(Neu: Aussagen aus Telefonkonferenz)
WIESLOCH (dpa-AFX) - Der Finanzdienstleister MLP <MLP.ETR> ist wegen der Zurückhaltung der Anleger mit einem Gewinneinbruch ins neue Jahr gestartet. Die Finanzkrise und der wirtschaftliche Abschwung führten zu "extrem anspruchsvollen Rahmenbedingungen" und prägten das Verhalten vieler Anleger, sagte der MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg bei einer Telefonkonferenz am Mittwoch. Die Kunden hielten sich beim Abschluss lang laufender Verträge immer noch zurück. Die im MDAX <MDAX.ETR> notierte Aktie fiel bis zum Mittag um knapp drei Prozent.
In diesem schwierigen Marktumfeld habe sich der Finanzdienstleister aber gut geschlagen und wolle sich aktiv an der Konsolidierung im Markt beteiligen. Eine präzise Prognose für das Gesamtjahr wagte Schroeder-Wildberg allerdings immer noch nicht. Man wolle sich besser entwickeln als der Markt, sagt er lediglich. Die geplanten Kostensenkungen um insgesamt 34 Millionen Euro verliefen planmäßig.
GESCHÄFT MIT PRIVATEN KRANKENVERSICHERUNGEN GUT GELAUFEN
Der Finanzvertrieb spürte die Finanzkrise vor allem in "kapitalmarktnahen Bereiche", sagte Schroeder-Wildberg. "Viele Kunden haben einen enormen Gesprächs- und Beratungsbedarf." Das äußerte sich in einem deutlichen Rückgang der Erlöse von Vermögensverwaltung und Altersvorsorge. Das Neugeschäft in der Altersvorsorge habe mit 900 Millionen Euro auf dem Niveau von 2007 gelegen (Vorjahr 1,9 Mrd Euro). Im vergangenen Jahr hatte die Anhebung der staatlich geförderten Beiträge zur Riester-Rente dem Finanzdienstleister ein für das erste Quartal ungewöhnlich deutliches Plus beschert.
Die Umsatzerlöse sind im ersten Quartal aber nicht so stark zurückgegangen wie von Analysten erwartet. Gut gelaufen sei nach der Einführung des Gesundheitsfonds im ersten Quartal das Geschäft mit privaten Krankenversicherungen, sagte Schroeder-Wildberg. Die Erlöse in dieser Sparte hätten um ein Fünftel auf 13,7 Millionen Euro zugelegt. Das verwaltete Vermögen blieb mit 11,2 Milliarden Euro (Vorjahr 11,4 Mrd) stabil.
FERI-DIVIDENDE UND BERATER FÜR SWISS LIFE SCHMÄLERN ÜBERSCHUSS
"Wir verfügen über eine hervorragende Kapitalbasis. Das bietet uns Spielräume auch im Blick auf die anstehende Konsolidierung", sagte Schroeder-Wildberg. Hier wolle MLP nach wie vor eine aktive Rolle spielen. Auch der geplante Verkauf der Aktivitäten in Österreich und den Niederlanden laufe gut. "Wir gehen davon aus, dass wir im zweiten Quartal die Abschlüsse haben", sagte Schroeder-Wildberg. Verluste in Österreich und den Niederlanden hatten MLP auf Konzernebene im ersten Quartal ins Minus gedrückt.
Auch der Überschuss aus fortgeführten Geschäft fiel mit 300.000 Euro deutlich mager aus als im Vorjahr. Er wurde durch die Dividende für die Aktionäre der Tochtergesellschaft Feri geschmälert. Die Anteilseigner erhielten in diesem Jahr 2,4 Millionen Euro. Im Gezerre um die Beteiligung der Swiss Life <SLHN.VTX> <SLW.FSE> hatte der Finanzdienstleister außerdem rund 3,3 Millionen Euro für Berater ausgegeben.
BALD WEITERER SCHRITT VON SWISS LIFE ERWARTET
Der Schweizer Versicherer war im vergangenen Sommer in einer umstrittenen Transaktion mit rund einem Viertel bei MLP eingestiegen. MLP hatte daraufhin den Vertrieb von Swiss-Life-Produkten wegen möglicher Interessenskonflikte eingestellt. Ende März hatte Swiss Life einen Teil seiner Aktien an die Versicherungsgruppe Talanx abgegeben und angekündigt seinen Anteil von 15,9 Prozent auf unter zehn Prozent reduzieren zu wollen. "Ich bin gute Hoffnung, dass wir in absehbarer Zeit einen weiteren Schritt sehen werden", sagte Schroeder-Wildberg./gr/zb