12.02.2013 17:19
Bewerten
 (0)

ROUNDUP 2/Ratingagentur S&P will kämpfen: 'Klage entbehrt jeder Grundlage'

    NEW YORK (dpa-AFX) - Die wegen ihrer Hypothekenpapier-Bewertungen vor Gericht gebrachte Ratingagentur Standard & Poor's gibt sich siegessicher. Die Klage des US-Justizministeriums entbehre "jeglicher faktischen oder juristischen Grundlage", erklärte der Mutterkonzern McGraw-Hill am Dienstag in New York. S&P zeigte sich überzeugt, den Fall gewinnen zu können und verwies auf 41 ähnliche Klagen in der Vergangenheit, die entweder vor Gericht verworfen oder zurückgezogen worden seien.

 

    Das US-Justizministerium hatte S&P in der vergangenen Woche auf 5 Milliarden Dollar (3,7 Mrd Euro) verklagt. Der Vorwurf: Die weltgrößte Ratingagentur habe vor der Finanzkrise wissentlich zu gute Noten für amerikanische Hypothekenpapiere verteilt und damit Investoren betrogen, die die Papiere anschließend gekauft haben. Denn nur wenige Monate später brach der Markt zusammen und die Investoren verloren Abermilliarden mit den angeblich so sicheren Wertpapieren.

 

    "Wir werden uns energisch verteidigen", sagte Chefjustiziar Kenneth Vittor in einer Telefonkonferenz. Allerdings zeigte er sich auch offen für einen Vergleich. Dieser müsse aber "vernünftig" sein. Im Vorfeld der Klage waren Vergleichsverhandlungen nach Informationen von US-Medien gescheitert, nachdem das Justizministerium auf eine Zahlung von mehr als 1 Milliarde Dollar bestanden habe. S&P habe rund 100 Millionen Dollar angeboten, schrieb die "New York Times".

 

    Für den Finanzdienstleister wäre eine Verurteilung eine Katastrophe, nicht nur wegen des Imageschadens: Eine Strafzahlung in der geforderten Höhe würde ein Vielfaches des Jahresgewinns darstellen, der 2012 bei unterm Strich 437 Millionen Dollar lag. 2011 hatte McGraw-Hill noch mehr als doppelt so viel verdient, doch der Konzern befindet sich im Umbruch. Das zweite Standbein mit Bildungsangeboten wird für 2,5 Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Apollo verkauft. Das Geschäft soll bis Ende März abgeschlossen werden.

 

    S&P beteuerte zum wiederholten Male, dass die Bewertungen "in gutem Glauben" entstanden seien. Auch habe S&P schneller und umfassender als jeder Konkurrent auf den einbrechenden US-Häusermarkt reagiert und damit zusammenhängende Wertpapiere abgewertet. "Leider hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass diese Aktionen nicht ausreichend waren." Die Immobilienkrise sei letztlich schlimmer gekommen als angenommen. Dieses Versagen sei aber keine Folge eines Fehlverhaltens bei S&P. Auch kaum jemand anderes habe die Schwere der Krise vorausgeahnt, verteidigte sich die Ratingagentur.

 

    Die Einschätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Wertpapieren ist ein Milliardengeschäft. "2012 war ein tolles Jahr", sagte McGraw-Hill-Chef Harold McGraw III bei der Vorlage der Geschäftszahlen am Dienstag. Die Tochter S&P ist Marktführer, weitere große Spieler sind Moody's und Fitch. Alle drei konnten ihren Umsatz im vergangenen Jahr kräftig steigern.

 

    Das Geschäftsmodell der Branche steht jedoch schon lange in der Kritik: Denn nicht die Anleger zahlen für die Bewertungen, sondern die Verkäufer der Wertpapiere, im Falle der Hypothekenpapiere waren dies Banken. Kritiker sehen deshalb einen Interessenkonflikt und die Gefahr von "Kuschel-Noten".

 

    S&P-Chef Doug Peterson verteidigte das Geschäftsmodell in der Telefonkonferenz als "transparent". Er versicherte, nach der Finanzkrise seien die Ratingmodelle überarbeitet worden. So sei es heute schwerer, die begehrte Bestnote "Triple-A" zu bekommen. Einen Rückschlag für das Geschäft fürchtet Peterson nicht: "In der Zukunft wird die Rolle unabhängiger Ratingagenturen noch wichtiger."

 

    Unklar ist bislang, warum sich das US-Justizministerium sowie die Generalstaatsanwälte mehrerer Bundesstaaten nur auf S&P gestürzt haben. "Wir haben keine Erklärung dafür", sagte Chefjustiziar Vittor. Die Konkurrenten hätten vor der Finanzkrise ähnliche Noten verteilt. Zum S&P-Mutterkonzern McGraw-Hill gehören neben der Ratingagentur und der zum Verkauf stehenden Bildungssparte auch noch die bekannten S&P-Dow-Jones-Börsenindizes sowie der besonders in der Autobranche umtriebige Marktforscher J.D. Power./das/DP/hbr

 

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Technologieaktien: Drei Möglichkeiten, um vom Trend "Digitale Fabrik" zu profitieren!
Die vierte industrielle Revolution ist im vollen Gange und verändert, vom Großteil der Gesellschaft völlig unbemerkt, bereits die Produktionsabläufe in den großen, industriellen Hallen. Wir zeigen Ihnen in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins drei Möglichkeiten, wie Sie in den kommenden Monaten und Jahren von dem Zukunftstrend "Digitale Fabrik" profitieren können.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX leicht im Plus -- Dow stabil -- SAP erhöht Prognosen für 2017 und 2020 -- Manz- und Pfeiffer Vacuum-Aktien heben ab -- Samsung, BT Group, VW, Alcoa, Yahoo im Fokus

Schaeffler verdient mehr. DuPont meldet Gewinnsprung. Werden Russland-Investments mit US-Präsident Trump wieder attraktiv? Chartanalyst: Das ist bei der Trump-Rally noch drin. Britisches Parlament darf über Brexit-Erklärung abstimmen. Air Berlin-Großaktionär Etihad wirft Chef raus.
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese 10 Automobil Neuheiten gibt es bei der Detroit Auto Show 2017
Jetzt durchklicken

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die Millionen-Dollar-URLs
Jetzt durchklicken
Welche Commodities entwickelten sich 2016 am stärksten?
Jetzt durchklicken
Mit diesem Studium wird man CEO im Dow Jones
Jetzt durchklicken
Das verdienen YouTube-Stars mit Videos
Jetzt durchklicken
So reich sind die Minister aus Donald Trumps Kabinett
Jetzt durchklicken
mehr Top Rankings

Umfrage

Am Freitag wurde Donald Trump in das Amt des US-Präsidenten eingeführt. Wsas halten Sie von dem Republikaner?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Volkswagen AG Vz. (VW AG) 766403
Deutsche Bank AG 514000
Daimler AG 710000
BASF BASF11
Bayer BAY001
Deutsche Cannabis AG A0BVVK
Allianz 840400
Commerzbank CBK100
SAP SE 716460
Deutsche Telekom AG 555750
Apple Inc. 865985
E.ON SE ENAG99
Siemens AG 723610
Nordex AG A0D655
Deutsche Lufthansa AG 823212