(neu: Hintergrund, Aktienkurs)
FRIEDRICHSHAFEN (dpa-AFX) - Der Hersteller von Antriebssystemen und Energieanlagen Tognum <TGM.ETR> hält trotz des aktuellen Marktrückgangs an seinen mittelfristigen Wachstumsplänen fest. "Unser mittelfristiges Ziel ist es, auch weiterhin im Durchschnitt stärker als der Markt zu wachsen und durchschnittlich eine zweistellige Umsatzrendite zu erzielen", sagte Tognum-Chef Volker Heuer am Dienstag auf der Hauptversammlung.
Als Vorteil sieht Heuer die breite Aufstellung der Friedrichshafener Gesellschaft. Tognum sei in mehr als 20 unterschiedlichen Anwendungsfeldern für Diesel-Großmotoren abseits der Straße und bei dezentralen Energieanlagen aktiv. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen, an dem der Automobilkonzern Daimler <DAI.ETR> ein Viertel hält, unverändert mit einem Umsatzrückgang von 10 bis 20 Prozent. Der Umsatz betrug im vergangenen Jahr 3,1 Milliarden Euro.
Oberstes Ziel bleibe in diesem Jahr, die Marge auf das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im oberen einstelligen Prozentbereich zu halten. Im ersten Quartal betrug die Rendite 9,9 Prozent. Im vergangenen Jahr war dagegen noch eine EBIT-Rendite auf bereinigter Basis von 13 Prozent erzielt worden. Tognum orientiert sich bei der Bilanzvorlage und den Prognosen an bereinigten Zahlen, die etwa Abschreibungen auf Zukäufe sowie auf Wechselkurseffekte aus Sicherungsgeschäften ausnehmen.
KEINE ENTWARNUNG FÜR 2009
Heuer räumte ein, dass sich die aktuell schwierige Wirtschaftslage auf alle Märkte des Unternehmens auswirke. "Aber: Die Krise trifft uns dennoch nicht mit voller Breitseite, denn unsere Märkte reagieren nicht gleich stark." Für den weiteren Jahresverlauf stellte der Tognum-Chef klar: "Wir können keine Entwarnung geben." Er verwies erneut auf das veränderte Bestellverhalten der Kunden: Statt für ein ganzes Jahr gingen nun vornehmlich Aufträge für sechs bis acht Wochen im Voraus ein. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres war der Auftragseingang mit rund 26 Prozent stärker gesunken als der Umsatz, der um 12 Prozent auf 642 Millionen Euro zurückging.
Trotz der aktuell unsicheren Lage will die im MDAX <MDAX.ETR> gelistete Gesellschaft auch für das laufende Jahr an ihrer Dividendenpolitik festhalten und weiterhin zwischen 30 und 50 Prozent des Konzernüberschusses ausschütten. Für das vergangene Jahr sollen mit 70 Cent je Aktie rund 40 Prozent des Jahresüberschusses ausgezahlt werden.
SPARPAKET
Der Hersteller von Dieselmotoren für Schiffe, Züge und Kraftwerke hatte schon zum Jahresende 2008 ein Maßnahmenpaket aufgelegt, um die Personal- und Budgetkosten zu senken. Zu den Zugeständnissen der Belegschaft zählen unter anderem der Verzicht auf Überstundenausgleich und tarifliche Einmalzahlungen sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle. Die Stammbelegschaft soll anders als Leiharbeiter und befristete Beschäftigte an Bord bleiben. Tognum beschäftigt rund 8.900 Mitarbeiter. Von den Sparmaßnahmen sollen Investitionen in die Zukunft ausgenommen bleiben. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen in diesem Jahr insgesamt sogar um 20 Prozent wachsen.
Wachstumschancen sieht der Tognum-Chef unter anderem im Wartungsgeschäft sowie in der weiteren regionalen Expansion. Neben Indien stehen dabei Japan, Osteuropa sowie Mittel- und Südamerika im Fokus. Einen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte markiere zudem die jüngst vorgestellte neue Dieselmotoren-Baureihe 1600. Die neuen Motoren werden Lastwagenaggregate ersetzen, die bislang von Mercedes-Benz bezogen und umgearbeitet wurden. Die Produktion soll zum Jahresende starten und künftig ein Volumen von 20.000 Motoren jährlich erreichen.
An der Börse notierte das Tognum-Papier in einem allgemein leicht schwächeren Umfeld am frühen Nachmittag mit 1,35 Prozent im Plus bei 10,51 Euro und gehörte damit zu den besten Werten im MDAX./dct/stb/wiz