FRANKFURT (dpa-AFX) - Anhaltende Sorgen um die weltweite Konjunktur und die Schuldenkrise in Europa haben den deutschen Aktienmarkt am Montag weiter belastet. Nachdem der
Dax (
DAX) in der Vorwoche rund viereinhalb Prozent verloren hatte, rutschte der Leitindex erstmals seit Januar wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 6.000 Punkten. Er sank in der ersten Handelsstunde um 1,39 Prozent auf 5.965,97 Punkte. Der
MDAX (
MDAX) weitete seinen Verlust auf minus 2,10 Prozent auf 9.663,54 Punkte aus und der
TecDax (
TecDAX) gab um 2,22 Prozent auf 714,64 Punkte nach.
Marktstratege Stan Shamu von IG Markets sieht die Märkte weiter von Risikoaversion geprägt, nachdem die wichtigsten Konjunkturindikatoren zuletzt die Wachstumssorgen durch die Bank nur noch verschlimmert hätten. In den USA waren im Mai weniger Jobs geschaffen worden als erwartet. Auch wurde der Stellenaufbau für die beiden Vormonate am vergangenen Freitag deutlich schwächer ausgewiesen als bislang. In China hat sich zudem das Wachstum im Dienstleistungssektor im Mai weiter verlangsamt. Solange die Schlagzeilen von den Sorgen und Unsicherheit hinsichtlich der spanischen Banken sowie des nachlassenden Wachstums in Europa bestimmt würden, werde sich die Stimmung der Anleger ohne Hilfe durch die EZB oder die EU vermutlich nicht verbessern, sagte Händler Markus Huber von ETX Capital. Schnelle Unterstützung sei allerdings nicht sonderlich wahrscheinlich, da die Politiker über die richtigen Maßnahmen zur Stabilisierung der gegenwärtigen Lage uneins seien.
POSITIVE STUDIENDATEN HELFEN BAYER NICHT
Trotz positiver Studiendaten konnten sich die Bayer-Aktien dem negativen Markttrend nicht entziehen. Sie gaben zuletzt 1,47 Prozent nach. Dabei konnte laut aktuellen Daten Alpharadin das Gesamtüberleben bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs verbessern, und das Mittel Regorafenib erzielte in einer abschließenden klinischen Studie (Phase III) eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens bei Patienten mit Gastrointestinalen Stromatumoren (GIST). In beiden Fällen soll in der zweiten Jahreshälfte die Zulassung beantragt werden. Ein Börsianer wertete insbesondere die Neuigkeiten vom potenziellen Blockbuster Alpharadin positiv. "Die neuen Ergebnisse der Phase III waren sogar noch etwas besser als bereits veröffentlichte Daten", sagte er.
Besser als der Dax hielten sich die Aktien der Merck KGaA (Merck) mit minus 0,93 Prozent sowie die Papiere von ThyssenKrupp(ThyssenKrupp) mit einem Abschlag von 0,55 Prozent. Der vor einem weitreichenden Umbau stehende Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA könnte in Deutschland nach Einschätzung des Betriebsrats fast zehn Prozent seiner Stellen ohne Kündigungen abbauen. "Ich rechne damit, dass bis zu 900 Mitarbeiter in Deutschland das Angebot von Altersteilzeit und freiwilligem Ausscheiden annehmen", sagte Betriebsratschef Heiner Wilhelm der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX in einem am Montag veröffentlichten Gespräch. Derzeit liefen die Gespräche mit Mitarbeitern. Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" sei der Rohstoffkonzern Vale bereit, das hochdefizitäre neue Stahlwerk von ThyssenKrupp in Brasilien zu übernehmen. Ein Börsianer riet jedoch zur Vorsicht und verwies auf einen anderen Medienbericht, wonach eine Vale-Sprecherin das Interesse an einer Mehrheitsbeteiligung dementiert habe. Auch eine Posco-Sprecherin habe kein Interesse der Südkoreaner an einer Offerte gezeigt. Die Gespräche zwischen Vale und der brasilianischen Regierung seien aber wohl noch in einem frühen Stadium, sagte er.
DEUTSCHE Börse TROTZ EUROSTOXX-50-AUSSCHLUSS FREUNDLICH
Trotz des angekündigten Ausschlusses auf dem Eurostoxx 50 (EuroSTOXX 50) zeigten sich die Titel der Deutschen Börse freundlicher als der Gesamtmarkt. Sie sowie Deutsche Bank waren mit Aufschlägen von 0,47 respektive 0,96 Prozent die beiden einzigen Dax-Werte im Plus. Auch eine Händleraussage, wonach Merrill Lynch das Kursziel von 59,00 auf 55,00 Euro gesenkt habe, konnte die Papiere des Börsenbetreibers offenbar nicht deutlich belasten. Am Dax-Ende standen die Titel der deutschen Autobauer Volkswagen (Volkswagen vz), BMW und Daimler . Die jüngsten Absatzzahlen aus den USA weisen laut Händlern und Analysten auf eine sinkende Dynamik hin.
Die im SDax (SDAX) gelisteten Aktien von Bertrandt konnten nicht von positiven Unternehmensaussagen profitieren. Sie verloren 4,05 Prozent. Der schwäbische Ingenieurdienstleister sieht keine Anzeichen für eine Verlangsamung des hohen Wachstumstempos im Unternehmen./mis/rum