(Neu: Aktueller Kurs und Analysteneinschätzung im letzten Absatz)
ECHING (dpa-AFX) - Der Hersteller von Minicomputern Kontron zieht einen Schlussstrich unter das für das Unternehmen zuletzt traurige Kapitel Malaysia. Das Werk dort soll verkauft werden. Dafür fallen im vierten Quartal 2011 Kosten von sechs Millionen Euro an, wie das im TecDax (TecDAX) notierte Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Daher verabschiedet sich Kontron von dem bisherigen Ziel einer operativen Marge von acht Prozent. Der Umsatz werde dagegen das angepeilte Plus von rund zwölf Prozent auf 570 Millionen Euro voraussichtlich erreicht.
Die Produktion in Malaysia hatte Kontron bereits 2010 belastet und das Unternehmen in die roten Zahlen gerissen. Jetzt soll das Werk an den US-Auftragsfertiger Plexus für 30 bis 35 Millionen US-Dollar verkauft werden. Im Grundsatz haben sich die beiden Parteien bereits geeinigt. Der Verkauf soll in den nächsten Wochen endgültig über die Bühne gehen.
Die Echinger wollen im Gegenzug noch mehr bei Plexus einkaufen als bislang. Geschäft im Wert von 100 Millionen Dollar soll zum bisherigen Einkauf bei Plexus hinzukommen. Für Kontron verringert sich durch den geplanten Verkauf zudem der Kapitaleinsatz. In diesem Jahr soll die Transaktion zudem den Gewinn je Aktie steigern, die Ausgaben für Investitionen senken und den Umsatz pro Mitarbeiter erhöhen.
Die Probleme in Malaysia begannen im Sommer 2010 mit einem Knall. Kontron schlug Alarm und bezichtigte Kunden sowie das Management der Malaysia-Tochter des Betrugs. "Erste Recherchen haben ergeben, dass Kunden, Subunternehmer und lokales Management offensichtlich betrügerisch zu Lasten von Kontron zusammengewirkt haben", hieß es damals in Eching. Für den Schaden legte Kontron 34 Millionen Euro zurück.
Mit Malaysia ist Kontron ein Problemthema los. Doch leidet das Unternehmen auch unter der Schuldenkrise des Westens und rechnet 2012 mit einem turbulenten Jahr. Die klammen Staatshaushalte in den USA und Europa dürften die Aufträge des öffentlichen Sektors deutlich drücken. Lukrative Infrastrukturprojekte werden verschoben und möglicherweise storniert. Das könnte sich bereits im vierten Quartal 2011 gezeigt haben.
Traditionell profitiert Kontron im Schlussquartal von hochmargigen Vertragsabschlüssen mit der öffentlichen Hand. Kontron hatte jüngst in diesem Feld und im Telekom-Geschäft ein erstes Abflauen registriert. Beides zusammen macht etwa 40 Prozent des Umsatzes eines Jahres aus.
Am Aktienmarkt wurden die Nachrichten verhalten aufgenommen. Das Papier, das bereits im vergangenen Jahr zu einem der schwächsten TecDax-Werte gehörte, gab leicht nach. Negativ stieß vor allem die gekippte Prognose für die operative Marge. Allerdings hatten die meisten Experten ohnehin nicht mehr damit gerechnet, dass Kontron die acht Prozent erreicht. Dagegen sei es prinzipiell positiv, dass das Problem in Malaysia jetzt vom Tisch ist, sagte ein Händler. Die Experten von Equinet und WestLB bestätigten ihre Kaufempfehlung./fn/jha/tw /zb