FRANKFURT (dpa-AFX) - Sorgen um die Konjunktur und das europäische Bankensystem haben den
Dax (
DAX) am Freitag auf den tiefsten Stand seit November 2009 gedrückt. Rund eine Stunde nach Handelsbeginn verlor der deutsche Leitindex (
DAX) 3,17 Prozent auf 5.425,35 Punkte - das Tagestief lag bei 5.345.36 Punkten. Bereits am Donnerstag hatte das Börsenbarometer mit einem Minus von knapp sechs Prozent den größten Tagesverlust seit November 2008 erlitten. Der
MDAX (
MDAX) der mittelgroßen Werte gab am Freitagmorgen um 3,68 Prozent auf 8.218,51 Punkte nach, und der Technologiewerte-Index
TecDax (
TecDAX) sank um 2,03 Prozent auf 672,60 Punkte.
Die wieder verstärkten Sorgen um das europäische Bankensystem und eine weltweit schwächelnde Wirtschaft sorgen dafür, dass Investoren ihre risikobehafteten Anlagen wie Aktien auf den Markt werfen, sagte Stratege Ben Potter von IG Markets. Das Kaufinteresse vom Wochenbeginn durch Schnäppchenjäger und Deckungskäufe sei wieder verschwunden. Vor dem Wochenende dürften Investoren weitere Positionen glattstellen. Die Agenda ist indes dünn. Die Anleger dürften sich vor dem Wochenende darauf konzentrieren ihre Portfolios vor dem Wochenende vor neuerlichen Risiken zu schützen. Dies schlug sich auch im Goldpreis nieder, der seinen Rekordkurs fortsetzte und erstmals über 1.850 US-Dollar je Feinunze kletterte.
TECH-WERTE LEIDEN UNTER ZIELSENKUNG VON HP
Unternehmensnachrichten waren vor dem Wochenende noch spärlicher gesät als zuletzt. Halbleiterwerte gerieten nach der Senkung der Jahresziele von Hewlett-Packard (HP) unter Druck. Infineon (Infineon Technologies) verloren 2,98 Prozent auf 5,340 Euro, für Dialog Semiconductor ging es im TecDax um 2,66 Prozent auf 11,330 Euro nach unten. Der deutsche HP-Chef Leo Apotheker krempelt den weltgrößten Computer-Hersteller um. Der könnte sich von seinem PC-Geschäft trennen und will stattdessen Milliarden in den Kauf eines britischen Software-Spezialisten stecken. Zugleich dürfte das Geschäft mit Geräten mit dem eigenen mobilen Betriebsystem webOS gestoppt werden. Die Umsatz- und Gewinnprognose für das laufende Jahr senkte der Konzern teils kräftig. "Das wirkt sich auf die Technologiewerte negativ aus", kommentierte ein Händler. Das zeigten schon die Kurse der asiatischen Wettbewerber. Hinzu kommen einem anderen Börsianer zufolge schlechte Daten des Industrieverbandes nordamerikanischer Halbleiterausrüster SEMI.
Die SAP-Titel (SAP) büßten nach anfangs freundlicher Entwicklung 2,13 Prozent auf 33,530 Euro ein. Software AG (Software) gewannen indes als TecDax-Spitzenreiter 3,30 Prozent auf 27,425 Euro. Marktexperten sprachen von Übernahmefantasien, nachdem HP Pläne für den Kauf der britischen Software-Firma Autonomy bestätigt hatte.
ABSTUFUNG BELASTET UNITED INTERNET
Auch Analystenkommentare sorgten für Bewegung. Die Aktien von United Internet büßten 3,12 Prozent auf 10,725 Euro ein, nachdem die US-Investmentbank Goldman Sachs sie abgestuft hatte und nun eine Verkaufsempfehlung ausspricht. Es stünden Fragezeichen hinter den Kosten in der wachstumsstarken Applications-Sparte, schrieb Analyst Hugh McCaffrey. Dies sei wesentlich für den Wert von United Internet und dürfte seiner Meinung nach zu niedrigeren Margenprognosen und sinkenden Bewertungsmultiplikatoren führen. Das wertträchtige Geschäft mit Internetzugängen könne dies nicht vollständig auffangen, zumal er auch diese Sparte als strukturell nicht besonders gut positioniert ansieht.
Für die Aktien der konjunktursensiblen Autobauer ging es ungeachtet einer positiven Studie bergab: BMW verloren 4,19 Prozent auf 51,88 Euro und Daimler gaben um 3,87 Prozent auf 34,280 Euro nach, obwohl die US-Investmentbank Goldman Sachs für die Münchener bei einem leicht gesenkten Kursziel ihr Kaufvotum bekräftigt und Daimler sogar hochgestuft hatte./gl/ag