(Neu: Glos, Anleihe)
BERLIN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Unter dem Druck der Finanzkrise steigt der Staat bei der Commerzbank ein und beteiligt sich damit erstmals direkt an einer großen Privatbank in Deutschland. Der staatliche Bankenfonds stellt dem zweitgrößten deutschen Geldinstitut eine weitere Kapitalspritze von zehn Milliarden Euro bereit, um die Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank und weitere Belastungen abzusichern. Im Gegenzug übernimmt der Staat 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank. Somit erhält der Bund ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen und in der Hauptversammlung der Großbank.
Das Bundesfinanzministerium sprach am Donnerstag in Berlin von einem "starkem Signal für eine starke Commerzbank". Die Beteiligung des Bundes sei "keine Teilverstaatlichung, sondern Wahrnehmung unserer Verantwortung für einen der großen deutschen Akteure am Finanzmarkt", sagte Sprecher Torsten Albig.
GLOS: 'BESSERE VERSORGUNG DER WIRTSCHAFT MIT KREDITEN'
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erklärte, die direkte Beteiligung des Staats an der Commerzbank diene der besseren Versorgung der Wirtschaft mit Krediten. "Mit dem zusätzlichen Kapital kann die Commerzbank ihre Aufgabe besser erfüllen, die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen", sagte Glos dem Handelsblatt (Freitagsausgabe). Glos betonte, dass der Einstieg des Bundes kein Verlustgeschäft sein müsse. "Der Bund kann seine Beteiligung wieder verkaufen und damit Gewinn machen", sagte Glos.
Der Allianz-Konzern , von dem die Commerzbank die Dresdner Bank übernimmt, will zusätzlich faule Papiere in der Dresdner-Bilanz im Milliardenumfang übernehmen. Dies teilte die Commerzbank in Frankfurt mit. Die im Dax notierten Aktien von Commerzbank und Allianz stürzten zweistellig ab. Commerzbank-Papiere verloren zeitweise über 20 Prozent auf 4,79 Euro und lagen am Abend bei 5,25 Euro.
STÄRKERE EIGENKAPITALDECKE
Der Rettungsfonds (SoFFin) beabsichtigt nach Angaben der Commerzbank, dem Institut zusätzlich Eigenkapital in Höhe von zehn Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Dies soll durch die Ausgabe von rund 295 Millionen Stammaktien zu je sechs Euro und durch eine stille Einlage in Höhe von etwa 8,2 Milliarden Euro gesichert werden.
Die Commerzbank könne damit eine Kernkapitalquote von etwa 10 Prozent erreichen, um sich in der Krise zu behaupten. Die Commerzbank hatte bereits im November 8,2 Milliarden Euro Kapital als stille Einlage vom Bund erhalten.
ALLIANZ ÜBERNIMMT RISIKEN
Die Allianz übernimmt bei Vollzug des Deals erhebliche Risiken. Deutschlands größter Versicherungskonzern will nach Angaben der Commerzbank die Kapitalausstattung der Dresdner Bank stärken. Dies erfolge durch die Übernahme von verbrieften Wertpapieren im Wert von 2 Milliarden Euro für einen Kaufpreis von 1,1 Milliarden Euro. Diese Papiere haben in der Finanzkrise dramatisch an Wert verloren. Die Allianz wird künftig 13,86 Prozent an der neuen Bank halten; ursprünglich geplant war ein Anteil von knapp 30 Prozent.
Für die neue Commerzbank ergebe sich in der Bilanz damit eine Entlastung bei Risikopapieren von 17,5 Milliarden Euro, berichtete der Konzern. Dies setze Eigenkapital von 700 Millionen Euro frei. Außerdem werde die Allianz eine stille Einlage in Höhe von 750 Millionen Euro zeichnen. "Damit steht die Übernahme der Dresdner Bank kurz vor dem Abschluss", teilte die Commerzbank mit.
Unabhängig von der neuen Eigenkapitalhilfe beschaffte sich die Commerzbank am Donnerstag erstmals mit staatlicher Unterstützung frisches Kapital am Markt. Dazu wurde eine Anleihe im Volumen von mindestens einer Milliarde Euro herausgegeben. Der Rettungsfonds übernimmt für dieses Papier eine staatliche Garantie für den Fall, dass die Bank zahlungsunfähig wird. Für die Staatsgarantie muss zwar eine Gebühr gezahlt werden, trotzdem kann sich die Bank darüber günstiger refinanzieren. Die Zinshöhe und das genaue Volumen der Anleihe standen zunächst noch nicht fest und sollten durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden. /tb/sl/rg/jb/DP/sb