(Neu: Analysten und aktueller Aktienkurs)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Halbleiter-Zulieferer und Chemiekonzern Wacker Chemie hat wie erwartet im Schlussquartal einen Dämpfer erhalten. "Der stärker als von uns erwartete Nachfragerückgang im Halbleiter- und Solargeschäft ist der Grund dafür, dass die Zahlen des vierten Quartals hinter unserer Einschätzung zurückgeblieben sind", sagte Unternehmenschef Rudolf Staudigl am Donnerstag laut Mitteilung. Damit verhagelt das durchwachsene vierte Quartal dem Unternehmen den Abschluss für das Gesamtjahr. Zwar wuchs der Umsatz leicht, unter dem Strich verdienten die Oberbayern im vergangenen Jahr aber deutlich weniger Geld. Auch höhere Rohstoffpreise und Energiekosten drückten der Firma auf die Bilanz.
Mit den Eckdaten zum vierten Quartal und zum Gesamtjahr enttäuschte Wacker die Börse: Die Aktie lag im Nachmittagshandel rund ein Prozent im Minus, während der MDAX (MDAX) fast zwei Prozent im Plus tendierte. Die vorläufigen Ergebnisse seien hinter seinen und den durchschnittlichen Markterwartungen zurückgeblieben, schrieb Equinte-Analyst Stefan Freudenreich in einer Branchenstudie. Auch Commerzbank-Analystin Lauren Licuanan verwies auf die schwachen Zahlen. Sowohl ihre als auch die Konsenserwartungen seien verfehlt worden. Die Zahlen seien insgesamt negativ und dürften auch noch nicht das Ende der Fahnenstange darstellen
Der Umsatz ging im vierten Quartal um 16 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis (EBITDA) sank deutlich von 292 Millionen auf rund 110 Millionen Euro. Vor allem die Nachfrageflaute bei Halbleiterwafern und Solarsilizium belastete. Die Chemiebereiche litten unter der üblichen Saisonalität stärker als im Vorjahr.
Die Gewinnprognose hatte Wacker zusammen mit der Anfang Dezember angekündigten Werkschließung in Japan bereits gesenkt. Gut einen Monat zuvor hatte sich der Konzern wegen höherer Unsicherheit und gestiegenen Rohstoffkosten bereits etwas skeptischer gezeigt. Im Gesamtjahr konnte Wacker noch ein Umsatzplus von drei Prozent auf 4,91 Milliarden Euro verbuchen. Höhere Preise und Volumensteigerungen halfen hier, während der schwache Dollar drückte. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank um acht Prozent auf 1,10 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb noch ein Gewinn von 350 Millionen Euro nach 497 Millionen Euro im Vorjahr.
Operativ verfehlte das Unternehmen die eigenen Ziele und die Prognosen der Experten. Auch beim Umsatz wurden die Erwartungen nicht erreicht. Zum weiteren Verlauf äußerte sich Wacker wenig konkret: Zwar habe in den ersten Wochen des Jahres 2012 die Kundennachfrage wieder an Fahrt gewonnen, allerdings seien im Halbleitergeschäft die Preise weiterhin rückläufig. Sowohl in den Chemiebereichen als auch bei Halbleiterwafern und Polysilizium verzeichne Wacker im Vergleich zum gerade beendeten Quartal gegenwärtig aber steigende Absatzmengen.
Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 16.000 Mitarbeiter, 10.000 davon allein am größten Standort im oberbayerischen Burghausen./stk/stb/tw