PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Nach neuen Berichten über eine mögliche Lösung der griechischen Schuldenprobleme haben die europäischen Aktienmärkte deutliche Kursaufschlägen verbucht. Auch die verlängerte Niedrigzinspolitik der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) stützte Börsianern zufolge die Märkte. Der
Eurostoxx 50 (
EuroSTOXX 50) legte um 1,62 Prozent auf 2.460,40 Punkte zu. Der
FTSE 100 gewann in London 1,26 Prozent auf 5.795,20 Punkte und der Cac 40 (
CAC 40) arbeitete sich in Paris um 1,53 Prozent auf 3.363,23 Punkte nach oben.
Die Fed hatte am Vorabend überraschend angekündigt, den Zeitraum einer faktischen Nullzinspolitik deutlich bis Ende 2014 auszudehnen. Das trieb die US-Börsen an und sorgte im Anschluss in Asien für feste Kurse. Bernanke setze alles auf eine Karte, solange die Erholung der Wirtschaft nicht stärker werde, kommentierte ein Börsianer in Kopenhagen. Zudem verwiesen Händler in Hinsicht auf die Kursgewinne auf Berichte, wonach es zu einer Einigung über die Umschuldung Griechenlands kommen könnte. In Italien sanken die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen zeitweilig unter die 6-Prozent-Marke. Auch sonst sei Entspannung am Anleihemarkt zu beobachten gewesen, sagte ein Börsianer. Anlass zur Sorge gebe hingegen erneut Portugal, schrieb Gregor Kuhn von IG Markets. Die Risikoprämien auf einen Kreditausfall des unter den Eurorettungsschirm geschlüpften Landes kletterten derzeit auf neue Höchststände, so der Aktienstratege.
Auf Unternehmensseite lieferte vor allem die Berichtssaison Gesprächsstoff. Beim angeschlagenen finnischen Handyhersteller Nokia scheint der Umbau erste Früchte zu tragen. Zwischen Oktober und Ende Dezember konnte Nokia Absatz und Umsatz zumindest im Vergleich zum Vorquartal erhöhen. Die Probleme der Vergangenheit belasteten Nokia jedoch weiter. Gegenüber dem Vorjahr ging der Umsatz um rund ein Fünftel zurück, und unter dem Strich stand wegen Abschreibungen ein Minus von 1,08 Milliarden Euro. Die Dividende will Konzernchef Stephen Elop auf 20 Cent halbieren. Die Aktionäre waren vorerst dennoch zufrieden: Nach Zahlenbekanntgabe sprang die Aktie um sechs Prozent nach oben, am Schluss stand noch ein Plus von 2,66 Prozent zu Buche. Im bisherigen Jahresverlauf hat der Titel bereits mehr als 10 Prozent zugelegt, nachdem er im Vorjahr mehr als die Hälfte eingebüßt hatte.
Hennes & Mauritz (H&M) (HennesMauritz AB (HM, H&M)) meldeten für das vierte Quartal einen Gewinnrückgang. Die Anteile des Bekleidungskonzerns dämmten ihre anfänglichen Verluste aber bis zum Handelsschluss auf ein geringes Minus von 0,04 Prozent ein.
Die stärksten Gewinne fuhren in der Sektorwertung die Rohstoffwerte ein, der Branchenindex Stoxx Europe 600 Basic Resources gewann 3,22 Prozent. Für die Aktien von Rio Tinto ging es um 4,89 Prozent nach oben, BHP Billiton zogen um 3,31 Prozent an. Der Kupferpreis war zuletzt auf den höchsten Stand seit September 2011 gestiegen. Auch Stahltitel profitierten dank weiter steigender Stahlpreise: Aktien von ArcelorMittal legten um 3,76 Prozent zu.
Ebenfalls stark präsentierte sich abermals der Auto- und Zuliefersektor. Der Branchenindex kletterte 2,67 Prozent nach oben. Nachdem der südkoreanische Hersteller Hyundai (Hyundai Motor)mit Rekordzahlen geglänzt hatte, konnten auch in Europa die Kurse der Autobauer profitieren.
Größter Gewinner im EuroStoxx waren die Papiere von Carrefour (Petro-Canada) . Die Aktie des weltweit zweitgrößten Einzelhändlers sprang um 7,46 Prozent nach oben. Einem Pressebericht zufolge könnte bereits am kommenden Wochenende Vivarte-Konzernchef Georges Plassat den amtierenden Carrefour-Chef Lars Olofsson ersetzen.
Die Anteile von Easyjet (easyJet) schossen um 10,33 Prozent in die Höhe. Der britische Billigflieger hatte sich nach gutem Jahresstart trotz steigender Spritpreise und drohender Rezession verhalten optimistisch gezeigt. Der Umsatz des Ryanair-Konkurrenten war von Oktober bis Ende Dezember dank des milden Winters um knapp 17 Prozent auf 763 Millionen Pfund ( 915 Mio Euro) geklettert.
Aktien der Airbus-Mutter EADS(EADS) sanken in Paris um 1,41 Prozent und waren damit als einer von zwei Kursverlierern der schwächste Titel im Pariser Cac 40. Erst nach Börsenschluss wurde bekannt, dass der deutsche Airbus-Chef Thomas Enders an der Konzernspitze Nachfolger des Franzosen Louis Gallois werden soll./men/she