(Neu: Aussagen aus Pressekonferenz, Aktienkurs, Analystenstimmen)
DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Maschinenbau-Konzern Gea (GEA Group) blickt nach einem Gewinnsprung zum Jahresende mit kaum getrübter Zuversicht auf das laufende Jahr. Gea spüre trotz der weltweiten Turbulenzen an den Finanzmärkten weiterhin eine dynamische Nachfrage, sagte Vorstandschef Jürg Oleas am Montag zur Vorlage der vorläufigen Jahreszahlen in Düsseldorf. "Der Auftragseingang im Januar lag leicht über dem Vorjahresniveau", ergänzte Finanzchef Helmut Schmale. Mit einem kräftigen Plus beim für Maschinenbauer so wichtigen Auftragseingang im Schlussquartal schlugen sich die Düsseldorfer zudem deutlich besser als der deutsche Maschinenbau im Schnitt, der für November und Dezember rückläufige Bestellungen hinnehmen musste.
"Wir sehen bisher nicht, dass die Turbulenzen der Weltwirtschaft zu einem Abkühlen des Geschäfts in unserem Konzern führt", sagte Schmale, schränkte aber ein, es gebe viele Unwägbarkeiten. "Sie sehen bei mir aber bisher keine Sorgenfalten." Die Endmärkte von Gea, besonders in der Lebensmittelbranche seien stabil. Von der guten Finanzlage des vergangenen Jahres sollen sowohl Aktionäre als auch Mitarbeiter profitieren: Den Anteilseigner will der Konzern eine um 15 Cent auf 55 Cent erhöhte Dividende und den Mitarbeitern unterhalb der oberen Führungsebene einen Sonderbonus von insgesamt rund 5 Millionen Euro zahlen.
AKTIE LEGT ZU
An der Börse kamen die Zahlen, die durch die Bank die Schätzungen der von dpa-AFX befragten Analysten übertrafen, äußerst gut an: Die im MDAX (MDAX) notierte Aktie legte am Nachmittag um 2,47 Prozent auf 26,105 Euro zu und gehörte damit zu den Gewinnern im Index, der etwas nachgab. Commerzbank-Analyst Sebastian Growe sprach von "exzellenten" Zahlen für das Schlussquartal. Allerdings lasse der Ausblick auf das laufende Jahr nur wenig Spielraum für steigende Marktschätzungen. DZ-Bank-Analyst Markus Turnwald hingegen wandte ein, dass die Unternehmenszielsetzung zum Jahresbeginn in seinen Augen eher konservativ sei, daher gebe es noch Potenzial nach oben.
Das Unternehmen rechnet für 2012 auf jeden Fall mit weiterem Wachstum. Der Auftragseingang soll demnach bis zu fünf Prozent und der Umsatz um mindestens fünf Prozent zulegen. Die EBIT-Marge für das bereinigte operative Ergebnis soll mindestens die 9,7 Prozent aus dem vergangenen Jahr erreichen. Neben organischem Wachstum, hat sich das traditionell sehr zukauffreudige Unternehmen auch wieder Übernahmen vorgenommen. Etwa in der Lebensmitteltechnik. 300 Millionen Euro an Volumen seien kein Problem, hieß es vom Vorstand.
STANDORTSCHLIESSUNGEN BEI WÄRMETAUSCHERN
In allen Sparten - die von Ausrüstung für Milchbetriebe über Wärmetauscher für Kraftwerke bis zu Kühl- und Abfülltechnik für die Lebensmittelbranche reichen - stiegen die Bestellungen und Umsatz im Schlussquartal. Im Geschäft mit Wärmetauschern, das Gea in den vergangenen Jahren kräftig umgebaut und Standorte geschlossen hatte, zieht sich der Konzern aus zwei weiteren Märkten zurück und will zwei Standorte, einen in Mexiko, einen in der Türkei schließen. Dafür buchte Gea Sonderkosten von 13 Millionen Euro im Schlussquartal. Ein neuerlicher größerer Umbau solle damit aber nicht beginnen, betonte der Vorstand. Bei der Landwirtschaftstechnik, wie sie etwa für die Milchviehhaltung eingesetzt wird, stagnierte der Profit. In allen anderen Feldern hingegen verbuchte Gea teils Aufschläge von mehr als 50 Prozent.
Der Umsatz legte laut den vorläufigen Zahlen im Schlussquartal um 27 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu. Bereinigt um Effekte aus Zukäufen sprang der operative Gewinn (EBIT) um 44 Prozent nach oben auf 207 Millionen Euro. Dabei hat Gea die Belastungen aus zwei Übernahmen in der Kühltechnik und Lebensmittelverarbeitung herausgerechnet. Unbereinigt lag das Ergebnis bei 198 Millionen Euro - 43 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Hier habe sich die gezielte Auswahl der Aufträge nach Profitabilität ausgezahlt, hieß es vom Unternehmen. Unter dem Strich verdiente Gea mit knapp 310 Millionen Euro mehr als doppelt so viel wie noch vor einem Jahr.
JAHRESZIELE LOCKER GESCHAFFT
Bereits im Januar hatte Finanzchef Helmut Schmale gesagt, dass Gea beim Auftragseingang wohl das obere Ende der für 2011 angepeilten Spanne zwischen 5,4 bis 5,6 Milliarden Euro erreicht hat. Die Bestellungen wuchsen im Quartal auf 1,5 Milliarden Euro, auf Jahressicht war es ein Plus von mehr als einem Fünftel auf 5,61 Milliarden Euro. Seine Jahresziele schaffte der Konzern damit locker./stb/wiz
--- Von Stefan Bauer, dpa-AFX ---