PARIS/MADRID/LONDON (DPA-AFX) - Von dem Milliarden-Betrug an der Wall Street sind auch mehrere europäische Banken massiv betroffen. Am schwersten erwischte es die spanische Santander . Ihre Kunden könnten bis zu 2,33 Milliarden Euro bei dem New Yorker Finanzier Bernard L. Madoff verloren haben, der mutmaßlich ein gigantisches "Schneeball- System" im Volumen von bis zu 50 Milliarden
Dollar betrieb. Zugleich wächst die Liste prominenter Betrugsopfer. Darunter sind auch Stiftungen des Hollywood-Regisseurs Steven Spielberg und des Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel.
Der 70-jährige Madoff betrieb den Behörden zufolge ein typisches Schneeball-System: Er versprach als Vermögensverwalter hohe Zinsen, die mit dem Geld immer neuer Kunden bezahlt wurden, während es keine tatsächlichen Gewinne gab. Madoff soll den jahrelangen Betrug seinen Söhnen gestanden und das Schadensvolumen auf 50 Milliarden Dollar beziffert haben.
GRÖSSTER BETRUGSFALL DER GESCHICHTE
Die Finanzaufsicht SEC und die Bundespolizei FBI, die von Madoffs Geständnis offenbar kalt erwischt wurden, arbeiteten am Montag unter Hochdruck daran, die Spur des Geldes zu verfolgen. Sie halten laut US-Medienberichten die Dimension von 50 Milliarden Dollar für plausibel. Es wäre mit Abstand der größte Betrugsfall der Geschichte.
Unterdessen gibt es erste Antworten auf die Frage, wie ein so massiver Schwindel über Jahre unentdeckt bleiben konnte. Die SEC habe den Investment-Teil von Madoffs Firma nie geprüft, berichtete die Finanzagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Es hatte zwar zuletzt Kontrollen in den Jahren 2005 und 2007 gegeben, doch dabei sei es um den Aktienhandels-Bereich gegangen.
MADOFF GALT ALS VERTRAUENSWÜRDIG
Die "Financial Times" schrieb, die SEC-Prüfer nähmen bei Stichproben nur etwa zehn Prozent der registrierten Vermögensverwalter unter die Lupe - es seien schlicht zu viele für flächendeckende Kontrollen. Zudem galt Madoff als Wall-Street- rominenter und ehemaliger Verwaltungsratschef der Technologiebörse Nasdaq als vertrauenswürdig. Mehr noch: Er saß sogar in einem SEC- Gremium, dass die Finanzaufsicht zu Reformen der Börsen-Regeln beriet.
Das Geld der Santander-Kunden kam zu Madoff über den Fonds Optimal Strategic, der zur Bank-Gruppe gehört, wie Santander in der Nacht zum Montag mitteilte. Auch die britischen Großbanken HSBC und Royal Bank of Scotland (RBS) sind Opfer des Milliarden-Schwindels geworden. Die Einbußen von HSBC könnten sich auf bis zu eine Milliarde Dollar belaufen. Es gehe um Kredite an Firmen, die das Geld dann bei Madoff angelegt hätten. Die Royal Bank of Scotland geht davon aus, dass sich der Schaden auf 400 Millionen Pfund (rund 446 Mio Euro) belaufen könne.
PROMINENTE OPFER
In Frankreich sind mindestens drei große Finanzinstitute betroffen. Die Investmentbank Natixis bezifferte den möglichen Schaden am Montag auf einen Höchstwert von rund 450 Millionen Euro. Das Institut gehört der Sparkassengruppe Caisse d'Epargne und der Banque Populaire. Bei der französischen Großbank BNP Paribas könnten bis zu 350 Millionen Euro verloren gehen. Es gehe vor allem um Handelsgeschäfte und Kredite an Hedge-Fonds, die bei Madoff investiert hatten. Die Societe Generale bestätigte am Montag einen Verlust von weniger als zehn Millionen Euro.
Auch die Namen immer mehr Prominenter tauchen unter den Opfern des Schwindels auf. So habe eine Wohltätigkeits-Stiftung von Steven Spielberg Geld bei Madoff angelegt, wie ein Sprecher dem "Wall Street Journal" vom Montag bestätigte. Er machte keine Angaben zur Höhe möglicher Verluste. Im Jahr 2006 kamen etwa 70 Prozent der Zinseinkünfte der Stiftung aus Anlagen bei Madoff, wie aus Unterlagen hervorgeht. Auch die humanitäre Stiftung von Elie Wiesel sei betroffen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen.
Zuvor war bereits bekanntgeworden, dass der Eigentümer des Baseball-Team New York Mets und der Verwaltungsratschef des Autofinanzierers GMAC, J. Ezra Merkin, wahrscheinlich viel Geld bei Madoff verloren haben.
Madoff war am Donnerstag festgenommen worden und befindet sich inzwischen gegen eine Kaution von zehn Millionen Dollar auf freiem Fuß. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft./so/hk/hs/re/DP/sk