(Neu: Aussagen von Hannover Rück und Postbank)
NEW YORK (dpa-AFX) - Die Finanzkrise schwelt weiter: Nachdem in den USA in diesem Jahr schon 139 Regionalbanken bankrott gegangen sind, weil die Hausbesitzer mit ihren Kreditraten im Rückstand sind, droht nun einem einst großen amerikanischen Versicherungskonzern das Aus: Ambac Financial (AMBAC Financial Group) warnte am Montag davor, dass das Unternehmen bis zum Jahresende in die Insolvenz schlittern werde, wenn es sich nicht mit seinen Gläubigern einigen könne.
Zu den deutschen Geschäftspartnern von Ambac gehört auch die Deutsche Postbank . Nachdem das Bonner Institut bereits nach dem früheren Ambac-Fiasko im ersten Quartal hohe Wertberichtigungen vorgenommen hatte, erwartet das Management bei einer Insolvenz des US-Unternehmens keine größeren Belastungen mehr, wie ein Postbank-Sprecher am Montag auf Nachfrage versicherte.
Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück (
Hannover Rueckversicherung) sieht sich von der möglichen Ambac-Pleite überhaupt nicht betroffen. Beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re (
Muenchener Rueckversicherungs-Gesellschaft) war wegen des Feiertags in Bayern zunächst keine Auskunft über mögliche Auswirkungen zu erhalten.
Ambac versichert Anleihen - Wertpapiere, mit denen Unternehmen oder Staaten frisches Geld einsammeln und dafür Zinsen zahlen. Ambac steht gegenüber Investoren dafür gerade, wenn ein Schuldner nicht mehr zahlen kann. Nun lässt der Versicherer seine eigenen Gläubiger im Regen stehen: Ambac räumte ein, dass es nicht gelungen sei, neues Geld aufzutreiben. Deshalb müssten anstehende Zinszahlungen ausfallen.
Die in der Öffentlichkeit wenig bekannten, aber für die Finanzindustrie wichtigen Anleiheversicherer - auch Monoliner genannt - hatten sich ursprünglich auf recht risikoarme Anleihen von Kommunen und Ländern konzentriert. Dann aber stiegen Ambac und andere Branchengrößen massiv ins Geschäft mit hochriskanten Wertpapieren ein, die mit Hypotheken besichert sind, die finanzschwache US-Bürger aufgenommen hatten. Seit dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts 2007 sieht sich Ambac einer Flut von offenen Rechnungen gegenüber.
Ambac schreibt anhaltend hohe Verluste, alleine im ersten Halbjahr 747 Millionen Dollar. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit können viele US-Hausbesitzer bis heute ihre Raten nicht zahlen, die darauf aufbauenden, teils hochkomplexen Finanzprodukte platzen reihenweise. Auch die Banken beklagen immer noch heftige Ausfälle. Im Falle von Ambac geht es um etliche Milliarden Dollar. Das Unternehmen war einst die Nummer zwei der Branche und hatte mit seinen Turbulenzen die Finanzkrise befeuert.
Zu den Leidtragenden des Ambac-Niedergangs gehörte auch die Postbank , die mit den Amerikaner im Geschäft war. Das Bonner Institut, das gerade von der Deutschen Bank (Deutsche Bank) übernommen wird, verbuchte millionenschwere Belastungen. Die Aktie des US-Versicherers ist schon lange ein sogenannter Pennystock - ein Wert, der nur noch im Centbereich gehandelt wird. Am Montag brach das Papier nach der Insolvenzwarnung um die Hälfte auf 41 Cent ein./das/stw/he