(neu: Aussagen von Finanzchef Schenck zu Gasverhandlungen, Atomausstieg, Marktumfeld)
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Beim größten deutschen Strom- und Gasversorger Eon geht es nach dem vergangenen Krisenjahr wieder bergauf. Insbesondere neu verhandelte Gaslieferverträge sorgten für eine Ergebnisverbesserung. Wie der Dax (DAX)-Konzern am Mittwoch mitteilte, hat sich das um eine Reihe von Sondereffekten bereinigte so genannte nachhaltige Nettoergebnis um 27 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro verbessert. Effekte wie Buchgewinne aus Unternehmensteilverkäufen heraus gerechnet, fiel das Ergebnis indes um 23 Prozent. Im vergangenen Jahr war der Wert unter anderem wegen des Verkaufs des britischen Stromnetzes besonders hoch ausgefallen.
Vorläufige Zahlen hatte Eon schon in der vergangenen Woche veröffentlicht, so dass eine große Überraschung ausblieb. Die Aktie rutschte im Laufe des Tags ins Minus und gehörte am Nachmittag zu den größten Verlierern im Dax (DAX). Die Talsohle sei durchschritten, sagte Finanzchef Marcus Schenck. "Wir sind auf gutem Weg, wir müssen die bestehenden Herausforderungen aber weiterhin entschlossen angehen und die begonnenen Veränderungen entschlossen umsetzen." Zu den Veränderungen, etwa zum Personalabbau oder dem geplanten Umbau des Konzerns, gab es am Mittwoch aber keine neuen Angaben. Eon komme gut voran, sagte Schenck in einer Telefonkonferenz lediglich.
Im ersten Quartal erzielte der Konzern ein Umsatzplus von 28 Prozent auf 35,7 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um neun Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Ausschlaggebend für die Verbesserungen waren unter anderem neu verhandelte Gaslieferverträge, sie verbesserten das Ergebnis um 430 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatten ungünstige, an den hohen Ölpreis gekoppelte Lieferverträge das Ergebnis noch mit 0,7 Milliarden Euro belastet. Nun einigte sich Eon mit der norwegischen Statoil (Statoil ASA) auf neue Bedingungen. So sind jetzt 65 Prozent des Gasbezugs auf neuem Verhandlungsstand.
Mit der russischen Gazprom (Gazprom (Spons ADRs)) (Gazprom (Spons ADRs)) gibt es noch keine Lösung. Konzernchef Johannes Teyssen zufolge könnte es frühestens im Sommer soweit sein. Inwieweit eine Einigung mit den Russen das Ergebnis verbessern könnte, wollte der Finanzchef nicht genau sagen. Wenn man davon ausgehe, dass es erst Ende des Jahres zu einer Einigung komme, dann hätten sich bis dahin Verluste von mehr als einer Milliarde Euro aufsummiert, rechnete Schenck vor. Das sage aber noch nichts darüber aus, was bei einer Einigung mit Gazprom oder beim Urteil des Schiedsgerichts herauskomme.
Für steigende Ergebnisbeiträge sorgten im ersten Quartal auch Verbesserungen bei den erneuerbaren Energien und das Russlandgeschäft. Die Erzeugung ging indes wegen der im vergangenen Jahr stillgelegten Atommeiler und somit fehlender Mengen zurück. Weitere Belastungen im Zusammenhang mit dem Atomausstieg seien aber für das Jahr nicht mehr zu erwarten. Ein anderer Belastungsfaktor sind indes niedrigere Preise in den europäischen Erzeugungsmärkten, nachdem die Energienachfrage in einigen Ländern, vor allem in Italien und Spanien, zurückgegangen ist. Schenck betonte, dass das Marktumfeld weiter schwierig sei. Verbesserungen kämen nur aus dem Unternehmen selber.
Die Nettoverschuldung stieg seit Ende Dezember um 1,2 Milliarden Euro auf insgesamt 37,6 Milliarden Euro. Grund sei im Wesentlichen ein Anstieg der Pensionsrückstellungen. Die Prognose für dieses und das kommende Jahr bestätigte Eon: Das EBITDA soll sich danach in einer Bandbreite von 9,6 bis 10,2 Milliarden Euro bewegen. Für den nachhaltigen Konzernüberschuss erwartet das Unternehmen 2012 eine Bandbreite von 2,3 bis 2,7 Milliarden Euro. 2013 rechnet Eon mit einem EBITDA von 11,6 bis 12,3 Milliarden Euro und mit einem nachhaltigen Konzernüberschuss von 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro./nmu/men/he