PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Hoffnung auf die Hilfe der Notenbanken hat die europäischen Aktienmärkte am Freitag vor der Griechenland-Wahl gestützt. Der
Eurostoxx 50 (
EuroSTOXX 50) ging 1,54 Prozent höher bei 2.181,23 Punkten aus dem Handel. Auf Wochensicht legte der Leitindex der Eurozone trotz der großen Nervosität im Handel respektable 1,74 Prozent zu. In Paris gewann der Cac 40 (
CAC 40) 1,82 Prozent auf 3.087,62 Punkte, und in London rückte der
FTSE 100 um weitere 0,22 Prozent auf 5.478,81 Punkte vor.
"Nach Monaten von politischem Gerede und gebrochenen Fristen kommt an diesem Wochenende endlich der Moment der Wahrheit für die Europazone", sagte Marktanalystin Dafni Serdari von Intertrader. Angesichts der mangelnden politischen Kompetenz bereiteten sich offenbar die internationalen Notenbanken über ihre eigentliche Rolle hinaus dafür vor, im Notfall mit einer konzertierten Aktion den Märkten zur Hilfe zu springen. Das könnte zwar nur kurzfristig helfen, bis die Politiker merkten, dass sie alle in einem (sinkenden) Boot sitzen, so Serdari. Auch Berichte, denen zufolge die konservative Nea Dimokratia in Griechenland gewinnen könnte, wirkten einem anderen Händler zufolge positiv. Der große Verfall an den Terminmärkten sei indes ruhig verlaufen.
Rohstoff- und Finanzwerte wurden laut Händlern von den Hoffnungen auf ein Einschreiten der Notenbanken beflügelt. Der europaweite Rohstoffwerte-Index Stoxx 600 Basic Resources gewann 2,17 Prozent, der Index der Öl- und Gaswerte rückte um 2,25 Prozent vor. ArcelorMittal verteuerten sich als drittbester Wert im EuroStoxx 50 um 5,67 Prozent auf 11,56 Euro, in London stiegen die Anteile an dem Metall- und Minenkonzern Vedanta um 6,31 Prozent auf 960,00 Pence. Im Finanzbereich rückte der Versicherer-Subindex Stoxx 600 Insurance um 1,97 Prozent vor, der Index der Bankentitel gewann 1,71 Prozent. Tagessieger im Eurozonen-Leitindex waren Credit Agricole (Crédit Agricole) mit einem satten Plus von 6,28 Prozent auf 3,284 Euro. Auch im "Footsie" stand mit der Royal Bank of Scotland (RBS) , die 7,93 Prozent auf 247,60 Pence zulegten, eine Bank ganz oben.
Nokia-Aktien (Nokia) erholten sich mit plus 5,58 Prozent auf 1,930 Euro von ihrem Kursrutsch am Vortag, als sie nach einer erneuten Gewinnwarnung um rund 18 Prozent eingebrochen waren. Zahlreiche Analysten kürzten allerdings für das Papier des finnischen Handyproduzenten ihre Kursziele.
Carrefour (Petro-Canada) stiegen um 5,92 Prozent. Der französische Einzelhändler teilte im Zuge seiner Hauptversammlung mit, sich aus Griechenland zurückzuziehen und ein Joint Venture zu verlassen. In Wien verteuerten sich Telekom Austria (ThyssenKrupp) nach dem Einstieg von America Movil um 1,42 Prozent. Der von Milliardär Carlos Slim kontrollierte mexikanische Telekomgigant wird von Telekom-Austria-Großinvestor Ronny Pecik zunächst fünf Prozent übernehmen. Weitere 16 Prozent sollen noch in diesem Jahr folgen./fat/fat