(neu: Aussagen von Unternehmenschef, Aktienkurs)
NIESTETAL (dpa-AFX) - Der Wechselrichter-Hersteller SMA Solar (SMA Solar Technology) verzeichnet angesichts von Überkapazitäten und einer Nachfrageflaute in der Photovoltaikbranche deutliche Gewinneinbußen. Trotzdem schlug sich die Gesellschaft auf Neunmonatssicht im Branchenvergleich noch gut. Die im September zurechtgestutzte Prognose bestätigte das TecDax-Unternehmen (TecDAX) aus Niestetal bei Kassel am Freitag. Viele andere Solarunternehmen wie Phoenix Solarund Conergy schreiben rote Zahlen, einige ringen ums Überleben.
An der Börse stieg der SMA-Kurs am Vormittag um fast sechs Prozent in einem festen Marktumfeld. SMA erwartet trotz des Einbruchs auf dem Solarmarkt eine passable Geschäftsentwicklung bis zum Ende des Jahres. "Wir sind sicher, dass wir unsere Guidance erreichen. Es wird keine Jahresendrallye geben, aber ein solides Geschäft", sagte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Das Schlussquartal ist traditionell das stärkste der Solarbranche.
"Für das kommende Jahr können wir keinen Ausblick geben, weil die Rahmenbedingungen zu unsicher sind", sagte Urbon. Durch die Euro- und Schuldenkrise verschlechterten sich die Bedingungen zur Refinanzierung, diese sind aber essentiell für großflächige Solarprojekte, auf die SMA verstärkt setzt. "Wir sehen eine Verschiebung der Nachfrage", erklärt Urbon. Während das Handelsgeschäft auf den Kernmärkten Deutschland, Italien und Frankreich abfiel und zu einem Drittel weniger Umsatz führte, legte SMA bei Großprojekten um 75 Prozent zu. Die Sparte macht mittlerweile 30 Prozent des Umsatzes bei SMA aus, vergangenes Jahr waren es noch unter 20 Prozent.
Überkapazitäten und sinkende Preise sind mittlerweile auch bei Wechselrichtern, die in Solaranlage Gleich- in Wechselstrom umwandeln, ein Thema. Im Boomjahr 2010 hatte es wegen fehlender Bauteile sogar einen Engpass für die Geräte gegeben. "Weltweit haben die Kapazitäten um 40 Prozent zugenommen", schätzt Urbon. Die Produktion von SMA sei zu zwei Dritteln ausgelastet. "Das ist ein gutes Ergebnis, damit liegen wir deutlich über Durchschnitt." Grund sei vor allem die Qualität und der Service.
Dennoch kann sich SMA dem Preisdruck nicht völlig entziehen. Um zehn Prozent seien die Preise bezogen auf die Leistung seit Anfang des Jahres gefallen. "Und das wird auch so weitergehen. Die Preise kennen nur eine Richtung - und zwar nach Süden", sagte der Vorstandssprecher. SMA sei dafür gerüstet. Unter anderem hält das Unternehmen seine Kosten durch den Einsatz von Zeitarbeitern flexibel. Von 1.000 dieser Leiharbeiter trennt sich SMA wie im September angekündigt bis Jahresende.
In den ersten neun Monaten ging der Umsatz um 17 Prozent auf 1,19 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) und der Überschuss fielen um je 58 Prozent auf 178,3 Millionen Euro und 126,4 Millionen Euro. Im Gesamtjahr soll der Umsatz 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro betragen, beim operativen Ergebnis will SMA 220 bis 300 Millionen Euro erzielen.
Der weltweite Markt wächst nach Einschätzung Urbons in diesem Jahr erstmals weniger stark. Er rechnet mit neu installierten Solaranlagen im Volumen von 19 bis 21 Gigawatt (GW), im Boomjahr 2010 waren es 23 GW. Im kommenden Jahr gebe es nur ein moderates Wachstum, auch eine Stagnation sei nicht ausschließen. Mittelfristig habe die Photovoltaik aber gute Perspektiven. Wichtige Wachstumsregionen seien Nordamerika und Japan. Die internationale Aufstellung will SMA Solar weiter ausbauen. Als nächstes will das Unternehmen Niederlassungen in Südamerika und Afrika gründen. Aktuell liegt der Exportanteil bei 53,4 Prozent./nmu/kja/tw
---Von Nadine Murphy, dpa-AFX---