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12.10.2011 14:44

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ROUNDUP 2: EU erhöht den Druck auf die Banken - Barroso legt Pläne vor

Commerzbank zu myNews hinzufügen Was ist das?


    BRÜSSEL (dpa-AFX) - Angesichts der drohenden Staatspleite in Griechenland erhöht die EU den Druck auf die Banken. Um Schlimmeres zu verhindern, sollen die Institute der "Financial Times" (Mittwoch) zufolge künftig selbst im Krisenfall eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent vorweisen. Ansonsten drohen ihnen staatlich verordnete Finanzspritzen. Die europäische Bankenaufsicht EBA hat die Institute laut Insidern zudem aufgefordert, mehr Informationen über ihr Engagement in Staatsanleihen vorzulegen. EU-Kommissionspräsident Barroso will seine Pläne für die europäischen Finanzinstitute an diesem Mittwoch vorstellen.

 

    Für die Aktien der großen deutschen Banken ging es nach anfänglichen Kursverlusten am Nachmittag nach oben. Die Papiere der Deutschen Bank (Deutsche Bank) legten zuletzt um 3,39 Prozent zu, die Commerzbank-Aktie (Commerzbank) lag mit 0,28 Prozent im Plus.

 

PUFFER FÜR KÜNFTIGE TURBULENZEN

 

    Mit den schärferen Kapitalregeln will Brüssel die Banken für künftige Turbulenzen an den Finanzmärkten rüsten. Die Institute müssen für ihre ausgegebenen Kredite - dazu zählt auch das Geld, das sie den Staaten mittels Staatsanleihen geliehen haben - eine festgelegte Quote an hartem Kernkapital vorhalten. Je höher die Quote, desto besser kann eine Bank möglichen Kreditausfällen trotzen. Allerdings wird das Geschäft für die Institute durch die erhöhten Kapitalanforderungen weniger rentabel.

 

    Die Forderung nach neun Prozent hartem Kernkapital liegt laut "FT" weit höher als in der Branche erwartet. Diese Quote müsste selbst dann erfüllt werden, wenn man immense Abschreibungen auf Staatsanleihen einrechnet. Analysten hatten dem Bericht zufolge bislang mit einer Quote von sechs bis sieben Prozent kalkuliert. Die Institute sollten nun sechs bis neun Monate Zeit bekommen, um die Anforderungen zu erfüllen. Wer dies nicht schaffe, müsse Milliardensummen von den Staaten annehmen.

 

PLÄNE IM GRUNDSATZ BESCHLOSSEN

 

    Dem Bericht zufolge haben die Aufseher die Pläne bereits im Grundsatz beschlossen. Nach Schätzungen der Investmentbank Morgan Stanley müssten sich die betroffenen Banken insgesamt 275 Milliarden Euro besorgen, um die geforderte Kapitalquote zu erreichen.

 

    Auch die EU-Kommission arbeitet weiter intensiv an einer Lösung der Krise. Vorschläge für eine Stärkung der europäischen Banken, denen wegen der Schuldenkrise hohe Abschreibungen auf Staatsanleihen beispielsweise aus Griechenland, Portugal und Irland drohen, wollte Kommissionspräsident José Manuel Barroso noch am Mittwoch im Europaparlament vorlegen. Wie Parlamentarier in Brüssel berichteten, dürfte der Behördenchef zudem Initiativen im Kampf gegen die gefährliche Schuldenkrise präsentieren, etwa zur Stärkung des Krisenfonds EFSF.

 

BUNDESREGIERUNG WILL "EUROPÄISCHEN RAHMEN"

 

    Nach Angaben der Bundesregierung gibt es aber noch keine Festlegungen auf Instrumente und konkrete Vorgaben bei der Bankenrettung in Europa. Man warte auf den Vorschlag der europäischen Bankenaufsicht EBA, wie hoch der Kapitalbedarf der Banken sei.

 

    Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kotthaus, sagte: "Es ist uns wichtig, dass die relevanten wichtigen Banken in Europa allesamt so aufgestellt sind, dass sie für alle Eventualitäten gerüstet sind. Welche Instrumente welcher Höhe das dann erforderlich macht, da harren wir auch der Vorschläge durch die EBA, die schlicht und ergreifend die Zahlen hat." Nach den Erfahrungen der Krise 2008 sei es wichtig, einen "europäischen Rahmen" für die Banken-Rekapitalisierung zu haben.

 

GENAUERE PRÜFUNG

 

    Um herauszufinden, welche Institute besonders gefährdet sind, will sich die europäische Bankenaufsicht EBA Insidern zufolge nun die Engagements der Banken in europäischen Staatsanleihen genauer anschauen. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hat sie dazu von den Instituten weitere Informationen angefordert. Die Aufseher wollen demzufolge vor allem wissen, wie stark die Buchwerte und die faire Bewertung der Papiere auseinanderfallen, schrieb die Agentur unter Berufung auf vier mit der Sache vertraute Personen.

 

    Dies würde die Frage beantworten, welche Abschreibungen bei einer Orientierung am tatsächlichen Wert der Anleihen drohen. Die deutsche Bankenaufsicht Bafin widersprach allerdings der Einschätzung, dass es sich bei der Prüfung um einen weiteren Stresstest handle.

 

ZU POSITIVE ERGEBNISSE

 

    Die letzten Stresstests für die Branche vom Juli hatten Experten zufolge viel zu positive Ergebnisse geliefert: Die EBA hatte lediglich eine harte Kernkapitalquote von fünf Prozent gefordert. Zudem wurde das jetzt drohende Krisenszenario - eine Staatspleite Griechenlands - gar nicht untersucht. Der Branchenprimus Deutsche Bank kam auf 6,5 Prozent. Auch die französisch-belgische Dexia Banque (Dexia) Bank (Dexia), die jetzt mit Milliarden-Garantien gestützt werden muss und teilweise verstaatlicht wird, hatte den Test bestanden.

 

    Deutschland Banken wehren sich unterdessen gegen Vorwürfe, nach 2008 erneut fahrlässig in die Krisen zu geraten. Die Banken stehen nach Ansicht von Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis zu Unrecht am Pranger. "Wir haben keine Bankenkrise, sondern eine Staatsschuldenkrise", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Wenn die Politik entschlossen handele, brauchten die Banken gar keine Finanzspritzen der Steuerzahler./stw/hqs/tb/DP/tw

 

--- Von Steffen Weyer, dpa-AFX, Harald Schmidt und Tim Braune, dpa ---

 

Kommentare zu diesem Artikel

khaproperty schrieb:
Wertung: 3/5

12.10.2011 15:38:35

Kapitalzuführung, auch erzwungen, schön und gut bei Systemrelevanz und Notwendigkeit bei Unterstellung auch mehrerer Staatsausfälle. Jedoch nur unter Verlustbeteiligung aller Altkapitalgeber und Anteilsübertrag an den staatlichen Geldgeber.
Dann aber müßten Bankaktien in den Keller fallen.

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