(neu: Aussagen von Finanzchef Rolf Pohlig zum Gasgeschäft, zu Berlinwasser)
ESSEN (dpa-AFX) - Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern RWE leidet weiter unter dem Atomausstieg und einer schwächeren Nachfrage in Europa. Auch das Gasgeschäft macht den Essenern weiter zu schaffen. Der für die Dividende maßgebliche, um Sondereffekte bereinigte Überschuss sank zum Jahresauftakt um ein Fünftel auf 1,3 Milliarden Euro. Wettbewerber Eon konnte dagegen am Vortag mit einem Plus von 27 Prozent beim bereinigten Ergebnis schon wieder erste Erfolge nach dem vorangegangenen Krisenjahr feiern. RWE will 2012 trotz der Startschwierigkeiten weiterhin auf das Niveau des Vorjahres kommen. Die Aktie gab bis zum Mittag etwas nach.
Im Gasgeschäft, einem der großen Sorgenkinder des Konzerns, zeichnen sich leichte Verbesserungen ab. Alte, starr an den Ölpreis gekoppelte Gaslieferverträge sorgen schon seit längerem für Verluste. 2011 fiel in der Sparte ein Minus von 800 Millionen Euro an. In diesem Jahr rechnet RWE mit einem noch schlechteren Ergebnis. Zwar berichtete Finanzchef Rolf Pohlig, RWE habe seit März von den 20 Milliarden Kubikmetern jährlich, die im März noch auf Basis alter Verträge liefen, eine weitere Milliarde Kubikmeter neu verhandeln können. Insgesamt bezieht das Utnernehmen jährlich 45 Milliarden Kubikmeter.
NOCH KEINE LÖSUNG MIT GROSSEN GASZULIEFERERN
Gleichzeitig räumte der Konzern ein, mit den großen Öl- und Gasunternehmen aus Russland, Norwegen und den Niederlanden sei man noch nicht zu einem Abschluss gekommen. "Wir gehen unverändert davon aus, dass die Preisrevisionen im Jahr 2013 abgeschlossen werden können und dann zu erheblichen Entlastungen führen", sagte Pohlig.
Bei seinem Verkaufsprogramm kommt RWE indes voran. Bei der Beteiligung an der Berliner Wassergesellschaft hat RWE eine Einigung mit dem Land Berlin getroffen. "Nach harten Verhandlungen haben wir uns auf ein Gesamtpaket verständigt, das für beide Seiten tragfähig und abschließend ist", sagte Pohlig. Sowohl der Berliner Senat als auch die obersten Gremien von RWE müssen jedoch noch abschließend zustimmen. Das solle bald geschehen, so Pohlig. Unbestätigten Berichten zufolge soll der Rückkaufpreis für den RWE-Anteil 618 Millionen Euro betragen.
WEITERE VERKÄUFE STEHEN AN
Insgesamt will sich der Konzern von Anteilen im Volumen von sieben Milliarden Euro trennen. Zuletzt verkauften die Essener ihren 19-Prozent-Anteil an dem saarländischen Versorger VSE. Jetzt geht es noch um Teile der Tochter RWE Dea, um den tschechischen Ferngas-Netzbetreiber NET4GAS sowie um Vertriebstöchter.
Im ersten Quartal fielen bei RWE auf operativer Ebene wegen des von der Bundesregierung beschlossenen Stopps mehrerer älterer Atommeiler Erzeugungskapazitäten weg. Weitgehend ausgeglichen werden konnte dies jedoch über neue Kapazitäten in zwei Gaskraftwerken in den Niederlanden sowie im neuen Braunkohle-Doppelblock in Neurath, der im Probebetrieb läuft. Einen steigenden Ergebnisbeitrag lieferte im ersten Quartal auch die Fördergesellschaft Dea sowie die Erneuerbaren Energien. Außer in der Erzeugung in Deutschland lief es noch in Großbritannien und in Osteuropa schlechter. Somit ging das betriebliche Ergebnis um 13,8 Prozent auf 2,44 Milliarden Euro zurück.
PROGNOSE BESTÄTIGT
Dennoch bestätigte RWE am Donnerstag die Prognose, 2012 ein Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres hinzubekommen. Dahinter steckt, dass der scharfe Gewinnrückgang im ersten Quartal für die kommenden Monate nicht mehr zu befürchten ist. Die Folgequartale des vergangenen Jahres standen bereits unter dem Eindruck der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima und der energiepolitischen Konsequenzen in Deutschland. Somit ist die Vergleichsbasis in den kommenden Monaten nicht mehr so hoch. So soll das Ergebnis im laufenden Jahr stabil gehalten werden, trotz des Verkaufs von Randgeschäften im Volumen von bis zu 7 Milliarden Euro. 2011 war der bereinigte Gewinn um ein Drittel auf 2,48 Milliarden Euro gefallen./nmu/men7KJA
--- Von Nadine Murphy, dpa-AFX ---