(Neu: Details aus Telefonkonferenz; aktualisierter Aktienkurs)
HEIDELBERG (dpa-AFX) - Der angeschlagene Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck (Heidelberger Druckmaschinen) steckt weiter in den roten Zahlen. Indes ist der Fehlbetrag im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal (Ende Dezember) kleiner als befürchtet: Unter dem Strich sank das Ergebnis von Plus 10 Millionen Euro im Vorjahr auf Minus 14 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in Heidelberg zusammen mit den übrigen endgültigen Quartalszahlen mitteilte. Den vergangenen Herbst gekappten Ausblick bekräftigte Vorstandschef Bernhard Schreier.
Die im MDAX (MDAX) notierte Aktie gewann 3,17 Prozent auf 1,659 Euro, während der Index nur um 0,77 Prozent zulegte. Händler begrüßten das etwas bessere Ergebnis, sahen aber keinen starken Einfluss. Allerdings seien die Papiere zuletzt dem Markt hinterher gehinkt und könnten nun wieder aufholen, nachdem eine böse Überraschung ausgeblieben sei, hieß es.
NEUES SPARPROGRAMM
Die restlichen Kennzahlen hatte Heideldruck bereits zu Jahresbeginn veröffentlicht und wegen der rückläufigen Nachfrage ein 180 Millionen Euro schweres Sparprogramm aufgelegt und den Abbau von bis zu 2.000 Stellen angekündigt. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern laufen aktuell.
Die Kosten, vor allem für Abfindungen, dürften sich auf bis zu 150 Millionen Euro summieren. Den überwiegenden Teil davon wolle der Konzern noch in diesem Geschäftsjahr (Ende März) buchen, sagte Finanzchef Dirk Kaliebe in einer Telefonkonferenz. Heideldruck spart seit Jahren dem schrumpfenden Markt hinterher und hat bereits einen Radikalumbau mit tausenden Stellenstreichungen hinter sich. "Wir wollen diesmal auf der sicheren Seite sein und nicht nochmal eine Restrukturierung machen", sagte Schreier vor Journalisten.
WARTEN AUF BESTELLUNGEN
Zwar steigt der Bedarf an Gedrucktem in den Schwellenländern und auch im Verpackungsdruck sieht es nicht übel aus. Aber die zunehmende Digitalisierung in den Medien nagt seit geraumer Zeit an den Umsätzen der Druckereien in den Industrieländern, die im unsicheren wirtschaftlichen Umfeld Investitionen in die komplexen Maschinen scheuen.
So halbierten sich die Investitionen der vor allem mittelständisch geprägten Branche von einstigen Spitzenwerten auf nur noch 1,6 Prozent des Druckvolumens im Krisenjahr 2009. Bis 2015 erhofft sich Heideldruck eine Erholung dieser Quote auf 2,2 bis 2,7 Prozent. Vorstandschef Schreier hatte eigentlich mit einer schnelleren Erholung des Marktes gerechnet, kassierte aber angesichts des unsicheren Umfelds im vergangenen Herbst die Jahresprognose ein. Im Januar kündigte Schreier zudem an, die Kapazitäten des Konzerns um 15 Prozent zu reduzieren. Aktuell seien die Werke nur zu rund drei Viertel ausgelastet.
WACHSTUM BEI FARBEN & CO. GEPLANT
Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit einem Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro - soviel wie im Vorjahr. Die Umsatzschwelle, ab der das Unternehmen Gewinn macht, will das Management mit dem Ab- und Umbauprogramm auf unter 2,4 Milliarden Euro senken. Im laufenden Jahr soll sich das operative Ergebnis zunächst spürbar verbessern, nachdem es im vergangenen Geschäftsjahr 2010/2011 (Ende März) 4 Millionen Euro erreichte. Im Geschäftsjahr 2013/2014 will Heideldruck rund 150 Millionen Euro schaffen.
Neben dem Verkauf von Neumaschinen und Ersatzteilen samt Service will sich Heideldruck ein größeres Stück vom Kuchen des Marktes mit Verbrauchsmaterialien sichern. Der hatte laut Schreier 2010 ein weltweites Volumen von 7,8 Milliarden Euro und dürfte in den kommenden Jahren weiter zulegen. Heideldruck wolle alles rund um die Druckmaschine anbieten "außer Papier", wie der Manager sagte. Seine aktuell 3 Prozent Anteil an diesem Markt, der etwa Farben oder Druckplatten umfasst, will Heideldruck künftig auf 15 Prozent verfünffachen. Dabei sollen die Service- und Vertriebsmitarbeiter, die sich bislang vor allem um die Maschinen gekümmert haben, auch als Verkäufer beispielsweise für Druckfarben auftreten.
MESSE ALS HOFFNUNGSPUNKT
Eine Belebung bei den Aufträgen erhofft sich Schreier von der im Mai anstehenden wichtigsten Branchenmesse drupa in Düsseldorf. "Bislang war jedes Messejahr ein Spitzenjahr." Allerdings habe es in der 60-jährigen Geschichte der alle vier Jahre stattfindenden Schau nie so eine Schwächephase wie jetzt gegeben. Trotz der ungewissen Ausgangslage rechnet Schreier aber mit einem Plus bei den Bestellungen. Das dürfte sich dann erst im neuen Geschäftsjahr, das im April startet, bemerkbar machen.
Aus der Insolvenz und laufende Zerschlagung des Konkurrenten Manroland erhofft sich der Konkurrent aus Heidelberg einen positiven, aber überschaubaren Effekt für seinen Umsatz. Die Erlöse von Heideldruck dürften durch den Schrumpfkurs und die absehbar geringere Produktion von Manroland um 50 bis 100 Millionen Euro wachsen, schätzt Schreier. Der Verkauf des mit Heideldruck im Druck von großen Bögen in Konkurrenz stehenden Manroland-Standortes in Offenbach sei indes nur die zweitbeste Lösung gewesen, sagte der Manager unverhohlen. Lieber wäre ihm gewesen, wenn die Kapazitäten vom Markt verschwunden wären.
BESTELLUNGEN UND UMSATZ SINKEN
Die Überkapazitäten am Markt machten sich auch in den Zahlen des vergangenen Quartals bemerkbar. In der Zeit zwischen Oktober und Dezember führte die abermals rückläufige Nachfrage für Druckmaschinen in den Industrieländern erneut zu einem Schwund bei den Bestellungen für Heideldruck von 684 auf 642 Millionen Euro und einem Rückgang bei den Erlösen von 687 Millionen auf 631 Millionen Euro. Beide Werte fielen etwas höher aus, als der Konzern zunächst im Januar auf Basis vorläufiger Zahlen berichtet hatte. Operativ schaffte der Kummer gewöhnte Marktführer gerade noch eben so vor Sonderfaktoren einen Gewinn von 2 Millionen Euro./stb/enl/wiz