PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die europäischen Aktienmärkte haben von US-Konjunkturdaten belastet die Handelswoche mit Verlusten beendet. Das
Bruttoinlandsprodukt in den USA war im vierten Quartal nicht so stark gestiegen, wie von Experten erwartet. Der
Eurostoxx 50 (
EuroSTOXX 50) verlor 0,97 Prozent auf 2.436,62 Punkte. Auf Wochensicht hat er damit noch ein Plus von 0,40 Prozent eingefahren. In der Vorwoche hatte das Plus 3,80 Prozent betragen. Der
FTSE 100 gab in London am Freitag um 1,07 Prozent auf 5.733,45 Punkte nach, der Cac 40 (
CAC 40) sackte in Paris gar um 1,32 Prozent auf 3.318,76 Punkte ab.
Die US-Wirtschaft war im Schlussquartal 2011 etwas schwächer gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Oktober bis Dezember auf das Jahr hochgerechnet um 2,8 Prozent, während Volkswirte mit einer Rate von 3,0 Prozent gerechnet hatten. Daraufhin gaben die Indizes auch in Europa kräftig nach. Ein Analyst in London sagte, nach den Konjunkturdaten hätte sich der Verkaufsdruck am Markt erhöht. Ein Marktstratege in Genf kommentierte, dass Anleger daher künftig sehr vorsichtig mit den Veröffentlichungen von US-Zahlen sein würden. Zudem habe auch Griechenland erneut im Fokus gestanden. Die Diskussionen gingen weiter, doch die Spannungen stiegen solange es keine Einigung gebe.
Alle Branchenindizes des Stoxx Europe 600 verzeichneten Verluste, am stärksten traf es die konjunktursensiblen Auto- und Zulieferwerte. Der Sektorindex Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts verlor allein 1,85 Prozent. Rohstofftitel und Öl- und Gaskonzerne folgten mit durchschnittlich nur etwas geringeren Abschlägen. Aus dem Rohstoffsektor gaben die Minenbetreiber Rio Tinto und Kazakhmys in London zwischen zwei und drei Prozent ab.
Die Unicredit(UniCredito Italiano (vor Aktienzusammenlegung)) mit einem Minus von 4,50 Prozent und die BNP Paribas(BNP Paribas) mit 3,25 Prozent Verlust wiesen die größten Abschläge unter den Finanzwerten im EuroStoxx auf. Die Aktien der französischen Großbank BNP Paribas litten dabei unter dem gesenkten Votum der Kollegen von JPMorgan: Die Analysten des Instituts hatten ihre Einstufung der Aktie von "Overweight" auf "Neutral" gesenkt.
Schwächster Indexwert waren jedoch Nokia, die um 5,86 Prozent abrutschten. Am Vortag hatten die Titel des finnischen Handybauers nach ermutigenden Smartphone-Verkäufen 2,66 Prozent zugelegt. An diesem Freitag hatte dann die Deutsche Bank das Kursziel für die Aktien von 4,00 auf 3,80 Euro gesenkt. Die Einstufung "Hold" behielten die Experten aber bei.
In Zürich sprangen Transocean als bester Wert im SMI-Index (SMI) um zwischenzeitlich knapp sieben Prozent nach oben, zum Schluss stand lediglich noch ein Plus von 0,87 Prozent zu Buche. BP(BP) kann einem US-Gerichtsurteil zufolge das schweizerische Ölserviceunternehmen nicht für gewisse Schäden im Zusammenhang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verantwortlich machen. Die Titel des britischen Ölkonzerns fielen im FTSE 100 um 2,56 Prozent.
Der französische Einzelhändler Carrefour (Petro-Canada) zeigte sich mit einem Plus von 0,61 Prozent als konjunkturanfälliger Wert verhältnismäßig fest im EuroStoxx. Bereits am Donnerstag hatten die Titel zu Handelsschluss mehr als acht Prozent gewonnen. Grund waren Spekulationen über einen Wechsel an der Konzernspitze./men