(neu: Analystenstimmen, weitere Details aus Geschäftsbericht, Aktienkurs)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Marktturbulenzen im Frühjahr haben der Rekordjagd der Deutschen Bank (Deutsche Bank) einen Dämpfer verpasst. Zwar fielen die am Dienstag vorgelegten Zahlen für das zweite Quartal etwas besser aus als von Experten erwartet. Die Werte blieben aber wegen eines Einbruchs im Investmentbanking deutlich hinter dem starken Jahresauftakt 2010 zurück. Konzernchef Josef Ackermann zeigte sich in einer Mitteilung allerdings optimistisch: "Die Weltwirtschaft dürfte sich weiter beleben." Gleichwohl bleibe das wirtschaftliche Umfeld anfällig für Rückschläge, schrieb er an die Deutsche-Bank-Aktionäre.
Trotz eines Einbruchs im Handelsgeschäft fiel der Überschuss der Deutschen Bank im zweiten Quartal mit rund 1,2 Milliarden Euro etwas besser aus als im Vorjahreszeitraum mit 1,1 Milliarden Euro und übertraf die Schätzungen der meisten Analysten. Der Gewinn vor Steuern legte auf 1,5 (Vorjahreszeitraum: 1,3) Milliarden Euro zu. An der Börse überzeugte das. Die Aktie gehörte am Vormittag mit einem Plus von 2,5 Prozent auf 51,65 Euro zu den größten Gewinnern im Dax (DAX). Analysten lobten unter anderem die niedrigere Risikovorsorge.
ERTRAGSEINBRUCH IM KLASSISCHEN INVESTMENTBANKING
Ihre Vorsorge für faule Kredite konnte die Deutsche Bank im Zeitraum April bis Juni deutlich auf 243 Millionen Euro zurückfahren - das war nur etwa ein Viertel des Vorjahreswertes von 1,0 Milliarden Euro.
Die Erträge im klassischen Investmentbanking (Corporate Banking & Securities) gingen im zweiten Quartal allerdings um fast ein Viertel zurück. Das Handelsergebnis brach binnen Jahresfrist von 2,6 Milliarden Euro auf 110 Millionen Euro ein. Das überraschte selbst Analysten wie Merck-Finck-Analyst Konrad Becker, der ein solches Ausmaß nicht erwartet hatte. Ein Plus bei Zins- und Provisionsüberschuss konnte das nicht ausgleichen. Insgesamt verringerten sich die Erträge auf 7,2 (7,9) Milliarden Euro.
Deutlich nach oben ging es im zweiten Quartal im sonst eher schwächelnden Geschäft mit Privatkunden (PBC). In dieser Sparte legte der Gewinn vor Steuern von 55 Millionen Euro auf 233 Millionen Euro zu. "Der Bereich PBC erreichte das beste Quartalsergebnis seit dem Höhepunkt der Finanzkrise", erklärte Ackermann. UBS-Analyst Philipp Zieschang stellte fest: "Es gibt Lebenszeichen im Privatkundengeschäft."
DETAILS ZU ENGAGEMENT IN PIIGS-STAATEN
In der Vermögensverwaltung stand im zweiten Quartal trotz einer Belastung in Höhe von 89 Millionen Euro wegen der Übernahme der Privatbank Sal. Oppenheim auch wieder ein Gewinn, nachdem der Bereich im Vorjahr noch in den roten Zahlen gewesen war.
In einer Analystenpräsentation wies die Deutsche Bank zudem die Ergebnisse des jüngsten europaweiten Bankenstresstests bei Staatsanleihen aus. Das Engagement in den sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) belief sich demnach Ende März auf rund 10 Milliarden Euro. Den Großteil der Bestände hatte die Deutsche Bank im Handelsbuch stehen, das bei den Krisentests untersucht worden war.
Bei dem Test waren 91 europäische Banken unter die Lupe genommen worden, 7 Institute fielen durch, darunter als einziges deutsche Institut die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE). Die Deutsche Bank schnitt mit einer Kernkapitalquote (Tier 1) von 9,7 Prozent als eine der besten deutschen Banken ab. Im zweiten Quartal wies das Institut eine Kernkapitalquote (Tier 1) von 11,3 Prozent aus
MITTELFRIST-ZIELE BESTÄTIGT
An dem mittelfristigen Ziel eines Vorsteuergewinns von 10 Milliarden Euro rüttelte Ackermann nicht. "Während einige der Faktoren in Bezug auf das Wettbewerbsumfeld mit unseren Annahmen übereinstimmen oder diese übertroffen haben, haben andere das erwartete Niveau noch nicht erreicht, insbesondere hinsichtlich der Normalisierung des Zinsniveaus." Konjunkturexperten rechnen in diesem Jahr noch nicht damit, dass die großen Notenbanken in Europa und den USA ihre Leitzinsen wieder anheben. Für 2011 hat Ackermann auch sein umstrittenes Ziel einer Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent ausgegeben. Diese lag im zweiten Quartal nur bei 13 Prozent, im ersten Halbjahr allerdings schon bei 21 Prozent./ang/ben/zb