- und Automobilindustrie zum Einsatz. 2012 sei aber nicht mehr mit der gleichen Dynamik zu rechnen, so der Konzern. Insbesondere in Westeuropa seien die Aussichten für den Klebebandmarkt von erheblichen Unsicherheiten wegen der Euro- und Staatsschuldenkrise geprägt.
SCHLECKER-PLEITE
Ungelegen kommt dem Konzern derzeit auch die Pleite der Drogeriekette Schlecker. Am Vortag war bekannt geworden, dass Schlecker voraussichtlich jede zweite Filiale schließen muss. "Das ist ein Schlag ins Kontor", sagte Quaas. Beiersdorf stehe in gutem Kontakt mit Schlecker. Was der Wegfall für das Geschäft von Beiersdorf bedeute, werde sich vermutlich erst in den kommenden Monaten zeigen. Der Manager wird mit Ablauf der Hauptversammlung am 26. April sein Amt an Stefan Heidenreich (50) übergeben und in den Aufsichtsrat wechseln. Heidenreich ist bereits seit Anfang des Jahres bei Beiersdorf und leitete zuvor den Schweizer Lebensmittelhersteller Hero.
Die im Dax (DAX) notierte Aktie lag am frühen Nachmittag mit 0,67 Prozent im Plus und bewegte sich damit mit dem Markt. Die endgültigen Kennziffern für 2011 hätten die vorläufigen Eckdaten bestätigt, schrieb Analyst Thomas Maul von der DZ Bank in einer Einschätzung. Der Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr sei unkonkret, aber im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Maul zeigte sich nach dem Kursanstieg der vergangenen Wochen nicht überrascht von kurzfristigen Gewinnmitnahmen./she/stw/tw