FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Dienstag unter den anhaltenden Sorgen über eine Lösung der griechischen Schuldenprobleme gelitten. Der
Dax (
DAX) drehte nach einem moderat freundlichen Auftakt schnell ins Minus und verlor eine Stunde nach dem Handelsstart 0,64 Prozent auf 6.721,34 Punkte. Zum Wochenauftakt hatte es der Leitindex in einem wechselhaften Verlauf zeitweise auf ein Sechsmonatshoch geschafft, war dann aber mit einem knappen Minus aus dem Handel gegangen. Der
MDAX (
MDAX) gab am Dienstagmorgen um 1,06 Prozent auf 10.265,30 Punkte nach und der Technologiewerte-Index
TecDax (
TecDAX) büßte 0,78 Prozent auf 763,58 Punkte ein.
"Die Zitterpartie um Griechenland lähmt die Börsen", hieß es in einem aktuellen Kommentar der Landesbank Baden-Württemberg. Am Nachmittag wollen die griechischen Spitzenpolitiker unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Lucas Papademos entscheiden, ob sie dem harten Sparprogramm zustimmen, damit das Land das neue Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro bekommt. Anderenfalls ist Griechenland bis Ende März pleite. Zudem standen aus dem MDax Zahlen von Fielmann und HHLA im Fokus.Gegen Mittag könnten noch Daten zur deutschen Industrieproduktion für Bewegung sorgen.
FIELMANN SACKEN NACH ECKDATEN AB
Im Dax gab es kaum kursbewegende Nachrichten. Für die Papiere des Baustoffeherstellers HeidelbergCement ging es um 0,41 Prozent auf 38,945 Euro hoch. Laut Händlern hatte die US-Bank Morgan Stanley ihr Kursziel für die Aktien angehoben. Überraschend vorgelegte Eckdaten ließen indes die Aktien von Fielmann am MDax-Ende um 6,86 Prozent auf 74,00 Euro absacken. Die Optikerkette steigerte zwar den Umsatz im vergangenen Jahr und rechnet auch für das Vorsteuerergebnis sowie den Jahresüberschuss mit einem Plus. Händler monierten indes, dass die Zahlen etwas unter den Erwartungen lägen. Die Anteilsscheine seien zuletzt gut gelaufen und hätten am Widerstand bei 80,00 Euro an Fahrt verloren. Entsprechend gebe es nun Gewinnmitnahmen.
HHLA (Hamburger Hafen und Logistik) berichtete ebenfalls über seine Entwicklung im vergangenen Geschäftsjahr. Die zuletzt gut gelaufenen Titel verloren 1,42 Prozent auf 25,660 Euro, obwohl der Containerboom dem Hamburger Hafenbetreiber im abgelaufenen Jahr einen Umsatz- und Gewinnsprung beschert hatte. Einem ersten Händlerkommentar zufolge sind die Erlöse "etwas besser als erwartet" ausgefallen, das Ergebnis sei wegen eines Sondereffektes dagegen etwas unter den Markterwartungen geblieben. Die Zahlen hätten die Erwartungen erfüllt, konstatierte Analyst Stefan Kick von Silvia Quandt Research.
AIXTRON SEHR SCHWACH WEGEN VEECO-AUSBLICK
Für die Anteilsscheine von Wincor Nixdorf ging es nach guten Zahlen eines Wettbewerbers aus den USA um 0,28 Prozent auf 38,170 Euro hoch. Händler sahen einen positiven Einfluss auf die Aktien des Geldautomaten- und Kassensystemherstellers, denn NCR konnte im vierten Quartal sowohl beim bereinigten Ergebnis als auch beim Umsatz die Erwartungen der Analysten übertreffen. Die NCR-Aktien gewannen daraufhin nachbörslich mehr als 8 Prozent. Indes verwies Commerzbank-Analystin Yasmin Moschitz darauf, dass die Zahlen des US-Unternehmens die geografisch schwache Aufstellung von Wincor-Nixdorf offenlegten. NCR habe - anders als der deutsche Konkurrent - vor allem dank der starken Entwicklung auf dem amerikanischen Kontinent und im asiatisch-pazifischen Raum den Umsatz deutlich gesteigert.
Im TecDax (TecDAX) verloren die Aixtron-Aktien nach Zahlen von Veeco 3,96 Prozent auf 10,805 Euro. Händler verwiesen darauf, dass der US-Halbleiterspezialist mit seinem Ausblick auf das erste Geschäftsquartal 2012 enttäuscht habe. Dies drückte dessen Titel nachbörslich mit mehr als 4 Prozent ins Minus und habe auch die Titel des auf Leuchtdioden-Anlagen spezialisierten deutschen Maschinenbauers belastet. Die Zahlen der Amerikaner für das abgelaufene Quartal hätten dagegen beim Umsatz die Erwartungen erfüllt und gewinnseitig positiv überrascht.
BERICHT ÜBER AUFTRAG TREIBT CENTROTHERM AN
Dagegen legten die Papiere von Centrotherm (centrotherm photovoltaics) um 4,13 Prozent auf 12,740 Euro zu. Händler verwiesen auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg, dem zufolge der Solar-Zulieferer einen Großauftrag von Idea Polysilicon für eine integrierte Polysilizium/Wafer-Fertigung in Saudi-Arabien erhalten hat. Analyst Sven Kürten von der DZ Bank schätzt den potenziellen Centrotherm-Anteil auf einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag./gl/la