(Neu: Aussagen aus Bilanz-PK, Aktienkurs, Analystenstimme, mehr Details) PARIS (dpa-AFX) - Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis erwartet 2010 wegen der Konkurrenz von Generikaherstellern ein schwächeres Gewinnwachstum als im Vorjahr. Konzernvorstand Christopher Viehbacher will den Einnahmeausfall durch organisches Wachstum und Zukäufe wettmachen. "Sanofi-Aventis ist gut aufgestellt, um das so genannte Patent-Cliff, das in den kommenden Jahren auf uns zukommt, zu meistern", sagte Viehbacher am Mittwoch in Paris. Unter dem "Patent-Cliff" versteht man den Patentablauf von Medikamenten mit Milliardenumsätzen zwischen 2010 und 2015.
Für das laufende Jahr stellt das Pharmaschwergewicht ein Gewinnwachstum je Aktie zu konstanten Wechselkursen von 2 bis 5 Prozent in Aussicht. Der Ausblick sei ohne die Berücksichtigung einer möglichen Konkurrenz durch Nachahmer-Medikamente für den Blutverdünner Lovenox. 2009 wies der Konzern vor Sonderposten einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 6,49 Euro aus - ein Plus von 13,1 Prozent.
Bis 2013 verlieren Sanofi-Bestseller wie das Krebsmittel Taxotere, der Blutverdünner Plavix, der Gerinnungshemmer Lovenox und auch Eloxatin ihren Patentschutz. Insgesamt ist nach Sanofi-Angaben rund ein Fünftel des Umsatzes bedroht. Um sich für die Zeit nach den Patentabläufen zu rüsten, will sich Sanofi-Aventis in den kommenden Jahren Kernbereiche wie die Diabetessparte, die Impfstoffe, das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten (OTC), patentgeschützte Medikamente sowie die Präsenz in den Schwellenländern stärken. Zudem sollen die Kosten bis Ende 2013 um 2 Milliarden Euro reduziert werden.
SANOFI-AKTIE - IMPFSTOFFE UND LANTUS TREIBEN UMSATZ
Die im Eurostoxx 50 (EuroSTOXX 50) notierte Aktie legte bis zum Mittag um 0,15 Prozent zu und entwickelte sich damit schwächer als der Index. Der Ausblick für 2010 liege im Rahmen der Erwartungen, schrieb Analyst Thomas Maul von der DZ Bank.
"Das Jahr 2009 war ein sehr erfolgreiches für Sanofi-Aventis", so Viehbacher. Im vierten Quartal habe der Gewinn deutlich vom Verkauf des Schweinegrippe-Impfstoffes profitiert. Im Gesamtjahr legte der währungsbereinigte Überschuss nach Minderheiten um 12,8 Prozent auf 8,47 Milliarden Euro zu. Die Erlöse kletterten 2009 um 5,3 Prozent auf 29,30 Milliarden Euro. Angetrieben wurde das Wachstum vom Diabetesmittel Lantus und der Nachfrage aus den Schwellenländern. Dagegen brach der Eloxatin-Umsatz fiel um fast 35 Prozent ein. Die Plavix-Verkäufe stagnierten. In der eigenen Generikasparte, die Sanofi-Aventis durch die Übernahmen von Zentiva, Kendrick, Medley und Helvepharm ausgebaut hat, wuchs der Umsatz um fast 9 Prozent auf 1,012 Milliarden Euro.
ÜBERNAHMEN
Um die Innovationskraft zu stärken, wird die Forschung kräftig durchgeschüttelt und ein neuer Ansatz eingeführt. Viehbacher will Sanofi stärker nach außen öffnen und Innovationen auch bei Biotechfirmen oder staatlichen Forschungsinstituten suchen. 2009 wurden unter seiner Ägide bereits 31 Übernahmen und Lizenzvereinbarungen für 8,1 Milliarden Euro unter Dach und Fach gebracht. Sanofi-Aventis will sich wie die Konkurrenten Novartis, Bayer oder auch Johnson & Johnson breiter aufstellen, um die Risiken bei der Medikamentenentwicklung besser abfangen zu können./ep/she