(Neu: Weitere Aussagen aus Telefonkonferenz, Aktienkurs, Analysten)
BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Der breit aufgestellte Medizinkonzern Fresenius (Fresenius SECo) peilt nach dem besten Quartal in der 100-jährigen Unternehmensgeschichte Rekordzahlen für 2012 an. "Wir haben im dritten Quartal unsere Wachstumsstärke und Ertragskraft erneut unter Beweis gestellt und die exzellenten Vorjahreswerte noch übertroffen", sagte Konzernchef Ulf Schneider am Mittwoch. Der größte Arbeitgeber im deutschen Gesundheitswesen bekräftigte ungeachtet der Herausforderungen bei der Dialysetochter Fresenius Medical Care (FMC) (Fresenius Medical Care) die zweimal angehobene Jahresprognose. Dem in US-Dollar bilanzierenden Dialysespezialisten machte der schwächelnde Euro zu schaffen.
Lieferengpässe bei Wettbewerbern der Infusions- und Generikasparte Kabi sowie Zuwächse durch die jüngsten Übernahmen bei der Krankenhaustochter Helios hätten zum guten Abschneiden beigetragen. Kabi und Helios glänzten mit prozentual zweistelligen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn. Die Engpässe bei Wettbewerbern sollten im vierten Quartal anhalten, sagte Finanzchef Stephan Sturm in einer Telefonkonferenz. Seit März hält Kabi ein Quasi-Monopol beim Narkosemittel Propofol, da der US-Konkurrent Hospira Lieferprobleme hat.
FRESENIUS MEDICAL CARE ENTTÄUSCHT
Weniger rund lief es dagegen bei Fresenius Medical Care: Der schwache Euro und höhere Zinsen sorgten im dritten Quartal für einen Gewinnrückgang bei der größten Fresenius-Tochter. Fresenius Medical Care habe die Erwartungen in einem herausfordernden Quartal nicht ganz getroffen, sagte Schneider. Der Überschuss des Dialysespezialisten fiel im dritten Quartal um drei Prozent auf 270 Millionen Dollar (rund 209 Mio. Euro). Der Umsatz legte um sieben Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar zu.
An der Börse verloren Fresenius-Papiere im Sog von Fresenius Medical Care 2,06 Prozent auf 88,39 Euro. Seit Jahresanfang hat die Aktie mit einem Plus von fast 30 Prozent an die gute Entwicklung im Vorjahr angeknüpft. FMC-Titel waren mit einem Minus von 3,55 Prozent auf 54,68 Euro Schlusslicht im Dax (DAX). Analyst Timo Kürschner von der Landesbank Baden-Württemberg sah die FMC-Bilanz vor allem durch die Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro und anderen Währungen belastet. Nach Einschätzung von Analyst Ulrich Huwald von MM Warburg ist der Währungseffekt stärker ausgefallen als erwartet.
FRESENIUS-CHEF BEKRÄFTIGT JAHRESZIELE
Nach dem leichten Gewinnrückgang zeigte sich FMC-Chef Ben Lipps vorsichtiger: FMC rechnet im laufenden Geschäftsjahr weiter mit einem bereinigten Gewinn von 1,14 Milliarden Dollar und einem Umsatz von 14 Milliarden Dollar. Der Dax-Konzern wies aber darauf hin, dass diese Werte um zwei Prozent unterschritten werden könnten. In der Prognose von FMC sind zudem Aufwendungen von bis zu 70 Millionen Dollar nach Steuern ebenso wie ein positiver Bewertungseffekt aus einem Zukauf nicht berücksichtigt.
Fresenius-Chef Schneider sieht den Konzern auf gutem Weg. 2012 soll das Ergebnis währungsbereinigt um 14 bis 16 Prozent steigen (VJ: 770 Mio. Euro). Beim Umsatz rechnet der Arbeitgeber von weltweit rund 163.400 Mitarbeitern unter Ausklammerung von Währungseffekten mit einem Plus von 12 bis 14 Prozent (VJ: 16 Mrd. Euro).
GESCHEITERTE RHÖN-ÜBERNAHME KOSTET 31 MILLIONEN EURO
Das um Sondereinflüsse bereinigte Konzernergebnis legte in den ersten neun Monaten um mehr als ein Fünftel auf 682 Millionen Euro zu. Auch operativ verbuchten die Hessen ein Plus: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg um fast ein Fünftel auf 2,2 Milliarden Euro. Zukäufe trugen acht Prozent zum Umsatz bei, der in den ersten drei Monaten um 18 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro zulegte. Die gescheiterte Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum kostete die Hessen 31 Millionen Euro./ep/wiz/he