LONDON/PARIS (dpa-AFX) – Nach dem vortags erreichten Halbjahreshoch haben die europäischen Börsen am Freitag ihre Aufwärtsdynamik merklich gedrosselt. Der
Eurostoxx 50 ging sogar mit Verlusten aus dem Handel. Vor allem die schwachen Finanzwerte sorgten für Druck auf die Notierungen. Als Kursstütze dienten dagegen Daten vom US-Arbeitsmarkt, die belegten, dass die dortige Beschäftigtenzahl im Oktober mehr als doppelt so stark wie erwartet gestiegen ist. Der Leitindex EuroStoxx 50 (
EuroSTOXX 50) schloss 0,29 Prozent tiefer bei 2.875,94 Punkten, nachdem er am Donnerstag noch den höchsten Stand seit über einem halben Jahr erreicht hatte. Auf Wochensicht ergab sich indes ein Plus von 1,09 Prozent. An der Pariser
Börse ging der Cac-40-Index (
CAC 40) am Freitag prozentual unverändert bei 3.916,73 Punkten aus dem Handel. In London stieg der Leitindex
FTSE 100 um moderate 0,21 Prozent auf 5.875,35 Zähler. Ein Ökonom sprach mit Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten von einer "beeindruckenden Trendwende", deren Nachhaltigkeit allerdings fraglich sei. Für den Aktienmarkt sei dies aber ebenso positiv wie die weitere Lockerung der US-Geldpolitik, die bereits an den vergangenen zwei Tagen für gute Stimmung gesorgt hatte. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks war wegen negativer Sektornachrichten mit minus 0,69 Prozent größter Verlierer. Dagegen stieg der Stoxx Europe 600 Basic Resources um 2,11 Prozent und führte damit die Gewinnerliste an. Hier stützte die Stärke der in London schwer gewichteten Minenwerte.
Aktien von Credit Agricole (Crédit Agricole) schlossen 2,61 Prozent schwächer bei 12,140 Euro. Händler verwiesen auf Spekulationen über eine drohende Kapitalerhöhung bei der französischen Bank. Noch deutlicher waren indes die Verluste bei der spanischen BBVA (Banco Bilbao Vizcaya Argentaria), deren Papiere als Eurostoxx-Schlusslicht um 5,15 Prozent auf 8,375 Euro abrutschten. Börsianer machten sich erneut Sorgen um die Liquiditätslage bei einem nicht benannten spanischen Institut. Banco Santander (Banco Santander Central Hispano) gaben im Sog dessen ebenfalls um deutliche 2,61 Prozent auf 8,500 Euro nach.
Zahlen gab es indes von britischen Banken. Die HSBC sah ihren Gewinn nach neun Monaten deutlich über dem Vorjahresniveau. Jedoch konnten sich die Titel dem schwachen Umfeld nicht entziehen und fielen um 1,74 Prozent auf 684,21 Britische Pence. Auch die Royal Bank of Scotland (RBS) (Royal Bank of Scotland Group) berichtete über das abgelaufene Quartal. Ungeachtet dessen, dass neu bewertete Schulden nach nur einem Quartal im Plus wieder für einen Verlust in Milliardenhöhe gesorgt hattem, konnten die Aktien im Tagesverlauf lange Zeit zulegen. Letztlich rutschten sie aber wieder ins Minus und schlossen mit Abschlägen von 4,54 Prozent bei 45,55 Pence.
Quartalszahlen gab es zudem von Lafarge. Der weltweit führende Zementkonzern hatte im dritten Quartal abermals einen Rückgang des Überschusses um acht Prozent hinnehmen müssen und verfehlte im operativen Geschäft die Erwartungen. Die Papiere verloren 1,58 Prozent auf 44,525 Euro. Titel der SAS Group konnten hingegen um 0,77 Prozent auf 26,20 Schwedische Kronen zulegen, nachdem die Fluggesellschaft über höhere Passagierzahlen im Oktober berichtet hatte. EADS-Titel (European Aeronautic Defence and Space) gewannen in Paris 0,79 Prozent auf 18,400 Euro. Der Luft- und Raumfahrtkonzern hatte die Einigung mit den Abnehmerländern für seinen Militärtransporter Airbus A400M gegrüßt, welche die lange erwartete Spezifizierung der Grundsatzvereinbarung vom März 2010 ist, und kann nun mit dem Bau des Flugzeugs beginnen. Anziehende Metallwerte gaben insbesondere den in London gelisteten Bergbau-Aktien Auftrieb. An der "Footsie"-Spitze verteuerten sich Vedanta um 5,89 Prozent auf 2.318,00 Pence, den dritten Platz im Index besetzten Eurasian Natural Resources mit Gewinnen von 4,42 Prozent auf 982,03 Pence. Beim Medizintechnikunternehmen Smith & Nephew ließen unerwartet gute Quartalszahlen die Papiere um 5,19 Prozent auf 597,21 Pence steigen. Das Lungenmedikament Advair von GlaxoSmithKline dürfte weniger früh als bisher durch Nachahmer-Produkte (Generika) unter Druck geraten, was die Aktien des Pharmakonzerns mit Gewinnen von 2,81 Prozent auf 1.236,54 Pence honorierten. Steigende Kurse gab es auch beim britischen Mobiltelefon-Händler Carphone Warehouse (Check Point Software Technologies), der seinen Gewinnausblick erhöht hatte und erstmals die Zahlung einer Dividende ankündigte. Die Papiere sprangen um 10,96 Prozent auf 328,51 Pence hoch./gl/he