13.02.2013 20:25

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ROUNDUP 2: Leuchtenspezialist Hess zahlungsunfähig und überschuldet


    (neu: Insolvenzverwalter bestellt)

 

    VILLINGEN-SCHWENNINGEN (dpa-AFX) - Der finanziell schwer angeschlagene Leuchtenhersteller Hess aus dem Schwarzwald ist insolvent. Der 380 Mitarbeiter große Betrieb sei nicht nur zahlungsunfähig, sondern auch überschuldet und obendrein ohne aussichtsreiche Fortführungsperspektive, berichtete die Hess AG am Mittwoch in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt.

 

    Das Amtsgericht Villingen bestätigte den Eingang des Insolvenzantrags. Insolvenzverwalter wurde nach Mitteilung des Unternehmens Martin Mucha aus der Kanzlei des im Südwesten und weit darüber hinaus renommierten Rechtsanwalts Volker Grub. Grub ist bekannt als früherer Insolvenzverwalter bei Unternehmen wie Bauknecht, Südmilch und Schiesser. Zugleich erhob die Hess AG schwere Vorwürfe gegen ihren Hauptgesellschafter, hinter dem die Familie Hess steht.

 

    Schon im Januar hatte das Unternehmen selber mitgeteilt, dass die Bilanzen womöglich über längere Zeit hinweg und mit Kenntnis des damaligen Vorstandes frisiert wurden. Nun legte die Unternehmensführung nach: Der Hauptgesellschafter, die Hess Grundstücksverwaltungsgesellschaft, habe in den vergangenen Wochen weder bestehende Forderungen beglichen, noch sei sie bereit, einen Beitrag zur Sanierung zu leisten. Die Grundstücksverwaltungsgesellschaft wird von Christoph Hess und Peter Ziegler geleitet, den entlassenen Vorständen der Hess AG, gegen die sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Bilanzfälschung richten.

 

    Christoph Hess ist der Enkel des Unternehmensgründers. In einer Stellungnahme, die sein Anwalt veröffentlichte, wies er die Vorwürfe zurück. "Wir als Familie Hess haben dem Unternehmen mehrfach Hilfe angeboten". Allerdings sehe man keinen Sinn darin, "dass diese von uns zur Verfügung gestellten Mittel für exorbitante Beraterhonorare oder Managergehälter ausgegeben" werden.

 

    Unter der Führung von Christoph Hess sollen in dem Unternehmen die Zahlen frisiert worden sein, um an immer neue Kredite zu kommen. Seit 2009 habe Hess praktisch auf Pump gelebt, teilte der Vorstand mit. Für das Geschäftsjahr 2013 sei ein Verlust im hohen einstelligen Millionenbereich zu erwarten, womöglich sogar darüber hinaus. So "ist die Finanzierung des Geschäftsbetriebs der Gesellschaft für das laufende und nächste Geschäftsjahr nicht gesichert". Mehr noch: Wegen der Unregelmäßigkeiten und des Verdachts auf frisierte Bücher drohten Anlegerklagen. "Mögliche neue Investoren meiden dieses derzeit nicht kalkulierbare Risiko", hieß es in der Pflichtmitteilung an die Finanzwelt. "Daher besteht für die Gesellschaft eine negative Fortführungsprognose."

 

    In einer Pressemitteilung weckte die Hess AG anschließend aber doch noch Hoffnungen. Mit einem halben Dutzend interessierter Investoren habe der Vorstand bereits Gespräche geführt. Möglicherweise lasse sich nach einer Sanierung im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine Investorenlösung finden.

 

    Auch die Gewerkschaft IG Metall hofft, dass die Insolvenz für Hess neue Chancen bietet. "Es ist ja nicht so, dass Hess keine Stellung am Markt hätte und dass es keine Produkte gäbe, die nicht gefragt sind", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Villingen-Schwenningen, Reiner Neumeister. Die Beschäftigten seien nun dabei, zum ersten Mal in der Firmengeschichte einen Betriebsrat zu wählen, der ihre Interessen vertreten soll. Alles komme nun darauf an, ob es dem Insolvenzverwalter gelinge, das Unternehmen teilweise zu entschulden.

 

    Durch die Insolvenz sind die Gehälter der Beschäftigten für gewöhnlich drei Monate lang gesichert./loh/mhe/DP/he

 

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