(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Analystenstimme)
LONDON (dpa-AFX) - Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone fährt weiter auf Sparkurs. Bis 2012 will das Unternehmen seine Kosten um eine weitere Milliarde britische Pfund (rund 1,1 Mrd Euro) senken, kündigte Vodafone-Chef Vittorio Colao am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen an. Vor gut einem Jahr hatte der Manager dem Konzern wenige Monate nach seinem Amtsantritt eine Kostenkur verordnet. Das alte Sparziel von einer Milliarde Pfund erreicht Vodafone nun schneller als geplant.
Mit seinen Anstrengungen steht Vodafone nicht alleine: Umsatz- und Gewinnsteigerungen sind vor allem für die europäischen Telekomkonzerne fast nur noch mit drastischen Sparmaßnahmen zu schaffen. Auch die Deutsche Telekom will im Februar neue Kostenziele ausgeben. Weltweit setzen Telekomkonzerne nun ihre Hoffnungen auf das mobile Internet, von dem sie sich einen Ausgleich zu den Umsatzrückgängen im klassischen Sprachgeschäft erhoffen.
GESCHÄFT MIT DATEN LÄUFT
Das Geschäft mit dem mobilen Internet boomt, wie die Zahlen von Vodafone zeigen. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (bis März 2010) stiegen die Datenumsätze um rund ein Drittel. "Wir haben große Fortschritte bei unseren strategischen Prioritäten gemacht", sagte Colao. Dazu gehört neben dem mobilen Datengeschäft vor allem die Konzentration auf den Cashflow.
In den ersten sechs Monaten wuchsen die Briten aber vor allem dank ihrer Töchter außerhalb Europas. Der Mobilfunkkonzern ist vor allem in Afrika, aber auch in Asien und dem Nahen Osten breit aufgestellt, wo bei den Telekommunikations-Umsätzen noch zweistellige Wachstumsraten erzielt werden können. Dabei profitierte das Unternehmen nach wie vor insbesondere von der Mehrheitsbeteiligung an der südafrikanischen Vodacom und dem starken Wachstum in Indien.
AUSLANDSGESCHÄFT STÜTZT – Aktie ABER IM MINUS
Der Konzernumsatz kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent auf 21,8 Milliarden Pfund. Der bereinigte operative Gewinn stieg auf 5,9 Milliarden Pfund. Die Prognose für operativen Gewinn und Cashflow im laufenden Jahr bestätigte Colao. Die Aktie des Konzerns rutschte deutlich in den Keller. Um die Mittagszeit lag sie in London mit 2,90 Prozent im Minus bei 133,95 Pence. Analysten und Börsianer monierten die niedrigere Profitabilität des Mobilfunkkonzerns, auch wenn die Halbjahreszahlen im Rahmen der Erwartungen lagen.
In Deutschland wie in ganz Europa drückten erneut niedrigere Entgelte für Gespräche aus fremden Netzen auf den Umsatz. Auch die Roaming-Gebühren waren von der EU-Kommission im Sommer gesenkt worden. Neue Flatrate-Tarife konnten dies nur teilweise ausgleichen. Die Zahl der Mobilfunkkunden stagnierte bei 34,8 Millionen. Colao führt das vor allem auf das iPhone zurück, dass die Telekom in Deutschland exklusiv vermarktet. Dafür konnte Vodafone die Zahl der DSL-Kunden im Vergleich zum ersten Quartal leicht auf 3,3 Millionen steigern. Jeder dritte DSL-Neukunde landete den Zahlen zufolge bei Vodafone./gr/stw/tw