(Neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz zum Ausblick, Übernahmen)
MÜLHEIM/RUHR (dpa-AFX) - Der weltgrößte Chemikalienhändler Brenntag hat im zweiten Quartal von einer anhaltend kräftigen Nachfrage nach Chemikalien und jüngsten Übernahmen profitiert. Umsatz und Gewinn kletterten von April bis Juni deutlich in die Höhe. "Wir haben im zweiten Quartal keinerlei Bremsspuren in der Chemiekonjunktur gesehen", sagte Finanzchef Jürgen Buchsteiner am Mittwoch während einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Auch gebe es derzeit keine Anzeichen dafür. Steigende Rohstoffpreise könne Brenntag unmittelbar an die Kunden weitergeben, da diese in der Regel alle zwei Wochen beim Unternehmen bestellten. Die Aktie legte im Mittagshandel in einem positiven Gesamtmarkt um mehr als fünf Prozent zu.
Für das laufende Jahr präzisierte der neue Brenntag-Chef Steven Holland in einem Brief an die Aktionäre den Ausblick für die im MDAX (MDAX) notierte Gesellschaft. Demnach erwartet er für das laufende Jahr ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 650 Millionen bis 670 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte Brenntag 603 Millionen Euro erwirtschaftet. In der Prognose sind aber die Kosten für die jüngste Umfinanzierung des Unternehmens nicht enthalten. Zudem geht Holland bei seinem Jahresziel von keinen nennenswerten Schwankungen beim US-Dollar aus. Der Dollar ist für Brenntag neben dem Euro die wichtigste Währung.
Im zweiten Quartal stieg das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 9,6 Prozent auf 167,7 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 67,6 Millionen Euro. Dazu trugen vor allem geringere Abschreibungen und niedrigere Finanzierungskosten bei, wie es hieß. Ein Jahr zuvor hatte das Nettoergebnis 38,7 Millionen Euro betragen. Mit den Ergebnissen übertraf Brenntag die Schätzungen der von dpa-AFX befragten Analysten leicht.
Der Umsatz kletterte im Zeitraum April bis Juni um 11,2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Bereinigt um Währungseffekte war dies ein Plus von 15,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wachsen konnte Brenntag in allen Regionen. Mehr als die Hälfte der Erlöse erwirtschaftete der Konzern in Europa. Den größten Zuwachs erzielte das Unternehmen aus Mülheim an der Ruhr dank jüngster Übernahmen in Asien. Brenntag hatte unter anderem im zweiten Halbjahr 2010 die Gesellschaft EAC Industrial Ingredients in Südostasien erworben.
Auch künftig will Brenntag aus eigener Kraft wachsen, aber auch über Zukäufe. "Wir wollen durch attraktive Übernahmeziele weiter Werte schaffen", sagte Holland. "Für das restliche Geschäftsjahr sind weitere Akquisitionen geplant." Im Visier habe Brenntag dabei Zukäufe in einer Größenordnung von 30 bis 40 Millionen Euro, ergänzte Finanzchef Buchsteiner. Großübernahmen wie EAC im vergangenen Jahr sollten hingegen nicht erwartet werden. Brenntag hatte für die asiatische Tochter inklusive Schulden rund 160 Millionen Euro gezahlt.
Brenntag will vor allem sein Geschäft in Asien ausbauen. Erst vor wenigen Wochen hatte sich die Gesellschaft mit der Übernahme der Mehrheit am Chemikalienhändler Zhong Yung in den chinesischen Markt eingekauft. Große Chemiekonzerne wie BASF, Dow Chemical und Bayer sehen vor allem in China große Wachstumschancen und investieren dort schon seit Jahren kräftig.
Mit dem Brenntag-Börsengang im vergangenen Jahr endeten für die 1874 gegründete Gesellschaft bewegte zehn Jahre, in denen sich die Eigentümer ständig abgewechselt hatten. Der Finanzinvestor BC Partners hält über Fonds noch 36 Prozent an Brenntag und ist damit größter Aktionär. Derzeit beschäftigt Brenntag weltweit mehr als 12.000 Mitarbeiter. Nur noch etwa jeder zehnte Brenntag-Beschäftigte hat seinen Arbeitsplatz in Deutschland. Größter Konkurrent ist die US-Firma Univar aus Redmond im Bundesstaat Washington./mne/jha/tw